Kerstin Radomski (CDU) kennt Hüls wie ihre Westentasche, hat aber nichts gegen eine zweite Mandatszeit in der Hauptstadt. Der WZ erzählt sie bei einer Radtour, warum.

In der Innenstadt starten CDU-Bundestagskandidatin Kerstin Radomski und WZ-Redaktionsleiter Michael Passon ihre Radtour nach Hüls.
In der Innenstadt starten CDU-Bundestagskandidatin Kerstin Radomski und WZ-Redaktionsleiter Michael Passon ihre Radtour nach Hüls.

In der Innenstadt starten CDU-Bundestagskandidatin Kerstin Radomski und WZ-Redaktionsleiter Michael Passon ihre Radtour nach Hüls.

Kennt sich auf den Spielplätzen der Stadt aus: Kerstin Radomski hat selbst zwei kleine Töchter.

In der Innenstadt starten CDU-Bundestagskandidatin Kerstin Radomski und WZ-Redaktionsleiter Michael Passon ihre Radtour nach Hüls.

Kennt sich auf den Spielplätzen der Stadt aus: Kerstin Radomski hat selbst zwei kleine Töchter.

Andreas Bischof, Bild 1 von 4

In der Innenstadt starten CDU-Bundestagskandidatin Kerstin Radomski und WZ-Redaktionsleiter Michael Passon ihre Radtour nach Hüls.

Hüls. Es sind einige der wenigen Stunden, in denen die Sonne dem Herbst noch die Stirn bietet. Gut so, Kerstin Radomski hat sich richtig was vorgenommen. Wir treffen uns am ehemaligen CDU-Büro in der Straße, dort, wo für eine zierliche junge Frau alle Politik begann. Heute sitzt sie als alleinerziehende Mutter zweier Mädchen im Bundestag. Und dort möchte sie am 24. September auch wieder hin. Jetzt geht’s aber erstmal in Richtung Hüls. Mit dem Rad, denn „WZ bewegt“.

Die Suche nach einer ruhigen Strecke neben den stark befahrenen Innenstadt-Straßen ist kurz. Radomski ist ein Krefelder Kind, kennt jeden Feldweg. Und viele Vorurteile. Auf dem Weg durch den Inrath wird schnell deutlich, wie hübsch, wie original der von Siempelkamp dominierte Stadtteil in manchen Ecken ist. Radomski ist flott unterwegs. Draußen sein, Natur, Tiere: ihr Ding, seit sie denken kann. „Ich wollte eigentlich Bäuerin werden“, erzählt die 42-Jährige. „Daraus wurde nichts. Wirtschaftlich zu schwierig.“ Bio-Lehrerin immerhin wurde die gebürtige Hülserin. Und Erdkunde. Passt zu ihr wie die Ehrenämter. Radomski ist Mitglied im Naturwissenschaftlichen Verein zu Krefeld, im Verein für Heimatkunde Krefeld 1918 und in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Ihre Kindheit verbindet Kerstin Radomski vor allem mit der Rennbahn. 50 Jahre lang arbeitet ihre Mutter dort im Kassenhäuschen. Auch in Zeiten, in denen gewettet wird, was das Zeug hält, als man sich auf dem Gelände an Renntagen kaum bewegen kann. Und die kleine Kerstin, in der Familie die größere Schwester, ist auf der Anlage als „Läuferin“ aktiv. Taschengeld verdienen. „Ein paar Mark halt.“ Schöne Erinnerungen seien das. „Das war immer eine tolle Atmosphäre und sehr familiär“, erzählt die ehemalige Fichte-Schülerin, streckt den Arm links aus und nimmt mit Schwung die Kurve, der Kirchturm von Hüls ist bereits in Sicht.

Die Junge Union ist Kerstin Radomskis erste politische Liebe

Die CDU, die kommt später. Ihre eigentliche politische Liebe ist die Junge Union. Dort hat sie große Teile ihres Weges absolviert, bis in den Vorstand des Landesverbandes. Und als die Partei sie schließlich 2009 als Gegenkandidatin zum scheinbar unschlagbaren SPD-Abgeordneten Siegmund Ehrmann im Krefelder Norden aufstellt, gilt Radomski vielen als zu leicht. Kanonenfutter, lästern Sozialdemokraten, der stets besonnene Ehrmann gibt sich bescheidener. Zu Recht. Radomski verkürzt den Abstand in dem traditionell roten Wahlkreis mit Moers zunächst beachtlich und schließt die Lücke 2013 fast komplett. In dieser Nacht rutscht die Lehrerin sozusagen im Nachsitzen nach Berlin. Und diesmal? „Ich will den Wahlkreis direkt holen und nichts dem Zufall überlassen.“ Den Unterschied zu ihrer Konkurrentin Elke Buttkereit beschreibt Radomski mit einem Augenzwinkern: „Ich mache mit Ihnen eine zweieinhalbstündige Radtour“, sagt sie und grinst in der ihr eigenen verschmitzten Art (Anm. d. Red.: Mit Buttkereit sind wir eine Stunde durch den Stadtwald spaziert).

Abschwung, Pause. Wenn Radomski nach Hüls kommt, hält sie an der Eisdiele. „Vielleicht die beste in Krefeld“, sagt sie und bestellt. „Wenn ich mit den Kindern schonmal auf dem Rad zum Markt fahre, ist die Eisdiele die perfekte Motivation.“ Gegessen wird im Schieben, die blonde Dame mit dem Helm ist ja noch lange nicht fertig. Vorbei am Krankenhaus und am Freibad geht’s eine halbe Stunde lang durch pure Natur. Hülser Berg, Verberg, herrlich. Radomski weiß viel zu erzählen. Über das Nabu-Zentrum, wo sie während des Studiums viel Zeit verbringt und Insektenstämme bestimmt. Von alten Krefelder Familien und ihre Bedeutung. Von Buschröschen, die im Wald wachsen, von „pflegeleichten Gärten, am liebsten mit Wildblumenwiese. Und am Kliedter Hof bei Schulte-Bockholt gibt’s erstmal einen Becher frischer Rohmilch von der Milchtankstelle.“

Und Radomski weiß, was sie will, sie spricht es fast druckreif: „Ich bin ordentliches Mitglied im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages und setze mich für einen generationengerechten Bundeshaushalt ein. Mein besonderes Anliegen sind Investitionen in Bildung, Forschung und Familie. Meinem weiteren Herzensanliegen, Erhalt und Schutz der Umwelt, widme ich mich im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung.“ Radomski hat gelernt, eine Legislaturperiode lang.

Auch zwischen den Sitzungen. Etwa, dass Politik schlecht beraten ist, wenn sie sich in Krisen wegduckt und wartet, bis der Sturm vorbei ist. Radomski hat es besser gemacht vor gut eineinhalb Jahren. Für den Kauf einer hochwertigen Laptop-Tasche für 532 Euro von ihrer Bürokostenpauschale hatte sie sich nach anfänglichem Zögern offensiv in der WZ entschuldigt. Natürlich taucht die Tasche hier und da als Spitze im Wahlkampf auf, aber die Jagd auf einen in dieser Situation instinktlosen Parlamentsneuling ist vorbei, längst. Auch, weil Radomski kein Neuling mehr ist. Sie weiß heute mindestens, wie schnell man einsam werden kann. Auch in der christlichen CDU.

Ohne Vater und Mutter Radomski wäre Mandat nicht zu stemmen

Trotzdem, beteuert die Krefelderin, sei es für sie nie eine Frage gewesen, ob sie nochmal antreten werde. „Im Gegenteil, ich bin ja grad’ richtig drin und kann mich noch viel effektiver einbringen. Aber ich musste mich natürlich erstmal mit der Familie hinsetzen.“ Genauer: mit ihren Eltern und Kindern. Ohne Vater und Mutter Radomski wäre das Mandat gar nicht zu stemmen. Die kleinen Töchter wohnen oft bei den Großeltern, wenn Kerstin Radomski Sitzungswochen hat. „Es geht, so wie es jetzt läuft, prima. Würden die Kinder darunter leiden, würde ich das nicht machen.“ Wenn Radomski in Berlin ist, wohnt sie nach wie vor im Hotel. „In der Regel sind die Sitzungstage lang und ich nutze freie Stunden am Abend, um meine Aufgaben im Büro abzuarbeiten. Wenn ich aber doch einmal einen freien Abend habe, treffe ich mich mit ehemaligen Klassenkameraden und Freunden, die ich noch aus JU-Zeiten kenne.“

Daheim stehen die Kids an erster Stelle. Radfahren, Natur zeigen, Mama sein, Hühnerfrikassee oder Spaghetti Bolognese kochen, „Die kleine Hexe“ vorlesen, einfach privat sein. Vorlieben? „Ich bin nie ein Serienjunkie gewesen, würde durch die Sitzungswochen auch immer wieder Folgen verpassen. Wenn das Radio läuft, dann Welle Niederrhein, auf meiner Lieblings-CD ertönt Edward Grieg.“

In Bockum trennen sich die Wege, die Zeit ist geflogen. So schön Krefeld zu beradeln ist, Kerstin Radomski befindet sich im Wahlkampf und der nächste Termin wartet in der Nähe.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer