Der Vorsitzende der islamischen Union ist froh, dass man in Krefeld offen miteinander redet – über IS-Terror wie über Flüchtlinge.

Interview
Mesut Akdeniz, Vorsitzender der Union der Türkischen und Islamischen Vereine, im Juni mit den Spenden für Flüchtlinge im Büro an der Carl-Wilhelm-Straße.

Mesut Akdeniz, Vorsitzender der Union der Türkischen und Islamischen Vereine, im Juni mit den Spenden für Flüchtlinge im Büro an der Carl-Wilhelm-Straße.

Andreas Bischof

Mesut Akdeniz, Vorsitzender der Union der Türkischen und Islamischen Vereine, im Juni mit den Spenden für Flüchtlinge im Büro an der Carl-Wilhelm-Straße.

Krefeld. Mesut Akdeniz steht seit Mitte 2013 an der Spitze der Union der türkischen und islamischen Vereine in Krefeld. Die WZ sprach mit ihm über die Stimmung in den islamischen Gemeinden und die Reaktionen auf die jüngsten Terroranschläge. Akdeniz ist froh, dass die Krefelder nicht alle Muslime über einen Kamm scheren und für die Taten von Terroristen (mit-)verantwortlich machen.

Herr Akdeniz, wie ist die Stimmung in den Gemeinden nach der neuerlichen Serie von Anschlägen?

Mesut Akdeniz: Das ist gemischt. Einige sind sehr, sehr besorgt. Andere sind sehr schnell wieder zum Alltag übergegangen oder verdrängen die Ereignisse. Das sollte nicht passieren, denn das Thema wird uns weiter beschäftigen. Was die Terroristen machen, ist ein Kampf gegen die Menschlichkeit und es stellt den Islam als terroristisch dar.

Gibt es nach Ihrer Kenntnis gewaltbereite Islamisten in Krefeld?

Akdeniz: Ich habe keine Hinweise auf radikalisierte Jugendliche in Krefeld. Da ist uns nichts bekannt. Vor fünf bis sechs Jahren hatte die Gemeinde am Verschubbahnhof mal den Salafisten Pierre Vogel eingeladen, der dann aber doch nicht aufgetreten ist. Seitdem habe ich nichts mehr gehört.

Sind der IS und die Anschläge Thema in den Moscheen?

Akdeniz: Ja, das ist Thema in den Gemeinden, das wird in den Freitagsgebeten angesprochen. Das, was da in Paris und anderswo passiert, entspricht nicht unserer Weltanschauung.

Haben Sie erwogen, als Union eine öffentliche Stellungnahme abzugeben?

Akdeniz: Das ist eigentlich Sache der Dachverbände, nicht unsere Hauptaufgabe vor Ort. Wir müssen überlegen, ob wir das zusätzlich machen. Wir sind aber im Gespräch mit den Imamen und geben das in der Vorsitzendenkonferenz weiter.

Viele Menschen fordern, dass die Muslime sich stärker distanzieren müssen von dem, was Terroristen im Namen des Islam verbrechen. Wie sehen Sie das?

Akdeniz: Man sollte sich von jeglicher Gewalt und von Terror distanzieren und sich dem entgegenstellen. Wichtig ist, zu informieren und zu diskutieren. Organisationen sollten dabei Unterstützung geben.

Was passiert in dieser Hinsicht in den Krefelder Gemeinden?

Akdeniz: Es funktioniert nur über Bildung. Es gibt gezielte Angebote in den Gemeinden für Kinder und Jugendliche. Dort werden die Themen angesprochen, wird darüber aufgeklärt, was die Terroristen wollen und dass wir jegliche Gewalt ablehnen. Denn unsere Gemeindemitglieder werden ja auch draußen auf die Ereignisse angesprochen.

Wie reagieren denn die anderen Krefelder? Gibt es Anfeindungen?

Akdeniz: Nein, das geht hier sehr human zu. Es gab bislang keine direkten Vorwürfe, auch nicht im Internet. Ich denke, da haben wir in den vergangenen zehn bis 15 Jahren eine große Offenheit erreicht. Man kann hier in Krefeld miteinander sprechen, diskutieren, sich besuchen. Mir ist es immer wichtig gewesen, wenn es Probleme gibt, diese gemeinsam zu lösen. So engagieren wird uns zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe.

Wie sieht das aus?

Akdeniz: Wir werden noch in diesem Jahr in der Junus-Emre-Moschee eine Begegnungsstätte mit festen Zeiten einrichten, um den Austausch untereinander zu fördern. Zusammen mit dem Kommunalen Integrationszentrum sind wir dabei, eine Internet-Plattform zu gestalten, auf der wir alle Aktionen und Angebote bündeln und diejenigen, die Hilfe brauchen, mit denen zusammenbringen, die Hilfe anbieten. In Uerdingen betreiben wir eine Kleiderkammer – die Gemeinde ist gleich neben der Turnhalle, in der die Flüchtlinge untergebracht sind. Deshalb können wir dort gut helfen. Zudem sammeln wir Haushaltsgegenstände und Möbel für die Erstausstattung. Nach dem, was die Menschen erlebt haben, brauchen sie Zuneigung, Wärme und Sicherheit. Wir wollen unseren Beitrag leisten.

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