Ralf Winters, Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Stadt Krefeld, über die Situation in der Verwaltung.

Ralf Winters ist der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates. Archivfoto: L.S.
Ralf Winters ist der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates. Archivfoto: L.S.

Ralf Winters ist der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates. Archivfoto: L.S.

Strücken, Lothar

Ralf Winters ist der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates. Archivfoto: L.S.

Krefeld. Die Situation in der Ausländerbehörde spitzt sich sowohl für das Publikum wie die Mitarbeiter zu. Am Montag gab es eine erste Kundgebung vor dem Rathaus.

Ralf Winters: Die problematische Situation in der Abteilung Aufenthaltsrecht ist seit Monaten Thema. Der Gesamtpersonalrat hat mehrfach auf den Personalmangel und seine Auswirkungen hingewiesen. Da sich die Personalsituation in der Abteilung weiter zuspitzt, haben wir uns schriftlich an die Ratsfraktionen und den Oberbürgermeister gewandt.

Schuld an der Misere ist auch der hohe Krankenstand. Wo liegen die Ursachen dafür?

Winters: Ein maßgeblicher Grund hierfür ist die Spirale der Arbeitsbelastung: Ein ohnehin schwieriges Arbeitsfeld, das einer ständigen Änderung unterliegt, zusätzliche Aufgaben, ein dadurch erhöhtes Publikumsaufkommen, als Folge der erhöhten Belastung krankheitsbedingte Ausfälle, die wiederum zur Mehrbelastung der verbliebenen Mitarbeiter führt– ein Teufelskreis. Notwendige zusätzliche Stellen wurden von der Mehrheit im Rat im Dezember abgelehnt.

„Ausländerrecht ist eine sehr schwierige juristische Materie.“
Ralf Winters, Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Stadt

Besonders Menschen, die nicht aus einem Land der Europäischen Unuion kommen, klagen über monatelange Wartezeiten.

Winters: Dort ist die Situation besonders dramatisch. Es sind erhebliche Arbeitsrückstände entstanden, die mit dem aktuellen Personalbestand nicht zeitnah abgearbeitet werden können und damit zu mehrwöchigen Wartezeiten führen. Die Folge: Zunehmende mündliche und schriftliche Nachfragen und Beschwerden und Klagen, die wiederum Kapazitäten binden.

Könnten da nicht Umsetzungen aus anderen Teilen der Verwaltung oder Auslagerungen in die Bezirksverwaltungsstellen Abhilfe schaffen?

Winters: Das Ausländerrecht ist eine sehr schwierige juristische Materie, die Einarbeitungszeit beträgt im Durchschnitt ein Jahr. Neben Umsetzungen innerhalb der Verwaltung muss auch die Einstellung eingearbeiteter Mitarbeiter von außen erwogen werden. Kontinuität erhalten wir aber nur mit akzeptablen Arbeitsbedingungen.

Wie viele Stellen akut fehlen dort denn nach Ansicht des Personalrats?

Winters: Aktuell fehlen allein in diesem Sachgebiet 3,5 Vollzeitkräfte des gehobenen Dienstes. Tendenz steigend, weil sich Mitarbeiter angesichts der hohen Arbeitsbelastung gezielt auf andere Stellen in der Verwaltung bewerben, was durchaus verständlich ist.

Die Verwaltung versteht sich als ist ein Dienstleistungsunternehmen. Oder nicht?

Winters: Selbstverständlich. Aber für gute Dienstleistungen brauchen wir gute Arbeitsbedingungen. Derzeit ist die Situation in der Abteilung für die Menschen, die dort um Termine nachsuchen und bei denen es häufig um ihren Aufenthalt und damit um existentielle Fragen geht, unzumutbar. Auch sie sind Bürger unserer Stadt. Hier ist die Stadt Krefeld von ihrer multikulturellen Geschichte und ihrem Anspruch einer weltoffenen Kommune zu sein, Lichtjahre entfernt.

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