Kinder sitzen oft stundenlang vor dem Fernseher. Ein Angebot zeigt Eltern, wie sie Grenzen setzen können – in drei Sprachen.

Wie viel ist zu viel? Wenn Kinder stundenlang fernsehen oder Computer spielen, leidet oft die Konzentration.
Wie viel ist zu viel? Wenn Kinder stundenlang fernsehen oder Computer spielen, leidet oft die Konzentration.

Wie viel ist zu viel? Wenn Kinder stundenlang fernsehen oder Computer spielen, leidet oft die Konzentration.

dpa

Wie viel ist zu viel? Wenn Kinder stundenlang fernsehen oder Computer spielen, leidet oft die Konzentration.

Krefeld. Wenn Alexander aus der Schule kommt, schmeißt er als erstes seinen Computer an. Er guckt nach, was es Neues bei Schüler-VZ gibt und zockt danach eine Runde. Laura bringt sich nachmittags am liebsten in Sachen Soaps auf den neuesten Stand und hängt oft stundenlang vor dem Fernseher. Murat wiederum trifft sich nach der Schule mit zwei Kumpels, um ein bisschen Konsole zu spielen. Das kann schon mal bis in die Abendstunden dauern.

Ein Phänomen, das viele Eltern kennen. Und ein Dilemma: Sie wollen ihren Kindern Grenzen setzen, aber nicht zu streng sein. Doch wie viel Zeit vor Computer, Fernseher und Konsole ist genug? Wie viel ist zu viel? Solche Fragen treten spätestens dann auf, wenn die Konzentration des Kindes unter dem medialen Dauerbeschuss leidet – zum Beispiel bei den Hausaufgaben.

Die Integrationsagentur der Diakonie Krefeld und Viersen möchte bei diesen Problemen helfen. Gemeinsam mit der Volkshochschule hat sie ein Projekt in Angriff genommen, das Eltern und Großeltern Medien- und Erziehungskompetenz vermitteln soll – in zunächst drei Sprachen: Türkisch, Griechisch und Deutsch. „Uns ist es wichtig, auch ausländische Eltern ins Boot zu holen“, sagt Eleni Biskini-Fischer, Leiterin der Integrationsagentur. „Denn sie haben ja dieselben Probleme und wissen häufig nicht, wo sie sich Rat holen können.

Später soll das Angebot auf weitere Sprachen ausgeweitet werden

Anfang April gibt es daher in der VHS ein bisher einmaliges Angebot: Zwei Pädagogen halten Vorträge zu den Themen Medienkompetenz und Konzentrationsfähigkeit. Diese werden von Dolmetschern jeweils ins Türkische und Griechische übersetzt. Im Anschluss können die Eltern und Großeltern in ihrer Muttersprache Fragen stellen; parallel wird eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten.

In den Vorträgen geht es zum einen um Basiswissen – beispielsweise um die Frage, was ein soziales Netzwerk im Internet überhaupt ist, welche Chancen und Risiken es birgt. Zum anderen geben die Pädagogen Erziehungstipps. „Es geht darum, in den Familien Streit zu vermeiden und konfliktfrei miteinander zu sprechen“, sagt Biskini-Fischer.

Die Not der Menschen in Krefeld und dem Kreis Viersen wächst. Deshalb muss die Diakonie mehr als früher leisten. Gleichzeitig sinkt aber die finanzielle Ausstattung, weil Kommune, Land und Bund andere Prioritäten setzen. Auch die Kirchensteuern sind rückläufig. Die Diakonie ist auf Spenden angewiesen. Informationen dazu im Netz unter:
www.diakonie-krefeld-viersen.de
 

Dabei sei es wichtig, dass die Kinder nicht das Gefühl bekommen, benachteiligt zu werden – etwa wenn die Freunde unbegrenzte Zeit vor dem Computer verbringen dürfen. Dazu gehöre aber auch, die Eltern in die Pflicht zu nehmen: „Wir vermitteln ihnen auch, dass man sein Kind nicht dauernd vor dem Fernseher parken kann“, sagt sie.

„Später würden wir das Angebot gern ausbauen“, sagt Doris Schlimnat, bei der VHS-Fachbereichsleiterin Politik und Gesellschaft. Sie wünscht sich Übersetzungen in weitere Sprachen wie Russisch oder Italienisch, aber auch weitere Themen. „Das hängt vom Feedback der Eltern ab“, sagt Eleni Biskini-Fischer. Denn das Ganze solle keine reine Input-Veranstaltung werden, sondern vom Dialog leben.

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