Bei einer Demo in Berlin rufen friedensaktivisten zur Abrüstung auf.
Bei einer Demo in Berlin rufen friedensaktivisten zur Abrüstung auf.

Bei einer Demo in Berlin rufen friedensaktivisten zur Abrüstung auf.

dpa

Bei einer Demo in Berlin rufen friedensaktivisten zur Abrüstung auf.

Krefeld. Unterschiedlicher könnten die Sichtweisen nicht sein: Für die eine Seite sind Waffen geliebte Sportgeräte, für die andere Seite Instrumente des Todes. Zweifelsohne können Waffen enormes Leid verursachen. Ist es widersprüchlich, dass in Krefeld, einer Stadt die seit 2010 dem Bündnis „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) angehört, Waffen produziert werden? Die WZ hat nachgehakt, bei der Uerdinger Waffenschmiede Schmeisser und dem Krefelder Friedensbündnis. Eine interessante Spurensuche.

Erst nach langer Überzeugungsarbeit stimmt die Geschäftsführung von Schmeisser einem Treffen zu. Die Begründung: In der Vergangenheit habe das Unternehmen zu viele schlechte Erfahrungen mit einseitiger Berichterstattung durch Presse gemacht. Erste Aussage: „Wir liefern nicht an kriegsführende Parteien. Wir wollen es nicht und es wäre gesetzlich für uns auch gar nicht möglich“, betont Thomas Hoff, der, zusammen mit Andreas Schumacher, die Geschäftsführung der Waffenfirma Schmeisser bildet. Die Waffenindustrie sei in Deutschland besser durchleuchtet als jede andere Branche und unterliege strengsten Vorgaben.

So müsse etwa jeder Waffen Ein- und Ausgang im Waffenhandelsbuch sofort und nicht manipulierbar protokolliert werden. Zudem brauche jeder Mitarbeiter ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und die Firma müsse sich mit zertifizierter Sicherheitstechnik vor dem Zugriff Dritter schützen. Die Einhaltung der Vorgaben werde regelmäßig von den Behörden geprüft. Exportieren dürfe Schmeisser nur nach Europa und in „von der Bundesregierung genehmigte Drittländer“.

Firma Schmeisser contra Friedensbündnis

Auf Schmeissers Website wurden bis vor Weihnachten noch Vertriebspunkte in Russland, Kasachstan, Kanada, den USA, Großbritannien und der Schweiz aufgeführt. Mittlerweile wurde sie aktualisiert und Russland wie Kasachstan sind entfernt worden. „Seit dem Embargobeginn liefern wir keine Schraube mehr nach Russland und die Ukraine. Kasachstan hat seitdem nicht mehr angefragt, ich weiß gar nicht, ob wir da eine Exportgenehmigung erhalten würden. Wir liefern auch nicht in arabische Länder und wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen in afrikanischen Ländern.“

Dass in Krefeld überhaupt Waffen produziert werden, ist dem Krefelder Friedensbündnis ein Dorn im Auge. „Waffenproduktion hat etwas mit verschwendeten Ressourcen zu tun, sowohl in der Natur, als auch von menschlicher Intelligenz, denn Waffen können nur töten, es erwächst nichts Produktives daraus, nichts dem Menschen Nützliches“, findet Ingrid Vogel, Sprecherin des Friedensbündnisses.

Derzeit produziere Schmeisser jährlich rund 4000 Gewehre und habe 28 Mitarbeiter, erzählt Hoff. Mit diesen Daten zählten sie definitiv nicht zu den „Big Playern“ in der Branche. Aber Schmeisser habe sich durch Qualitätsprodukte einen Namen gemacht. 2200 Euro koste ein Gewehr im Schnitt. Ihr Geld verdienten sie hauptsächlich durch das Ausrüsten von Sportschützen und Jägern. Der größte Absatzmarkt sei derzeit Kanada, gefolgt von Deutschland und Österreich. Ein Bruchteil des Umsatzes werde mit vollautomatischen „Behördenwaffen“ erwirtschaftet. Diese Gewehre gingen an die Spezialeinsatzkommandos der Polizei.

Ein Rüstungsbetrieb in Krefeld sei aber nichts, worauf man stolz sein könne, findet das Friedensbündnis unbeirrt. „Waffentechnik ist immer destruktiv, die Übergänge zwischen ziviler und militärischer Nutzung sind oft fließend.“ Vogels Aussage bezieht sich auf die Möglichkeit, zivile Sportwaffen zu vollautomatischen Sturmgewehren umzurüsten. Mit diesem Vorwurf wird die Firma Schmeisser nicht zum ersten Mal konfrontiert. Hoff versucht Entwarnung zu geben: „Die Teile der verschiedenen Waffentypen sind untereinander nicht austauschbar. Dies wird bei jedem Modell vom Bundeskriminalamt (BKA) geprüft.“ Diese BKA-Feststellungsbescheide sind öffentlich einsehbar.

Auch kleinkalibrige Sportwaffen werden vom Friedensbündnis kritisiert. „Kleinwaffen sind weltweit für mehr Tote verantwortlich als alle anderen Waffengattungen. Sie heizen Konflikte an. Sie sind leicht zu handhaben und gelangen deshalb auch in die Hände von Kindersoldaten.“ Vogel bezeichnet Kleinwaffen als „Massenvernichtungswaffen“. Hoff erklärt: „Wir bauen unsere Waffen doch nicht zum Töten, es sind Sportgeräte und es gibt nun mal Leute, die Spaß daran haben, Löcher in Pappscheiben zu schießen.“

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