Ameisenbär Maya lebt bei Tierpfleger Sven Dio und seiner Frau Sabine. So langsam muss die Ersatz-Familie aber um ihre Möbel bangen.

Zoo
Sabine Dio muss Maya alle drei Stunden füttern.

Sabine Dio muss Maya alle drei Stunden füttern.

Dirk Jochmann

Sabine Dio muss Maya alle drei Stunden füttern.

Krefeld. Maya liegt in ihrer Box und schläft, gewärmt von einer Rotlichtlampe. Das Ameisenbär-Mädchen ist nämlich eine kleine Frostbeule, ihr Fell ist fürs niederrheinische Februar-Wetter einfach nicht gemacht. Doch als ihre Ersatz-Mama Sabine Dio damit beginnt, Mayas Fläschchen anzurühren, wird das drei Monate alte Jungtier langsam munter. „Ameisenbären sind nicht die pfiffigsten Tiere. Sie haben ein sehr kleines Gehirn und kriegen nicht viel mit“, sagt Sabine Dio. „Aber sie können sehr gut riechen.“

„Wuseln und spielen – das ist im Moment Mayas Lieblingsbeschäftigung.“

Sabine Dio

Sehr selbstbewusst ist Maya geworden, sie nimmt sich, was sie will. Und so versucht sie schnurstracks an Sabine Dio hochzuklettern, als sie ihre Box verlässt. „Ich muss sie immer noch einige Stunden am Tag herumtragen“, berichtet die Pflege-Mama. „Und das, obwohl sie mittlerweile fünf Kilogramm wiegt.“ Körperliche Nähe ist für die Großen Ameisenbären überlebenswichtig. In freier Wildbahn verbringen die Jungtiere die ersten sechs bis neun Monate ihres Lebens auf dem Rücken ihrer Mutter.

Doch man merkt: Maya wird langsam erwachsen. Mittlerweile will sie immer häufiger alleine laufen, um ihre Umgebung zu erkunden. „Wuseln und spielen – das ist im Moment ihre Lieblingsbeschäftigung“, berichtet Sabine Dio. Dabei folgt sie vor allem ihren sehr stark ausgeprägten Instinkten und nimmt dabei auch keine Rücksicht auf das Mobiliar. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie so viel Kraft hat, die ganze Wohnung zu zerlegen.

Denn die zahnlosen Tiere mit der langen Zunge sind immer auf der Suche nach Termiten und Ameisen, ihrer Hauptnahrungsquelle. „Maya würde Türen, die Waschmaschine und wahrscheinlich auch den ganzen Dielenboden aufbrechen, wenn sie kräftiger wird“, fürchtet Sabine Dio. „Sie ist definitiv kein Haustier – vor allem weil sie schwer erziehbar ist. Ich kann sie niemals überzeugen, etwas zu tun, was sie nicht will.“

Deshalb wird Maya den Tierpfleger Sven Dio und seine Familie bald verlassen müssen. In rund zwei Wochen wird sie tagsüber ins Affenhaus ziehen und nur abends zum Schlafen und Schmusen in die Wohnung über der Zooschule zurückkehren.

Maya kam am 13. November als erster Nachwuchs der Großen Ameisenbären im Krefelder Zoo auf die Welt. Anfangs lief alles gut, doch nach zehn Tagen entdeckten die Tierpfleger das Jungtier ausgekühlt und dehydriert neben der Schlafbox von Mutter Santina. Sie hatte wohl nicht genügend Milch für Maya.

Am Sonntag, 13.02., findet die letzte öffentliche Fütterung von Maya um 14.30 Uhr in der Vorhalle des Regenwaldhauses statt.

Ihre Pflege-Mama sieht dem Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Ich habe die Kleine wirklich sehr lieb gewonnen und freue mich, dass sie sich bald ungehindert austoben kann“, sagt Sabine Dio. „Aber ich werde sie bestimmt sehr vermissen. Sie gehört ja mittlerweile quasi zur Familie.“

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