Sophia Dietsch aus Seattle lebt ein Jahr lang in einer Krefelder Gastfamilie. Sie will ihre Sprachkenntnisse verbessern und ein wenig von Europa kennenlernen.

stipendium

Jochmann, Dirk (dj)

Krefeld. Bei einem Kaffeekränzchen bei Familie Klyk herrscht am Wohnzimmertisch internationales Flair. Seit August letzten Jahres hat die Familie mit polnischen Wurzeln einen Gast aus den Vereinigten Staaten zu Gast, der deutsche Wurzeln hat. Die 18-jährige Sophia Dietsch aus Seattle ist Stipendiatin des Parlamentarischen Partnerschaftsprogramms (PPP). Dieses ermöglicht seit 30 Jahren amerikanischen und deutschen Jugendlichen ein Auslandsjahr im Partnerland zu absolvieren.

Natalie und Caroline Klyk waren auch Gasttöchter

Auf die Idee, sich als Gastfamilie anzubieten, kam die Familie durch die Auslandserfahrungen der beiden Töchter. Natalie (25) war 2005 in Australien und Caroline (16) letztes Jahr in Kanada „Unsere Töchter wurden bei ihren Gastfamilien gut aufgenommen. Das wollten wir zurückgeben und haben uns selber als Gastfamilie gemeldet“, erklärt Gastmutter Mirela Klyk.

Sophia Dietsch hat eine amerikanische Mutter und einen deutschen Vater. Kennengelernt haben sich ihre Eltern in Augsburg. Dort war die Mutter bei der US Army tätig. Kurz vor Sophies Geburt zog es das Ehepaar in die USA.

Für das Auslandsjahr hat sich Sophia gemeldet, um ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu verbessern. „Meine Mutter ist Deutschlehrerin und hat mich auf diese Idee gebracht.“ Der wöchentliche Internet-Chat mit den Eltern werde jetzt in Deutsch geführt. „Es ist sehr schön, dass ich jetzt flüssiger Deutsch sprechen kann“, sagt Sophia glücklich.

Sophia besucht auch einen VHS-Kurs

Dafür hat sie viel getan. So besucht sie nicht nur die 11. Klasse der Marienschule, sondern auch noch einen wöchentlich stattfindenden VHS-Kurs. Immer dabei ist ihre 16-jährige Gastschwester. „Caroline hat mir bei allem sehr geholfen“, erzählt Sophia.

Das Parlamentarische Patenschaftsprogramm zwischen dem Deutschen Bundestag und dem Amerikanischen Kongress besteht seit 1983 und wurde zum 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung eingeführt.

Jahr für Jahr reisen rund 360 Schülerinnen und Schüler sowie junge Berufstätige aus Deutschland in die Vereinigten Staaten. Etwa gleich viele junge Amerikaner kommen jeden Sommer nach Deutschland. Als Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms leben sie für ein Jahr in Gastfamilien, besuchen Schulen, absolvieren Praktika in Betrieben. Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren und an junge Berufstätige und Auszubildende bis 24 Jahre.

Im Mai/Juni diesen Jahres beginnt die Bewerbungsrunde für das Stipendium im Schuljahr 2015/2016. Infos zur Bewerbung gibt es im Netz.

Während der ersten Hälfte ihres Aufenthalts zeigte Familie Klyk der Gasttochter nicht nur Krefelder Sehenswürdigkeiten wie die Linner Burg, sondern reiste mit ihr auch nach Krakau, München und Venedig. „Wir haben uns Sophias Besuch zum Anlass genommen, uns die Zeit für eine Rundreise zu nehmen“, erklärt Gastvater Waldemar Klyk.

Besonderen Gefallen fand Sophia Dietsch dabei an den vielen alten Gebäuden, die es in Europa zu bestaunen gibt. Auf der Fahrt von München nach Venedig gab es einen Zwischenstopp in Verona. Ein Highlight war für sie der Besuch des bekannten Romeo und Julia-Balkon. „Das war ein Traum“, sagt Sophia freudestrahlend.

Aber auch für Krefelder Sehenswürdigkeiten kann sich die 18-Jährige begeistern. „Als wir gemeinsam die Linner Burg besucht haben, hat sich Sophia alles ganz genau angeschaut“, erzählt Gastmutter Mirela Klyk.

Heimweh habe Sophie nur zu Beginn ihres Aufenthalts gehabt. Durch die herzliche Aufnahme in die Familie habe es sich aber schnell gelegt. „Hier ist meine zweite Familie, ich habe kein Heimweh mehr“, sagt die 18-Jährige und ihr Gastvater Waldemar Klyk ergänzt mit einem Augenzwinkern, „das richtige Heimweh kommt, wenn du wieder nach Hause in die USA fliegst.“

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