In der Synagoge hat das Tagescafé Shulhof eröffnet. Dort gibt es nur koschere Speisen.

Religion
Die Gäste Svetlana Maydych (2. v. l.) und Irina Shterenson (r.) lassen es sich auf der Terrasse des Shulhofs gutgehen. Kellnerin Miriam Tenzer (l.) und Café-Leiterin Natalia Wagner servieren koschere Speisen.

Die Gäste Svetlana Maydych (2. v. l.) und Irina Shterenson (r.) lassen es sich auf der Terrasse des Shulhofs gutgehen. Kellnerin Miriam Tenzer (l.) und Café-Leiterin Natalia Wagner servieren koschere Speisen.

Dirk Jochmann

Die Gäste Svetlana Maydych (2. v. l.) und Irina Shterenson (r.) lassen es sich auf der Terrasse des Shulhofs gutgehen. Kellnerin Miriam Tenzer (l.) und Café-Leiterin Natalia Wagner servieren koschere Speisen.

Krefeld. Für diesen Innenhof würde so manch ein Gastronom sein letztes Hemd geben: Er ist lichtdurchflutet, ausgestattet mit modernen Terrassenmöbeln, als Blickfang dient ein knorriger Olivenbaum. Wer diese kleine Oase betritt, vergisst sofort die Kameras und den Polizeiwagen vor der Tür. „Seit der Eröffnung der Synagoge vor drei Jahren hatten meine Frau Natalia und ich vor, hier einen Treffpunkt zu schaffen – für Gemeindemitglieder und für Krefelder aller Religionen“, sagt Rabbiner Yitzchak Mendel Wagner.

„Judentum geht eben manchmal durch den Magen.“

Yitzchak Mendel Wagner, Rabbiner

Lange hatte das Paar überlegt, wie es das koschere Tagescafé nennen könnte. Ein Wortspiel sollte es werden, die zündende Idee hatte letztlich Natalia Wagner: Der Name setzt sich zusammen aus der jiddischen Bezeichnung „Shul“ für Synagoge sowie dem deutschen Wort „Hof“ – und verweist so mehrdeutig auf einen Ort, an dem man etwas lernen, aber auch entspannen kann. Das Café Shulhof soll mehrere Funktionen erfüllen: „Wir hoffen, dass jetzt auch Gemeindemitglieder in die Synagoge kommen, die wir sonst nur selten sehen“, erklärt Rabbi Wagner. „Denn Judentum geht eben manchmal durch den Magen.“ Gleichzeitig soll der Shulhof „das jüdische Gewürz in der bunten Krefelder Kultursuppe“ sein und das koschere Leben für Juden in Krefeld vereinfachen. In Nordrhein-Westfalen sind die Möglichkeiten dafür nämlich ziemlich begrenzt. „Koscher zu essen ist teuer und umständlich, weil es kaum Angebote gibt“, berichtet Wagner. „Selbst in Städten wie Düsseldorf oder Köln ist die Auswahl nicht besonders groß.“ Ein Glücksfall sei deshalb die Nähe zu Antwerpen, wo eine der größten jüdische Gemeinden Europas beheimatet ist. Hier deckt sich Natalia Wagner, die das Café leitet, regelmäßig mit koscheren Lebensmitteln ein.

Das Café Shulhof in der Krefelder Synagoge, Wiedstraße 17 d, hat vorerst nur donnerstags von 15 bis 20 Uhr geöffnet.

Neben einer Tageskarte gibt es eine feste Karte, auf der Snacks wie Hummus und Falafel oder warme Speisen wie Pizza, Pommes oder Blinsches (gefüllte Eierteigküchlein) stehen. Die Preise liegen zwischen 2,50 und 5 Euro. Es sind auch Themenabende geplant mit internationalen koscheren Spezialitäten.

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Was koscher (hebräisch für „geeignet“) ist oder nicht, ist in den Kaschrut-Gesetzen definiert, die Moses von Gott am Berg Sinai empfangen haben soll. Aufgeschrieben wurden sie in den wichtigen jüdischen Schriften der Torah und dem Talmud. „Der Grundgedanke ist, dass Essen an sich ein göttlicher Akt ist“, erklärt Wagner. „Koschere Nahrung ist Nahrung für die Seele.“

In zwei Küchen werden Milch- und Fleischspeisen separat zubereitet

Ein Konvolut an Regeln definiert, was Juden essen dürfen und was nicht. So sind zum Beispiel alle Säugetiere koscher, die gespaltene Hufe haben und gleichzeitig Wiederkäuer sind. Das trifft unter anderem auf Kühe zu, auf Schweine, Hasen oder Pferde aber nicht. Fische dürfen verzehrt werden, wenn sie Flossen und Schuppen haben – Meeresfrüchte wie Scampi oder Krebse fallen nicht darunter. Bei Vögeln gilt: Sie werden gegessen, solange sie keine Raubvögel oder Aasfresser sind. Reptilien, Amphibien und fast alle Insektenarten gelten als nicht koscher. Obst, Gemüse und Getreide darf hingegen ohne Reue gegessen werden. „Hinzu kommen Regeln, wie ein Tier zu schlachten und zuzubereiten ist“, sagt Wagner. So gilt unter anderem das Gebot, dass Fleisch und Milch niemals miteinander in Kontakt kommen dürfen. Im Café Shulhof gibt es deshalb zwei separate Küchen: eine für die Fleisch- und eine für die Milchspeisen, „damit auch die Teller und Küchenutensilien nicht zusammen gespült werden müssen.“ Am Geschmack merkt man die besondere Zubereitung nicht, auch gesund muss koscheres Essen nicht unbedingt sein. So gibt es in Israel selbst koschere Fast-Food-Ketten. „Es geht vielmehr darum, die Nahrung, die uns Gott gegeben hat, mit Respekt zu behandeln“, sagt Rabbi Wagner.

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