In einer knappen Stunde hat Hochschul-Professor Jürgen Schram die Geschichte seines Faches erläutert.

Die Macher der neuen Reihe „Wissen für Krefeld“ (v.l.): Eckart Preen (Wirtschaftsförderung), Frank Reiners (WZ), Professor Hermann Ostendorf und Professor Jürgen Schram (Hochschule Niederrhein), Roland Busch, Sigurd Gasper und Dagmar Groß (WZ).
Die Macher der neuen Reihe „Wissen für Krefeld“ (v.l.): Eckart Preen (Wirtschaftsförderung), Frank Reiners (WZ), Professor Hermann Ostendorf und Professor Jürgen Schram (Hochschule Niederrhein), Roland Busch, Sigurd Gasper und Dagmar Groß (WZ).

Die Macher der neuen Reihe „Wissen für Krefeld“ (v.l.): Eckart Preen (Wirtschaftsförderung), Frank Reiners (WZ), Professor Hermann Ostendorf und Professor Jürgen Schram (Hochschule Niederrhein), Roland Busch, Sigurd Gasper und Dagmar Groß (WZ).

Andreas Bischof

Die Macher der neuen Reihe „Wissen für Krefeld“ (v.l.): Eckart Preen (Wirtschaftsförderung), Frank Reiners (WZ), Professor Hermann Ostendorf und Professor Jürgen Schram (Hochschule Niederrhein), Roland Busch, Sigurd Gasper und Dagmar Groß (WZ).

Krefeld. Wenn jede Chemie-Stunde in der Schulzeit so anschaulich und unterhaltsam gewesen wäre, dann bräuchte man sich um die naturwissenchaftliche Bildung unserer Gesellschaft keine Sorgen zu machen. In einem Parforceritt durch 1,5 Millionen Jahre sprach Professor Dr. Jürgen Schram im WZ-Pressehaus über den "Buhmann Chemie - Kulturgeschichte einer Hassliebe".

Der Professor der Hochschule Niederrhein hat damit den Auftakt zu einer neuen Reihe von WZ, Wirtschaftsförderung und Hochschule mit dem Titel "Wissen für Krefeld" gemacht. Und er hat es geschafft, Big Brother, Plinius, Swift und Prometheus in einem Vortrag unterzubringen. Und dabei ein Plädoyer für mehr Kommunikation und naturwissenschaftliche Bildung zu halten.

Einerseits stellt er dar, wie sich die Chemie mit der Nutzung des Feuers entwickelt hat über Keramik - den "ersten synthetischen Werkstoff", über Bronze bis hin zu Farben als Grundlage der industriellen Chemie. Andererseits zeigt er auf, wie sich die Natur- von den Geisteswissenschaften abgespalten haben.

Das passierte im 15. Jahrhundert, als die Alchimisten neue Stoffe entdeckten und damit in Konkurrenz zur Allmacht Gottes traten: "Deshalb mussten sie in den Untergrund und entwickelten eine eigene Symbolsprache, die bis heute für Verständigungsschwierigkeiten sorgt", sagt Schram. Doch selbst zu Goethes Zeiten habe es noch keine strikte Trennung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften gegeben, dies vollzog sich erst mit der Industrialisierung.

Beispiele dafür, so Schram, findet man auch heute. Es gelte sogar als schick, wenn man öffentlich bekennt, von Chemie oder Physik keine Ahnung zu haben. Schram: "Wenn ein Big-Brother-Container-Bewohner sagt, er kennt Shakespeare nicht, ist der Aufschrei groß. Wenn Schwanitz in seinem Bildungs-Buch schreibt, dass Naturwissenchaften nicht zur Bildung gehören, interessiert das niemanden."

"Wissen für Krefeld" ist eine neue Veranstaltungsreihe von Westdeutscher Zeitung, Hochschule Niederrhein und Wirtschaftsförderung. Im WZ-Pressehaus werden in lockeren Abständen aktuelle Themen der Stadt Krefeld aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und diskutiert. Ziel ist es, Hintergrundwissen zu vermitteln. Als Referenten sind namhafte Professoren der Hochschule Niederrhein eingeladen. Der Gästekreis setzt sich aus Führungskräften der Wirtschaft, Verwaltung und Politik sowie Lesern der Westdeutschen Zeitung zusammen.

Für die Auftaktveranstaltung konnten die Organisatoren Professor Dr. Jürgen Schram gewinnen. Der Chemiker ist gebürtiger krefelder udn seit 1993 Professor für Analytik an der Hochschule Niederrhein mit Sitz am Frankenring. Schram beschäftigt sich jedoch nicht nur mit Analyseverfahren sondern auch mit der Geschichte seines Fachs. So lautete der Titel seines Vortrags: "Buhmann Chemie - Kulturgeschichte einer Hassliebe". Ein Thema, das gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen in Krefeld um Kohlekraftwerk und CO-Pipeline eine besondere Brisanz hat.

Das naturwissenschaftliche Allgemeinwissen gehe immer mehr verloren und damit auch die Möglichkeit zu einem vernünftigen Austausch. "Derzeit stehen sich in Diskussionen, wie zum Beispiel um das Kohlekraftwerk, in der Regel Fachwissen und Emotion gegenüber. Erst wenn beide Seiten in der Lage sind auf beiden Ebenen zu diskutieren, gibt es eine Chance auf Kompromisse."

Dies sei eine Aufgabe für beide Seiten: "Wir gehen zu wenig in die Offensive. Wir müssen unser Fach so erklären, dass man es versteht." Umgekehrt verlangt der Chemiker von den Laien, dass diese sich zumindest Grundkenntnisse aneignen.

Dann könne man vernünftig argumentieren und nach Kompromissen suchen, mit denen auch die nächsten Generationen noch leben können. "Denn die Nachhaltigkeit", so Schram, "ist eine der ganz zentralen Forderungen. Wir müssen so agieren, dass auch unsere Enkel im hohen Alter von 80 oder 90 noch mit den Folgen leben können."

Nun fehlen aber noch Plinius, Swift und Prometheus. Letzterer ist laut Schram als Feuerdieb verantwortlich für den Treibhauseffekt (klar - der Fluch der Göttter). Der Autor Swift konnte in "Gullivers Reisen" chemische Vorgänge parodieren, so dass man davon ausgehen muss, dass die Leser die ursprünglichen Experimente kannten. Und Plinius hat schon vor 2000 Jahren davor gewarnt, dass Mutter Erde sich gegen den Raubbau der Menschen wehren wird. Schram: Wir haben noch einiges zu lernen!"

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer