Arbeitslosenzentrum: Nach einer anonymen Umfrage zeigen Gespräche mit den Verantwortlichen jetzt erste Erfolge.

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Im Jobcenter Krefeld soll künftig der Eingang von Unterlagen per Stempel bescheinigt werden. Bisher beklagen Leistungsempfänger, dass häufig ihre Anträge verschwinden würden. Archiv: dpa

Im Jobcenter Krefeld soll künftig der Eingang von Unterlagen per Stempel bescheinigt werden. Bisher beklagen Leistungsempfänger, dass häufig ihre Anträge verschwinden würden. Archiv: dpa

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Im Jobcenter Krefeld soll künftig der Eingang von Unterlagen per Stempel bescheinigt werden. Bisher beklagen Leistungsempfänger, dass häufig ihre Anträge verschwinden würden. Archiv: dpa

Krefeld. Künftig wird es beim Jobcenter einen Eingangsstempel für eingereichte Unterlagen geben. Damit reagiert man auf den Vorwurf von Kunden, dass über 60 Prozent der Unterlagen verloren gehen. Das ist das Resultat erster intensiver Gespräche zwischen Vertretern des Jobcenters und des Arbeitslosenzentrums.


Allein für diese Verbesserung hat sich der Aufwand für die unabhängige und anonyme Kundenzufriedenheitsumfrage im vergangenen Jahr gelohnt, sagt Jo Greyn, Leiter des Arbeitslosenzentrums. 56 Seiten umfasst das Ergebnis der Kundenbefragung durch das Sozialbündnis Krefeld. Acht zentrale Kritikpunkte werden genannt. Der für die Leistungsempfänger folgenschwerste ist das Verschwinden eingereichter Unterlagen bei der Behörde.


Ratsuchende klagen über Bußgeld, Rückforderungen und Strafanzeigen


Werden laut Greyn zum Beispiel Erstanträge oder Fortzahlungsanträge zu spät bewilligt, stehen die Leistungsberechtigten mittellos da. Bei Anträgen auf Übernahme von Nachzahlungen der Neben- und Heizkosten, der Kosten für Schulklassenfahrten, Mietkautionen und Umzug ist eine zügige Bearbeitung zur Schadensbegrenzung ebenso notwendig. Erfolgt das nicht, sind die Auswirkungen weitreichend: „In den Beratungsstellen klagen Ratsuchende unter anderem darüber, dass ihnen wegen nicht auffindbarer Unterlagen rechtliche Nachteile wie Rückforderungen, Bußgeld oder sogar eine Strafanzeige drohen“, erzählt Greyn.


Knapp 61 Prozent aller Befragten mussten Papiere doppelt einreichen


Mehr als die Hälfte der 315 Befragten hat selbst erlebt, dass Unterlagen oder Anträge verloren gegangen sind. „Das macht 60,9 Prozent“, so Greyn. Auffällig sei, dass dies häufig in der Zweigstelle Virchowstraße (65,6 Prozent, fast zwei Drittel) und am Fütingsweg vorkomme, im Gegensatz zur Zweigstelle Philadelphiastraße.


Mit der Einführung eines Eingangsstempels werde nun eine Rechtssicherheit geschaffen – für Leistungsberechtigte, aber auch für die Mitarbeiter. „In einem zweiten Schritt ist laut Jobcenter angedacht, ab 2015 alle Unterlagen einzuscannen“, sagt Greyn.
Die wären dann auch für die Mitarbeiter im Callcenter einsichtig, die bislang keine Verbindung zu den Mitarbeitern in den Zweigstellen und damit auch keine Übersicht über Eingänge haben. „Damit wäre Krefeld schon fast vorbildlich.“

Bezieher von Leistungen nach SGB II.

Mit 315 auswertbaren Fragebögen erreicht die Untersuchung etwa 1,55 Prozent der 20 301 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die in Krefeld Leistungen nach SGB II beziehen.

Das System der Schulbenotung (1 bis 6) wurde bei der Befragung verwendet.


Die Erreichbarkeit des Jobcenters ist der zweite große Kritikpunkt laut Befragung. Kunden wie auch Mitarbeiter der Betreuungsvereine beklagen, dass die Institution kaum zu erreichen ist. Eine direkte Durchwahl zu den zuständigen Sachbearbeitern ist nicht möglich oder läuft ins Leere, weil am anderen Ende niemand abhebt und auch kein Anrufbeantworter anspringt.


Eine Beschwerde der Betreuungsvereine beim Krefelder Gerichtspräsidenten hat nun immerhin einen kleinen Erfolg beschert: Zumindest die Mitarbeiter von SkF und Diakonie haben nun die direkte Durchwahl der Teamleiter vorliegen. Greyn hofft, dass es für das Arbeitslosenzentrum eine ähnliche Lösung geben wird.


Deshalb setzt er zuversichtlich auf die noch folgenden Gespräche mit dem Jobcenter. Weitere Punkte auf seiner Agenda sind: der Datenschutz, die Beratungspflicht, das persönliche Verhältnis der Mitarbeiter, die Einführung einer Notfallsprechstunde, Deeskalationsstrategien für Mitarbeiter und Fallkonferenzen mit allen Beteiligten.

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