Erstmals haben die beiden Bewerber für den Umbau an der Neusser Straße ihre Ideen öffentlich im Rathaus vorgestellt.

Pläne
Die Architekten Jochem Bellinger und Claudia Dintinger präsentieren ihre Vorstellungen vom Umbau.

Die Architekten Jochem Bellinger und Claudia Dintinger präsentieren ihre Vorstellungen vom Umbau.

Architekt Rainer Lucas (l.) und Unternehmensberater Klaus Elfes zeigen ihre Pläne für das Stadtbad. Fotos (2): Dirk Jochmann

Ein Blick in das Stadtbad: 1992 wurde es durch das Erdbeben beschädigt. Seit 2003 ist der Betrieb geschlossen. Archiv

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Die Architekten Jochem Bellinger und Claudia Dintinger präsentieren ihre Vorstellungen vom Umbau.

Krefeld. Ein großer Basar auf mehreren Ebenen mit einer kleinen Wellness-Oase? Oder doch lieber das große Thermalbad mit der kleinen Markthalle? Die Krefelder Politiker haben jetzt die Qual der Wahl und müssen entscheiden, was aus dem Stadtbad Neusser Straße werden soll.

Am Mittwoch haben beide Bewerber um das Areal erstmals öffentlich in der Sitzung der Bezirksvertretung Mitte ihre Pläne vorgestellt: Jochem Bellinger aus Rheurdt seine „Europa-Bazar“-Konzeption und Rainer Lucas aus Krefeld die Thermalbad-Idee.

Bezirksvertretung Mitte bevorzugt die Krefelder Lösung

Am Ende haben die Bezirksvertreter sich mit einfacher Mehrheit für den Krefelder Plan ausgesprochen. Diese Empfehlung geht nun an den Liegenschaftsausschuss, der am 25. Januar entscheiden soll, wer den Zuschlag erhält.

Beide Architekten haben ähnliche Elemente, aber die Schwerpunkte setzen sie ganz anders. Bellinger hat eine Investorengruppe an der Hand, die auf eine Entscheidung drängt, da sie schon seit Sommer darauf wartet. So weit sind Lucas und seine Arbeitsgemeinschaft noch nicht.

Diese besteht aus den beiden Krefelder Architektenbüros Lucas sowie Schwittmann/Bertrams und dem Unternehmensberater Klaus Elfes. Der war Geschäftsführer des St. Josefshospitals in Uerdingen. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser 27-Millionen-Euro-Entwurf auf Gesundheit und Wellness setzt.

1890 eröffnete das Stadtbad. Mit seiner Damen- und Herrenhalle, den Wannen- und Dampfbädern und der Sauna wurde es bald zur Attraktion. Die Anlage ist um neun Lichthöfe herum gruppiert, so dass in alle Bereiche Tageslicht eindringt.

Im Jahr 1925 kam das Freibad hinzu.

Durch ein Erdbeben 1992 nahm nicht nur das Damenbad Schaden. Es wurde geschlossen. Das Herrenbad wurde saniert, 1994 wieder eröffnet.

2003 wurde das Stadtbad komplett geschlossen. Ein Bürgerentscheid zum Erhalt scheiterte 2005.

Schon 1990 sollte ein Architektenwettbewerb Ideen für ein „Nostalgie-Bad“ bringen, einen Wellness-Tempel mit Gastronomie.

Jochem Bellinger hat ein Architektenbüro in Rheurdt. Die Büros Schwittman/ Bertrams sowie Lucas sitzen in Krefeld. Alle beschäftigen sich schon länger mit dem Stadtbad.
Was sollte mit dem Stadtbad geschehen?

Zentrales Angebot ist ein Thermalbad mit Sole und Moor, das eigens aus einem Kurort angeliefert werden soll, im Herrenbad. Hinzu kommen Wellness-, Reha- und Gesundheitsförderungs-Angebote. Vorbild ist ein saniertes Jugenstilbad in Darmstadt. Man rechnet, wie dort, mit 500 Besuchern pro Tag. Der Eintritt soll bei 12 Euro liegen.

Der Innenhof wird zur Terrasse mit Außengastronomie

Zudem sind Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen und ein Bereich für Vereine, Ausstellungen etc. geplant. Im Damenbad soll eine biologische Markthalle entstehen. Ein Rundweg führt in U-Form durch das Gebäude zurück auf die Neusser Straße. Der Innenhof wird zur Terrasse mit Gastronomie.

Zugänge gibt es aus allen Himmelsrichtungen, mit dem Auto kann man nur über die Lewerentzstraße in die Tiefgarage. Im Bereich des Freibads entsteht ein Neubau mit Arztpraxen.

Einen Neubau an dieser Stelle plant auch der Architekt Jochem Bellinger aus Rheurdt. Er will dort allerdings barrierefreies Wohnen anbieten. Das Thema Wellness spielt bei ihm nur eine Rolle im Trakt der zuletzt von den Schlaraffen genutzt wurde. Dort soll ein türkisches Bad für Entspannung sorgen.

Im Herren- und Damenbad schweben ihm leichte Glas-Metallkonstruktionen vor, die zusätzliche Ebenen in die hohen Räume bringen, aber den Blick auf die historischen Schwimmbecken zumindest teilweise frei lassen. Auf diesen Flächen entsteht der „Europa-Bazar“ mit Spezialitäten und Produkten aus aller Herren Ländern sowie Cafés und Restaurants – drinnen wie draußen. Ein Centermanagement soll für die richtige Mischung sorgen. Die Finanzierung stehe, so der Architekt.

Auch bei Bellinger ist die Zufahrt über die Lewerentzstraße in die Tiefgarage, aus den anderen Himmelsrichtungen gelangt man zu Fuß auf das Gelände. Insgesamt werden 24 Millionen Euro investiert. Dafür entstehen gut 3.000 Quadratmeter Einzelhandel und Gastronomie sowie knapp 3.000 Wohnfläche.

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