Königshofer, Gleumes, Wienges, Melchers: Bierbrauen hat in der Stadt eine lange Tradition – und durch unternehmerische Entscheidungen einen hohen Stellenwert.

Tradition wird auch in Zukunft groß geschrieben: In der Hausbrauerei Gleumes an der Stern-/Nordstraße ist Braumeister Jörg Nöhles-Lahsberg bei der Arbeit. Hier entsteht auch das „Herbst Pitt“.
Tradition wird auch in Zukunft groß geschrieben: In der Hausbrauerei Gleumes an der Stern-/Nordstraße ist Braumeister Jörg Nöhles-Lahsberg bei der Arbeit. Hier entsteht auch das „Herbst Pitt“.

Tradition wird auch in Zukunft groß geschrieben: In der Hausbrauerei Gleumes an der Stern-/Nordstraße ist Braumeister Jörg Nöhles-Lahsberg bei der Arbeit. Hier entsteht auch das „Herbst Pitt“.

Tradition wird auch in Zukunft groß geschrieben: In der Hausbrauerei Gleumes an der Stern-/Nordstraße ist Braumeister Jörg Nöhles-Lahsberg bei der Arbeit. Hier entsteht auch das „Herbst Pitt“.

Krefeld. Echt Krefelder Bier ist "in". Nach der Schließung der Inrather Brauerei Tivoli im Jahre 1986 und dem Ende der Brauerei Rhenania an der Obergath Anfang des Jahres 2002 sah es so aus, als ob Krefelder ihren Durst mit auswärtigem Gerstensaft löschen müssten. Der Abwärts-Trend hatte damals auch die traditionellen Brauereien erfasst.

Inzwischen gelten Produkte aus der Region wieder was. Krefelder Bier gibt es in zig Varianten. Die großen Anlagen an der Obergath drohten zur Ruine zu werden, als die eingesessene Familie Wirichs das Gewerbe aufgeben musste. Doch ein Jahr später dampfte es wieder in den Kesseln. Eine Gruppe um Robert Ditz und Gerhard Ginnen hatte den Mut gehabt, die Kessel wieder zu heizen: Sie wurden zunächst als Lohnbrauer und -abfüller für fremde Marken tätig, unter anderem fürs "Landfürst".

Vor zweieinhalb Jahren entschlossen sich die Brauer von der Obergath, mit dem "Königshofer" eine eigene Marke aufzulegen, mit Pils, Alt, Weizen, Radler, Export und Malz - konsequent in Flaschen, später im Fass, ohne Gaststätten und anderes Marketing. Das ist inzwischen von Bremen bis Trier zu haben.

Bier aus Königshof

Als sich der "Landfürst"-Auftraggeber zurückzog, mobilisierte das nur die Kräfte. "Rund 70Prozent davon haben wir wieder kompensiert", stellt Frank Tichelkamp fest, der die Braukapazität mit 1,2Millionen Hektoliter pro Jahr angibt. Die Braukessel an der Obergath finden ihre Auslastung mit Bieren wie Hannen, Rheinfels, Gatzweiler und anderen Marken. In der seit Sommer laufenden neuen Abfüllanlage mit einer Kapazität von 53000 Flaschen pro Stunde läuft unter anderem das Kölner "Gaffel". Marketingleiter Tichelkamp will den Stolz auf die Leistung der Königshofer nicht verbergen: "Ein Rückgang des Bierkonsums um acht Prozent bedeutet zwei Großbrauereien. Gegen diesen Trend halten wir stand." Zum Konzept gehören auch der Elfer-Kasten und Drittel-Liter-Flaschen.

Traditionsmarke Gleumes

Mit dem Trend zum Regionalen hat die alte Marke "Gleumes" Erfolg, einst im Keller der Gaststätte an der Sternstraße nur für den Ausschank am eigenen Tresen gebraut. Seit die unterirdischen Brau-Kapazitäten von Georg Mäurers ausgebaut und modernisiert wurden, haben Brauer Jörg Nöhles-Lahsberg und seine Mitarbeiter mit Hell, Lager und Weizen alle Kessel voll zu tun.

Krefeld war einst eine Stadt der Brauhäuser. Das hatte sie nicht zuletzt der liberalen 20-jährigen Franzosenzeit von 1795 bis 1815 zu verdanken. Im Jahr 1819 gab es allein 39 Braustätten im Stadtzentrum und 34in den Vororten. Damals war die "alte" Brauart üblich, obergärig, anders als das später durch Kühlgeräte möglich untergärige Pils.

Gleumes erreicht nicht nur die Holztische in der rund 200 Jahre alten Gaststätte, sondern zwei Dutzend Stellen zwischen Kleve und Mönchengladbach, beliebt in Flaschen mit Bügel-Verschluss. Aus dem Gleumes-Keller kommt nach besonderem Rezept auch das süffige "Herbst Pitt", das Vucko Filipovic in dem Trditionslokal an der Markstraße ausschenkt.

Der Wirt des "Montenegro" hat die denkmalgeschützte Gaststätte, in der bis vor 30 Jahren im Keller produziert wurde, nach langer Durststrecke wieder zum Leben erweckt.

Wienges an der Neusser Straße

Mit "Wienges Obergärig" ist seit einem Jahr auch eine andere Krefelder Biermarke wieder belebt. Bis Anfang der 1980er Jahre hatte Hartfried Wienges das Obergärige noch an der Neusser Straße produziert, dann musste er - unter anderem wegen der Innenstadtlage - das Brauen aufgeben. Das Wirtshaus hatte seitdem Altbiere aus verschiedenen Brauereien bezogen.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2000 hat Margot Wienges (67) das Haus verkauft, hielt das Rentnerinnendasein aber nicht lange aus und kaufte es drei Jahre später zurück. Ein "Deal" mit der Düsseldorfer Brauerei Frankenheim beschert den Krefeldern jetzt wieder das Ur-Wienges: Frankenheim darf das Obergärige nach dem Wienges-Rezept produzieren, Margot Wienges alleine es ausschänken.

Wenn sie in vielleicht fünf Jahren "echt" in Rente geht, kann Frankenheim das Haus kaufen und weiter Wienges durch den Zapfhahn laufen lassen.

Melchers bei Dujardin

Bier aus dem Sudkessel in Königshof gibt es seit diesem Sommer auch in der neuen Gastronomie des alten Weinbrenners "Dujardin" in Uerdingen. Matthias Melcher hat mit Frank Tichelkamp ein Rezept ausgetüftelt und bietet "Melchers Hell" und "Melchers Dunkel" an.

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