Die RWE will nicht von ihrem Plan abrücken, eine Überlandleitung im Krefelder Westen zu bauen.

wza_893x1500_513366.jpeg
Noch 20 Meter höher als die der bestehenden Überlandleitung sollen die neuen Masten werden. (Archiv

Noch 20 Meter höher als die der bestehenden Überlandleitung sollen die neuen Masten werden. (Archiv

Andreas Bischof

Noch 20 Meter höher als die der bestehenden Überlandleitung sollen die neuen Masten werden. (Archiv

Krefeld. Seit Monaten sind die Menschen im Krefelder Westen in Sorge über eine Starkstromleitung, die das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) bauen möchte. Als der Energieriese vor etwa einem halben Jahr bei einer Bürgerversammlung die Pläne vorgestellt hat, hagelte es heftige Kritik an der Freileitung. Der Forderung nach einem Erdkabel erteilte der Konzern jetzt eine Absage: Wer dies wolle, müsse es auch selbst bezahlen.

Verbunden ist die 380-Kilovolt-Leitung, die die bestehende 220-Kilovolt-Trasse ersetzen soll, nach Ansicht der Grünen nicht nur mit Strommasten, die bis zu 20 Meter höher sind als die bisherigen. Die Partei befürchtet auch nicht kalkulierbare gesundheitliche Gefahren durch die Nähe zur Wohnbebauung und zu einer Kleingartensiedlung. Die Partei hat daher den Antrag gestellt, die Leitung unter die Erde zu verlegen. 

RWE hat trotz der Kritik die Pläne bisher in keinster Weise geändert. Das bestätigt Dieter Picklapp, Bauingenieur bei der RWE Transportnetz Strom GmbH. "Wir werden wie geplant eine Überlandleitung beantragen, weil ein Erdkabel nicht nur technisch schwer zu realisieren wäre, sondern sehr viel mehr Geld kosten würde", sagt er.

Einen entsprechenden Antrag bei der Bezirksregierung Düsseldorf werde seine Gesellschaft voraussichtlich nach der Bundestagswahl, also im Oktober, auf den Weg bringen. Acht bis zehn Millionen Euro mehr würde ein Kabel unter der Erde kosten. "Wenn die Stadt Krefeld oder die Politik ein Erdkabel wollen, sollen sie das Geld dafür zur Verfügung stellen", sagt der RWE-Planer. Außerdem müssten zwei Umspannwerke, die Flächen von 30 mal 50 Meter verschlingen würden, gebaut werden, die die Landschaft verunstalteten. Technische Probleme bereite vor allem eine Wasserleitung, die in der Nähe der Trasse verläuft.

Picklapp sieht das neue Energie-Einspeisungs-Gesetz (EEG) auf seiner Seite, das wahrscheinlich im Juli vom Bundespräsidenten unterzeichnet werde. Dort seien zehn Pilotprojekte für Erdkabel festgeschrieben - Krefeld gehöre nicht zu den Standorten.

Für Spannungen über 50 Kilovolt sind Freileitungen im Regelfall die wirtschaftlichste Form der Stromleitung. Die Kühlung durch die umgebende Luft ermöglicht es, Freileitungen im Winter, wenn der Stromverbrauch sehr hoch ist, ebenso hoch zu belasten.

Es wird diskutiert, ob die magnetischen Felder unter den Leitungen die Gesundheit beeinflussen.

Grünen-Ratsherr Rolf Rundmund will mit allen Mitteln versuchen, die Starkstromleitung zu verhindern. "Wir sind bereit, alle Register zu ziehen. Zur Not muss es die Stadt Krefeld auf einen Rechtsstreit ankommen lassen", sagt Rundmund, der sich sicher ist, "kurz vor der Wahl entsprechende Mehrheiten im Rat herstellen zu können".

Da der Energielieferant von der Leitung wirtschaftlich profitiere, müsse er auch bereit sein, tiefer in die Tasche zu greifen. Die Aussagen von Planer Dieter Picklapp machen ihm dabei keine Sorgen. "Die Entscheidung fällt eine Etage höher", glaubt das Mitglied des Planungsausschusses und des Bauausschusses.

"Die Stadt Krefeld wird im Genehmigungsverfahren das Erdkabel fordern", sagt Baudezernent Thomas Visser. Man werde darauf hinweisen, dass mit der neuen Leitung eine Gesundheitsgefährdung entstehen könnte. Mit der Forderung, die Stadt solle das Geld für das Erdkabel bereitstellen, mache sich RWE die Sache zu leicht.

Dass Krefeld nicht als Pilotprojekt im EEG vorgesehen ist, sei allerdings keine Stärkung dieser Position. "Das Thema wird auch den neuen Stadtrat beschäftigen, da das Genehmigungsverfahren frühestens Anfang 2010 in Gang kommt", meint Visser.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer