3000 Hektar des Stadtgebietes sind Ackerland. Obwohl der Boden fruchtbar ist, bereitet der Handel mit Lebensmitteln den Bauern Sorgen.

3000 Hektar des Stadtgebietes sind Ackerland. Obwohl der Boden fruchtbar ist, bereitet der Handel mit Lebensmitteln den Bauern Sorgen.
Landwirt Jan Wilhelm Schmitz auf einem Zuckerrübenfeld an der Oberbenrader Straße.

Landwirt Jan Wilhelm Schmitz auf einem Zuckerrübenfeld an der Oberbenrader Straße.

Andreas Bischof

Landwirt Jan Wilhelm Schmitz auf einem Zuckerrübenfeld an der Oberbenrader Straße.

Krefeld. Wer regelmäßig an Krefelds Feldern entlangfährt, dem bleiben sicher die heimischen Getreide- und Gemüsesorten im Gedächtnis – allen voran die prächtigen Kohlköpfe. Kartoffeln und Zuckerrüben fallen oft erst auf, wenn die Trecker bei der Ernte den Verkehr behindern. Der Lauch prüft gerne Augen und Nase auf ihre Funktionstüchtigkeit – wie auch der Dünger. Wer am Stadtrand im Grünen leben will, nimmt diese Beeinträchtigungen meist in Kauf.

Die letzte Agrarstrukturerhebung der NRW-Landwirtschaftskammer fand 2016 statt. Danach beträgt die landwirtschaftlich genutzte Fläche speziell von Krefeld 3886 Hektar, wovon rund 3000 Hektar Ackerland sind. Davon entfallen gut 40 Prozent auf den Anbau von Getreide, wobei der Löwenanteil aus Brot- und Futtergetreide besteht. Bei Hackfrüchten dominieren Kartoffeln und Zuckerrüben. Stark vertreten sind außerdem Gemüse und Erdbeeren (siehe Kasten).

Welche Rolle spielt der wechselnde Anbau verschiedener Pflanzarten?

Warum werden welche Produkte rund um Krefeld angebaut und zu welchen Jahreszeiten? Was wirft genug Ertrag ab, was weniger? Welche Rolle spielt die Fruchtfolge, sprich der wechselnde Anbau verschiedener Pflanzarten? Alles Fragen, die nur ein Landwirt beantworten kann. Die WZ hat dazu Landwirtschaftsmeister Heinz-Albert Schmitz befragt. Er bewirtschaftet auf seinem Benrader Hof zusammen mit Gärtnermeister und Sohn Jan Wilhelm 120 Hektar Land, wovon 90 Prozent gepachtet sind. Die Verantwortung hat er an seinen Sohn übertragen, vom Rentnerdasein seit Juli hat er noch nicht profitiert. „Das Leben geht für mich ganz normal weiter“, sagt er und meint auf dem Feld und in seiner ehrenamtlichen Funktion als Ratsherr.

Die Feldarbeit beginnt im Frühjahr, wenn die Felder bestellt werden, berichtet der Landwirtschaftsmeister. Von März bis Mitte Mai werden die Böden gedüngt und Salat- und Gemüsepflanzen gesetzt oder gesät. Im Juni wird die erste Ernte an Getreide und Kartoffeln eingefahren. Im August folgen die Einsaat von Zwischenfrüchten und die Vorbereitung der Böden mit Dünger. Eine wichtige Rolle spielen verschiedene Gründüngerpflanzen, die angebaut und dann untergepflügt werden. So versorgen sie den Boden mit Stickstoff und durchlüften ihn. „Allein ein Drittel unserer Gesamtfläche wird mit Gründünger bestellt“, sagt Schmitz. Zwischen August bis Mitte November werden Gemüse wie Kohl und Mais angebaut und geerntet. Ab Oktober wird Wintergetreide eingesät.

„Damit die Böden nicht einseitig beansprucht und ausgelaugt und Pflanzenschädlinge ferngehalten werden, werden je nach Produkt die Fruchtfolge geändert und der Pflanzenschutz über die Beigabe von Pflanzendünger reguliert“, erläutert Schmitz. So werden Kartoffeln im Vierjahrestakt angebaut, bestimmte Gemüse im Takt von bis zu sieben Jahren und Getreide wie Gerste und Weizen auch direkt nacheinander. „Eine Wissenschaft für sich.“

Mit Getreide ist kein Geld zu verdienen

Rund um den Hof verteilt sind die Felder. Dort bauen Vater und Sohn Industriekartoffeln an, die sie an Pommes-Frites-Produzenten verkaufen, Zuckerrüben für die Zuckerherstellung, Winterweizen und Möhren. „Mit Getreide ist heute kein Geld mehr zu verdienen bei einem Mehlanteil von einem Cent pro Brötchen“, sagt Schmitz. Das gelte für alle Lebensmittel, die wie Getreide am Weltmarkt gehandelt werden. Die Folge: desaströse Verkaufserlöse. „Eine solche Art des Handels dürfte es für Nahrungsmittel nicht geben“, fehlt ihm auch der Respekt der Gesellschaft, die nicht bereit sei, „anständige Preise“ zu zahlen. „Keine 30 Prozent der Konsumenten sind bereit, für Qualitätsprodukte Geld auszugeben.“ Dabei sind die Voraussetzungen bestens. „Wir haben in der Region gute Böden und dank Rhein und Maas genügend Grundwasser, um die Felder zu beregnen“, sagt Schmitz.

Gegen äußere Einflüsse wie das Wetter sei man machtlos. „In diesem Jahr hatten wir zuerst Trockenheit, später zur Erntezeit Nässe, aber dennoch mengenmäßig eine gute Ernte“, stellt er fest. „Das Problem sind trotz hoher Tonnagen die geringen Erträge wegen der schlechten Preissituation – speziell zur Erntezeit.“ Folglich lagere man die Kartoffeln derzeit ein in der Hoffnung, sie später zu einem besseren Preis verkaufen zu können. Seit der Zuckermarkt nicht mehr reguliert werde, seien die Preise auf einem historischen Tief. Deshalb habe man Basispreise mit den heimischen Zuckerfabriken vereinbart. Diese hätten außerdem zugesichert, keinen Rohrzucker mehr zu verarbeiten, um den Zuckerrübenanbau zu erhalten. „Mal sehen, ob die Vereinbarungen halten, sonst bedeutet das das Aus für die Zuckerrüben.“

In Krefeld sind die Ackerflächen knapp – zulasten kleiner Höfe

Ein weiteres Problem speziell von Krefeld sei, dass hier das Land knapp ist, viele Höfe klein sind und der Pachtanteil entsprechend hoch – bei steigenden Grundstückspreisen und Mieten. Als Folge schließen immer mehr kleine Höfe, sorgt er sich. „Wir Landwirte können nur versuchen, die Kosten im Griff zu halten und uns zu spezialisieren“, sagt Schmitz. Er und viele seiner Kollegen konzentrieren sich daher auf Nischenprodukte und eigene Absatzmärkte wie den Direktverkauf. Bei Schmitz sind es Tannenbäume, sprich Nordmanntannen. Tausende davon gedeihen prächtig auf der großen Schonung direkt gegenüber dem Hof. Das Weihnachtsgeschäft sorgt für Auslastung im Vergleich zum Geschäft mit den Agrarprodukten. „Die Marktmacht der Lebensmittelgroßhändler ist so stark, dass sie entscheiden, zu welchem Preis die Produkte an die Theken kommen.“

Als Naturschutzbeauftragter kümmert sich Schmitz um die Einhaltung der Wasserschutzauflagen, weil 70 Prozent der Ackerflächen im Wasserschutzgebiet liegen. Der Pflanzenschutz muss jedes Jahr europa- oder weltweit zertifiziert werden. Zum Beispiel wird vor und nach jeder Ernte gemessen, ob die Düngemittelobergrenze nicht überschritten wird.

„Die Natur liegt mir sehr am Herzen“, sagt er und erfüllt gerne die Umweltauflagen, um den Kleintier- und Insektenschwund zu stoppen. Fünf Prozent der bewirtschafteten Flächen sollen als Kulturlandschaftsfläche angelegt werden. Mit 20 Prozent seiner Fläche liegt er weit darüber.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer