Das Unternehmen hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Die Krise beim US-Mutterkonzern gab den Ausschlag.

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Tronox ist viertrgößter Arbeitgeber im Chempark. (Archiv

Tronox ist viertrgößter Arbeitgeber im Chempark. (Archiv

Andreas Bischof

Tronox ist viertrgößter Arbeitgeber im Chempark. (Archiv

Krefeld. 515 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs: Das Chemieunternehmen Tronox - viertgrößter Arbeitgeber im Uerdinger Chempark - hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Am Freitagmorgen wurden die Beschäftigten informiert.

Eine Entscheidung, die sich abgezeichnet hat. Schon seit Monaten kursierten Gerüchte. Beim Mutterkonzern in den USA kriselte es gewaltig, als bei diesem im Januar das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, traf das jetzt auch die Tochter in Uerdingen.

"Wir haben keine externen Geldmittel mehr bekommen", bestätigt Paul Roberts, Geschäftsführer in der Uerdinger Zentrale.

Finanzkrise ließ die Produktion einbrechen

Noch vor einiger Zeit hatte es geheißen, man sei unabhängig vom schwächelnden Mutterkonzern. Eine zu optimistische Einschätzung? "Wir haben es nicht geschafft, Geldgeber oder eine Hausbank zu finden", räumt der Geschäftsführer ein.

Zudem habe die Finanzkrise Tronox voll erwischt. Von Herbst bis jetzt sei die Produktion um 40Prozent zurückgegangen.

Tronox gehörte früher zum Bayer-Konzern und ist ein Hersteller von Titandioxid, das unter anderem für Farben und Lacke verwendet wird. 515 Beschäftigte hat das Unternehmen in Uerdingen., Im Jahr 2008 betrug der Umsatz 180 Millionen Euro, für 2009 rechnete man mit 125 Millionen Euro.

Betroffen zeigte sich Betriebsratsvorsitzender Hans Hirche, der die Situation von Tronox mit der von Opel vergleicht: "Wir wussten, dass die wirtschaftliche Lage ernst ist."

Aber von der Entscheidung sei die Belegschaft eiskalt erwischt worden. "Seit 24 Monaten schwebte ein Damoklesschwert über uns." Damals hatte sich Tronox aus dem Konzern Kerr-McGee gelöst.

Bei den Mitarbeitern herrscht Unsicherheit. Bis Ende Mai seien Löhne und Gehälter gesichert, betont Eberhard Stock, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist und am Freitag bereits fünf Stunden lang mit Geschäftsführung und Betriebsrat die Situation erörterte.

"Ich bin zuversichtlich, dass es auch über den 31. Mai hinaus mit der Produktion weitergeht." Sein erster Eindruck: "Das ist ein Mutterproblem." Tronox hier sei ein intaktes Unternehmen.

Stefan Dresely, Leiter des Chemparks, bedauert die Insolvenzentscheidung. "Ich hoffe aber, dass Möglichkeiten gefunden werden, die Produktion dauerhaft weiterzuführen." Auch Heinz Hirche sieht Potenzial für den Standort: "Eine Insolvenz muss nicht in einer Abwicklung enden."

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