Der FDP-Politiker spaziert gerne durch die Krefelder Parks – und hofft auf die Rückkehr in den Bundestag.

Der FDP-Politiker spaziert gerne durch die Krefelder Parks – und hofft auf die Rückkehr in den Bundestag.
Gut gelaunt und gerade zurück aus Berlin: Otto Fricke traf sich mit Reporterin Chrismie Fehrmann zum Parkspaziergang. Fotos (2): Andreas Bischof

Gut gelaunt und gerade zurück aus Berlin: Otto Fricke traf sich mit Reporterin Chrismie Fehrmann zum Parkspaziergang. Fotos (2): Andreas Bischof

Gut gelaunt und gerade zurück aus Berlin: Otto Fricke traf sich mit Reporterin Chrismie Fehrmann zum Parkspaziergang. Fotos (2): Andreas Bischof

Krefeld. Der Spaziergang mit dem Bundestagabgeordneten in spe, Otto Fricke (FDP), verläuft zwischen Haus Schönwasser und Burg Linn durch die Parks. Er könnte auch als botanische Exkursion bezeichnet werden. Fricke kennt jeden Baum, weil er dort öfter Luft schnappt, kann ihn aber auch exakt einordnen: „Dies ist eine Libanon-Zeder, jener ein Japanischer Ahorn, und die Hainbuche ist keine Buche, sondern eine Birke.“ Die Kenntnisse besitzt er seit seinem Jurastudium. „Ich habe in Freiburg studiert, gemeinsam mit vielen Forststudenten. Da bin ich auch oft gewandert, der Blick ging immer hoch zu den Blättern“, sagt er.

Sein Wanderstil scheint wie seine politische Karriere: flott, beinahe schnell, schnörkellos und geradeaus. In den vergangenen vier Jahren hatte seine parlamentarische Arbeit gezwungenermaßen eine Pause. Die FDP hat 2013 den Einzug in den Bundestag verpasst. Das tut noch immer weh. „Das wünscht man seinem politischen Wettbewerber nicht. Als Parlamentarischer Geschäftsführer hat man die Verantwortung für die Mitarbeiter – sie waren plötzlich arbeitslos.“ Zuvor war er einige Jahre Vorsitzender des Haushaltsausschusses und kann verzwickte Zusammenhänge – oft auch in TV-Talkshows – leicht verständlich machen.

Bodenständigkeit ist für ihn nicht nur ein Wort

Acht Tage vor den nächsten Wahl sieht es nun besser aus: „Die Prognosen liegen bei acht bis zehn Prozent. Mit meinem siebten Listenplatz stehe ich genau an der richtigen Stelle.“ Weiter vorne in die politische Reihe hätte er durchaus gepasst, wollte es aber nie: „Politik verändert Menschen, weil sie in einer unheimlich hohen Drehzahl, wie in der Formel eins, agieren.“ Dagegen sei auch keiner gefeit. Da vergesse man, wie schön Spazierengehen sei. „Als Parlamentarier kann ich frei reden, es wird nichts vorgegeben. Das soll so bleiben. Außerdem erdet die Familie mich. Wenn man von Bundes-Etat-Problemen in Berlin nach Bockum mit Wickelproblemen kommt, das hilft, runter zu kommen“, sagt der Mann, für den Bodenständigkeit nicht nur ein Wort ist.

Mittlerweile sind die drei Kinder groß, der Älteste will – auch in Freiburg – Volkswirtschaft studieren. „Er verlässt das Haus“, sagt Fricke, und ein klein wenig Wehmut ist zu spüren. Aber: „Es ist schön, das erste Kind auf der Schiene zu haben.“ Er weiß aber auch: „Meine Frau, Kirsten Echternach, trägt den Großteil der Arbeit zu Hause.“ Sie ist praktizierende Ärztin. Über die Autobahnbrücke im Park, Richtung Linn, rauscht der Verkehr über die A57. „Ich freue mich, dass es mit dem Lärmschutz zu einer Qualitätsverbesserung für die Linner kommt“, sagt er. „Alle wollen schnell zum Flughafen.“

Die Burg Linn kommt in Sicht. „Dies ist auch der Weg, den ich mit meinen Gästen nehme. Mit der Straßenbahn geht es dann zurück. Krefeld hat so viel zu bieten. Sie ist eine grüne, nicht zu große Großstadt, die sich weit unter Wert verkauft“, sagt Fricke, der es für einen Fehler hält, wenn der Bundespolitiker Kommunalpolitik betreiben will. „Wir können aber helfen, dass sie Bundesmittel erhalten, beispielsweise für die Digitalisierung an Schulen.“ Noch immer ist er flott unterwegs. „Meine sportliche Familie, alle spielen Tennis oder Hockey, kommt gut mit. Ich selbst habe Hockey gewählt, um mein Bewegungsdefizit aufzulösen.“

Von Stress ist ihm beim Spaziergang nichts anzumerken, denn an diesem Morgen soll wenig später der Flieger Richtung Bundeshauptstadt abheben. Am Abend zuvor blieb das Flugzeug am Berliner Boden. Dort arbeitet Fricke als Leiter des Berliner Büros eines Kommunikationsberaters. Der Liberale nahm dann den Zug, der mit 90 Minuten Verspätung in Krefeld ankam. „Ich bleibe gelassen, ich pendele seit 1999, ich kenne das. Dann wird die Bahn zum Büro.“ Stets ist er mit Krawatte unterwegs, denn: „Ich bin doch aus Krefeld.“ Und am Schluss des Weges schwärmt er von der Kindheit in Uerdingen am Rhein, von dem Fenster seines Kinderzimmers, durch das er auf den Strom blicken konnte, und die Scheiben klirrten, wenn die Dieselmotoren der Schiffe vorbei brummten.

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