Gezielte Ansprache von behinderten Opfern: Experten entwickeln Hilfestellungen für Katastrophenhelfer.

Einsatz der Feuerwehr bei einem Unfall auf der Bahnstrecke: Die Notfallhelfer sollen geschult werden, wie Seh- oder Hörbehinderte in solchen Fällen vor Gefahren gewarnt werden können.  Archiv
Einsatz der Feuerwehr bei einem Unfall auf der Bahnstrecke: Die Notfallhelfer sollen geschult werden, wie Seh- oder Hörbehinderte in solchen Fällen vor Gefahren gewarnt werden können. Archiv

Einsatz der Feuerwehr bei einem Unfall auf der Bahnstrecke: Die Notfallhelfer sollen geschult werden, wie Seh- oder Hörbehinderte in solchen Fällen vor Gefahren gewarnt werden können. Archiv

dpa

Einsatz der Feuerwehr bei einem Unfall auf der Bahnstrecke: Die Notfallhelfer sollen geschult werden, wie Seh- oder Hörbehinderte in solchen Fällen vor Gefahren gewarnt werden können. Archiv

Krefeld. Welche spezielle Hilfe benötigen behinderte Menschen nach einem Gewalt- oder Katastrophenereignis? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt EUNAD, das psychosoziale Hilfe für seh- und hörbehinderte Menschen nach traumatisierenden Erlebnissen bieten möchte. „Das UN-Behindertengesetz und die Idee und Realisation einer inklusiven Gesellschaft müssen auch in Katastrophenplänen berücksichtigt werden“, erklärt Professor Robert Bering, Leiter des Zentrums für Psychotraumatologie im Alexianer Krankenhaus Krefeld.

Forschungsgruppe arbeitet auf europäischer Ebene

Die Konflikte sind offenkundig: „Folgen Sie bei einem Brand den grünen Fluchtwegschildern!“ Wie soll ein sehbehinderter Mensch diese Hinweise in einem Notfall wahrnehmen? Wie kann ein Feuerwehrmann einen tauben Menschen vor einer akuten Gefahr warnen, die der Hörbehinderte nicht erkennen kann, der Feuerwehrmann zudem von der Wahrnehmungseinschränkung nichts weiß? Wie soll ein Arzt die akuten Verletzungen eines gehörlosen Menschen diagnostizieren und in einer angemessenen Erstbehandlung versorgen?

Das Zentrum für Psychotraumatologie am Dießemer Bruch koordiniert das internationale Forschungsprojekt, das von der Europäischen Gemeinschaft unterstützt wird. Gemeinsam mit den Nachbarstaaten werden Konzepte für die Psychosoziale Notfallversorgung nach Katastrophen entwickelt. Zu den wichtigsten Partnern gehört für Bering und sein Team das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn.

„Wir wollen die Ergebnisse, die wir im europäischen Rahmen gewonnen haben, in Deutschland anwenden“, sagt Bering. Ein Arbeitsgebiet wird beispielsweise die Schulung der Krefelder Feuerwehr sein, um den Einsatzkräften Anleitung im Umgang mit Behinderten zu geben.

Als Hilfe in akuten Krisensituationen für gehörgeschädigte Menschen bietet das Zentrum für Psychotraumatologie in der sogenannten Krefelder Krisenhilfe bereits Psychotherapie in Gebärdensprache an. Jennifer Söhn ist geprüfte Gebärdendolmetscherin, Diplom-Sozialpädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Die Krefelder Krisenhilfe unterstützt behinderte und nicht behinderte Menschen, die an schweren Unfällen beteiligt, Opfer von Straftaten waren oder unter persönlichen Konflikten leiden. Das Team von Psychotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeitern mit langjährigen Erfahrungen in der Krisenintervention steht unter der Fachaufsicht von Robert Bering. So können die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung den Betroffenen direkt zugutekommen.

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