Die Ausstellung im Deutschen Textilmuseum zeigt aktuelle europäische Quilt-Kunst aus verschiedenen Materialien.

Technik
Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums und das textile Kunstwerk „Blood Wedding“ (2012) des Ungarn Ildike Polyak.

Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums und das textile Kunstwerk „Blood Wedding“ (2012) des Ungarn Ildike Polyak.

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Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums und das textile Kunstwerk „Blood Wedding“ (2012) des Ungarn Ildike Polyak.

Krefeld. Ein großes Auge schaut den Betrachter an. Es steckt inmitten des gewaltigen Oktopus-Kopfes. An den langen Tentakeln befinden sich nicht wenige große Saugnäpfe. Wie das Auge, so ist der gesamte Körper des wirbellosen Tieres rot, wobei das Rot in verschiedenen Facetten erscheint, mal matt, mal glänzend.

Umgeben ist das Tier aus der Tiefe des Meers von Dunkelheit. Das umrahmende Schwarz unterstützt das Leuchten der roten Farbe. Doch was so eindeutig als Oktopus erscheint, entpuppt sich als ein Trugbild der Fantasie. „Viele Besucher denken zuerst, es sei ein Oktopus. Es handelt sich jedoch um den Unterkörper einer Flamenco-Tänzerin“, erklärt Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums Krefeld.

„Blood Wedding“ (2012) heißt das textile Kunstwerk der Ungarin Ildiko Polyak. Zu sehen ist es im Museum am Andreasmarkt zusammen mit weiteren 47 Exponaten in der Ausstellung „European Art Quilts VII“.

Auf den zweiten Blick eröffnet sich dem Betrachter der Blick auf die Flamenco-Tänzerin: Ein Schuh, der Saum ihres Kleides, ihr Gesäß und die geschmeidige Bewegung ihres Körpers. Das durch unterschiedliche Materialien wie Seide, Filz, Wolle und Polyester Organza changierende Rot erweckt die Tänzerin zu einem feurigen Wesen, voll Leidenschaft, wilder Bewegung und Liebe zum Tanz.

Ein klassischer Quilt besteht aus zwei, besser drei Lagen Stoff

Hebt der Betrachter die Distanz zum Kunstwerk auf, erfasst er die Detailarbeit Ildiko Polyaks. Die klassische Stepp-Technik eines Quilt lässt ein Relief entstehen. Durch die sauber gesetzten Stiche ist eine filigrane Struktur in Kombination mit den verschiedenen Stoffen entstanden. Hier sei wohl eine spezielle Nähmaschine zum Einsatz gekommen, vermutet die Museumsleiterin.

Das schmälere die Qualität der Arbeit jedoch nicht. „Es ist kein klassisches Quiltmotiv, aber eine klassische Verarbeitung“, erklärt Schieck. Denn ein klassischer Quilt besteht aus zwei, besser drei Lagen Stoff: die Schauseite, die Zwischenlage und die Rückseite. Untypisch ist allerdings, wie bei eigentlich allen Exponaten der Ausstellung, das Motiv für einen Quilt.

Die Ausstellung „European Art Quilts VII“ ist noch bis zum 3. Februar zu sehen. Danach wird die Schau in Breda, Niederlande, und in Gent, Belgien, gezeigt. Öffentliche Führungen in Krefeld werden mittwochs und sonntags jeweils um 14.30 Uhr angeboten.

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