Der Pinguine-Chef Wolfgang Schulz und Sohn sind aus der Firma ausgeschieden. Seit Donnerstag haben vier weitere Führungskräfte die Wilhelm Schulz GmbH verlassen. Am Freitag starten nun Wahlen zum Betriebsrat.

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Wolfgang Schulz, Aufsichtsratschef Krefeld Pinguine, ließ in seiner Firma einen Betriebsrat nicht zu.

Wolfgang Schulz, Aufsichtsratschef Krefeld Pinguine, ließ in seiner Firma einen Betriebsrat nicht zu.

Bischof, Andreas (abi)

Wolfgang Schulz, Aufsichtsratschef Krefeld Pinguine, ließ in seiner Firma einen Betriebsrat nicht zu.

Krefeld. Durch die Führungsetage von Wolfgang Schulz’ ehemaliger Firma Wilhelm Schulz GmbH weht ein eisiger Wind. Der Beratervertrag ist im August ausgelaufen, eine Verlängerung stand für den neuen Eigentümer PCC nicht zur Debatte. Auch Schulz’ Sohn Luca arbeitet nicht mehr für das spezialisierte Metallunternehmen. Am Donnerstag sind dem Vernehmen nach vier weitere Führungskräfte auf die Straße gesetzt worden. Die Produktion soll allerdings unangetastet bleiben. Am Freitag steigt sogar die Wahlversammlung für einen Betriebsrat.

Die Gewerkschaften atmen durch, die 350 Beschäftigten der Wilhelm Schulz GmbH sind auf einem ungewohnten Weg. Erstmals seit Gründung des Familienunternehmens verhindert die Führungsmannschaft nicht die Bestrebungen, einen Betriebsrat einzurichten. Sie wird ganz offensichtlich sukzessive ausgetauscht.

Es ist eine Entwicklung, die noch vor einem Jahr undenkbar gewesen wäre. Jahrelang haben sich die Gewerkschaften IG Metall und DGB bemüht, einen Fuß in die Schulz-Tür zu bekommen, vergebens. Der Pinguine-Chef und sein Führungspersonal vertraten beharrlich die Meinung, dass das Familienunternehmen keine Mitarbeitervertretung benötige, da man übertariflich bezahle. Gewerkschaften wurden erst gar nicht auf das Gelände gelassen. Erst vor knapp einem Jahr gab es eine Annäherung, es kam, auch das erst auf öffentlichen Druck hin, zu einem Gespräch. Das war es.

PCC setzt auf Kooperation mit den Gewerkschaften

Bis jetzt. Die Unruhe ist groß und sie geht dem Vernehmen nach von der Führungsetage aus. Familie Schulz ist draußen und wo PCC, eine Tochter des Konsortiums von Star-Investor Warren Buffet, hinwill, und mit welcher Struktur, scheint ungewiss. Schulz selbst soll die Bemühungen der Gründung eines Betriebsrats aktiv unterstützt haben. Der WZ sagte Schulz kürzlich auf Anfrage: „Ich habe gehört, dass es dort große Unzufriedenheit gibt.“

Nun scheint sich die Situation schlagartig zu entspannen. Aus Sicht der Gewerkschaften verbessert sie sich sogar zusehends. „Endlich hört die Demokratie am Werkstor vor Wilhelm Schulz nicht auf“, so Krefelds DGB-Vorsitzender Ralf Köpke. Aus Sicht der Krefelder Gewerkschaften ist die nun eingeleitete Betriebsratswahl bei diesem Unternehmen ein großer Schritt zu Mitbestimmung und Beteiligung der Arbeitnehmer.“

PCC ist die Abkürzung für Precision Castparts Corporation und die Tochter von Buffets Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Die Holding investiert unter anderem in Luftverkehrsgesellschaften und Banken. PCC ist Industriezulieferer, in fast allen Flugzeugen sind Teile von PCC verbaut.

Die Edelstahlprodukte von der Kuhleshütte in Oppum gelten als optimale Ergänzung. PCC ist erst seit 2015 Teil der Berkshire Hathaway, 37 Milliarden Dollar hat Buffet für das Unternehmen bezahlt. Die Schulz-Gruppe mit Dienstsitz in Oppum und einer Dependance an der Hülser Straße beschäftigt rund 350 Mitarbeiter, macht einen Jahresumsatz von rund 170 Millionen Euro.

Zum Kaufpaket gehörte laut Handelsblatt auch die US-Tochter Schulz Xtruded Products, die nahtlose Stahlrohre und Werkstoffe für die Luftfahrtbranche im US-Staat Mississippi fertigt. Buffet hatte sich 2015 auf angekündigte Einkaufstour in Deutschland begeben, die er mit der Übernahme der Motorrad-Kette Louis gestartet hat.

Nach einem Gespräch mit der Personalleitung und dem amerikanischen Eigentümer der Schulz-Gruppe zeigt sich Köpke zuversichtlich, dass nun eine neue Kultur in das Unternehmen einzieht. „Seitens der amerikanischen Eigentümer haben wir eine große Offenheit festgestellt, dass die Betriebsratswahlen, die am Freitag der Wahlversammlung und der Wahl des Wahlvorstandes beginnen werden willkommen sind.“

PCC-Sprecher Carsten Zehm bestätigt: „Es gab ein Gespräch in superfreundlicher Atmosphäre, natürlich lassen wir die Gewerkschaften herein und stehen der Gründung einer Mitgliedervertretung nicht im Wege.“

Für einen Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion am Standort Krefeld, zitiert Zehm die amerikanische Zentrale, gebe es „keinen Indikator“. IG Metall-Chef Ralf Claessen gibt sich verhalten optimistisch und bemüht den Slogan „Besser Arbeiten mit Betriebsrat!“ Das, so Claessen, werde bald auch im Hause Schulz gelten.“ Und weiter: „Die IG Metall freut sich über diese Entwicklung und steht als Partner für Mitbestimmung zur Verfügung.“

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