Bei einer Verhandlung gegen einen albanischen Drogendealer vor dem Landgericht kommt ein tragischer Lebenslauf zu Tage.

Krefeld. Am Montag fand vor der großen Strafkammer des Krefelder Landgerichts der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen einen 45-jährigen Albaner statt. Dem Mann wird zur Last gelegt, in den Jahren 2005 und 2006 mit erheblichen Mengen Marihuana gehandelt zu haben und an der Organisation von Drogengeschäften beteiligt gewesen zu sein.

Um welche Mengen von Marihuana es sich handelte, schilderte ein bereits verurteilter Komplize anschaulich: "Da lag ein riesiger Berg Gras auf dem Hof in Albanien. Es sollten 100 Kilogramm sein, es hätten aber genauso gut 500 Kilogramm sein können. Wir haben nicht das ganze Zeug im Transporter verstecken können, es war einfach zu viel."

Für dieses und andere Drogengeschäfte in ähnlicher Größenordnung, hat der Angeklagte in Albanien bereits eine dreijährige Haftstrafe absitzen müssen. Dass sein Urteil dort nicht härter ausfiel, liegt daran, dass er dort umfassend geständig war und sowohl seine Mittäter als auch die Handelswege aufdeckte. So wähnte er sich in Sicherheit vor dem Arm der Justiz, als er nach seiner Freilassung nach Italien auswanderte, um der Rache seiner entlarvten Landsleute zu entgehen.

In Italien wurde er jedoch festgenommen, da die deutsche Justiz ihn per europäischem Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben hatte. Im weiteren Verlauf des Prozesses wird zu klären sein, ob der Angeklagte in Deutschland eine weitere Haftstrafe absitzen muss.
Boten hatten zum Teil keine Ahnung, dass sie Drogen schmuggelten

Zwischen Deutschland und Albanien bestünde zwar kein Doppelstrafabkommen, räumte der Verteidiger ein, aber bei der Verurteilung des 45-Jährigen in Albanien hätten die Ermittlungsakten der deutschen Staatsanwaltschaft eine große Rolle gespielt. Im  Prozessverlauf schilderte der Angeklagte dem Gericht seinen Lebenslauf.

Der Sohn eines Literaturlehrers machte Gewalt und fehlende Perspektiven nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems im ehemaligen Jugoslawien für seine kriminellen Entgleisungen verantwortlich. Anschaulich schilderte er auch das Bedauern, dass er für einen seiner Boten empfand, der der griechischen Polizei ins Netz gegangen war: "Ich weiß, dass Fritz seit Jahren unschuldig in Haft sitzt. Er hatte keine Ahnung, dass in seinem Transporter Drogen versteckt waren. Aber ich habe keine Kraft und keine Möglichkeit, das zu ändern." Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
 

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