Elisabeth Schoenmakers (l.), Fachtrainerin für Berufliche Rehabilitation, mit der Teilnehmerin einer Integrationsmaßnahme in der Nähstube des Beruflichen Trainingszentrums.
Elisabeth Schoenmakers (l.), Fachtrainerin für Berufliche Rehabilitation, mit der Teilnehmerin einer Integrationsmaßnahme in der Nähstube des Beruflichen Trainingszentrums.

Elisabeth Schoenmakers (l.), Fachtrainerin für Berufliche Rehabilitation, mit der Teilnehmerin einer Integrationsmaßnahme in der Nähstube des Beruflichen Trainingszentrums.

Andreas Bischof

Elisabeth Schoenmakers (l.), Fachtrainerin für Berufliche Rehabilitation, mit der Teilnehmerin einer Integrationsmaßnahme in der Nähstube des Beruflichen Trainingszentrums.

Dießem/Lehmheide. „Ich fahre endlich mal wieder frohgelaunt zur Arbeit, es ist super, denn da kann ich das erste Mal ehrlich sein und sagen, was mir gefällt und was nicht“, sagt ein 54-Jähriger aus St. Tönis. Er hatte, nachdem er 38 Jahre lang als Maler und Lackierer gearbeitet hatte, zahlreiche Rückschläge erlitten. Hinzu kamen Operationen und Todesfälle in der Familie. Der St. Töniser hat eine psychische Erkrankung. Er ist einer der ersten Teilnehmer im neuen Beruflichen Trainingszentrum (BTZ) in Krefeld, das gestern feierlich am Nauenweg 42e in Betrieb genommen wurde.

Im März kamen die ersten Männer und Frauen, um die sich dort Pädagogen, Ergotherapeuten, Psychologen oder ausgebildete Coaches kümmern. „Derzeit betreuen wir sieben Männer und Frauen, insgesamt haben wir 46 Plätze“, sagt BTZ-Leiterin Roxana Gladis. Die Zahl der Mitarbeiter von derzeit acht wird bei voller Kapazität auf etwa das Doppelte anwachsen. Die 28-Jährige erzählt, dass es sich bei jedem Einzelnen um eine Integrationsmaßnahme handelt, durch die die vorhandenen Störungen abgebaut und sie im Anschluss an die zwölf Monate dauernde Maßnahme wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen sollen.

„Sozusagen ist das wieder für die Teilnehmer ein neues erstes Ausbildungsjahr“, ergänzt Roxana Gladis, die weiß, dass es in NRW mehrere solcher Angebote gibt, etwa in Paderborn und in Bielefeld.

Zentrum wird mit psychiatrischen Kliniken zusammenarbeiten

In Paderborn, Bielefeld und jetzt in Krefeld ist das BTZ eine Tochtergesellschaft der Stiftung Bildung und Handwerk. Zur Eröffnung waren neben Handwerkern, Mitarbeiter anderer BTZ-Einrichtungen auch einige Vertreter von Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit und einiger Jobcenter da. Sie sind die Leistungsträger, schicken die psychisch erkrankten Menschen in Form einer Reha-Maßnahme dorthin.

„Und gerade von den Leistungsträgern hatten wir im Vorfeld erfahren, dass es im Krefelder Raum durchaus den Bedarf einer solchen Qualifizierung gibt“, stellte BTZ-Geschäftsführerin Miriam Ertel (38) fest. Eng werde man zukünftig mit den beiden psychiatrischen Kliniken in Krefeld zusammenarbeiten. Der eingangs erwähnte St. Töniser hatte den Auftrag, ein Foto von der Eröffnung zu machen. „Vor allem möchte ich hier den Umgang mit dem Computer erlernen“, sagte er auf dem Weg zu einem zweiten Gebäude auf dem Gelände des Werkkontors Krefeld. Er meinte das „Trainingslager“. Denn dort sind kleinere Betriebe aufgebaut, die die Teilnehmer je nach Interesse durchlaufen können. Dort ist Platz für kaufmännische Arbeiten, für Holzbearbeitung, für ein Catering, für die Pflege der Textilien oder für die Lagerlogistik. Die Stadt als Eigentümerin hatte mit dem BZT für den Umbau einer früheren Spedition gesorgt. Bei der Eröffnungsfeier erklärte Bürgermeisterin Gisela Klaer: „Diese Krisen können jeden von uns treffen, deshalb ist es so wichtig, dass es jetzt solch ein Angebot in Krefeld gibt.“ Und sie gab dem BTZ mit auf den Weg, bei all den Bemühungen, den Teilnehmern wieder berufliche Perspektiven zu geben, die Ursachen dieser Erkrankungen nicht zu vergessen. Heißt unter anderem: mit dafür zu sorgen, dass das Arbeitsumfeld passt. „In einem nächsten Schritt versuchen wir, Unternehmen zu gewinnen, die für unsere Teilnehmer ein Praktikum ermöglichen“, sagte Roxana Gladis.

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