Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der Säugling in einem Badezimmer zur Welt kam, da er mit Feuchttüchern geknebelt war.

Fahndung
Die Polizisten Jörn Groesdonk (l.) und Henry von Leliwa hängen Fahndungsplakate nahe dem Fundort auf.

Die Polizisten Jörn Groesdonk (l.) und Henry von Leliwa hängen Fahndungsplakate nahe dem Fundort auf.

Dirk Jochmann

Die Polizisten Jörn Groesdonk (l.) und Henry von Leliwa hängen Fahndungsplakate nahe dem Fundort auf.

Krefeld. Sie lebte wohl nur wenige Minuten. Vermutlich verborgen vor der Familie auf dem kalten Boden eines Badezimmers zur Welt gekommen, wurden Silvia Tücher in den Mund gestopft, bis sie nicht mehr schreien konnte. In ein Handtuch gewickelt, wurde der kleine Körper in eine Mülltüte gestopft und am Rande des Krefelder Südparks in einem Wäldchen abgelegt.

Eine Woche, nachdem ein Hund den verwesten Leichnam entdeckt hat, wird Silvia am Donnerstag beigesetzt. Pfarrer Michael Hack hat sie so genannt – das Kind soll nicht anonym bleiben und einen Namen haben, wenn es beerdigt wird, findet der Polizeiseelsorger. Silvia stamme aus dem Lateinischen und bedeute „Königin des Waldes.“ Am Donnerstag um 10 Uhr wird sie auf dem Krefelder Hauptfriedhof beigesetzt.

Eine Ermittlungskommission sucht nach der Mutter wegen eines Tötungsdelikts. Die Betroffenheit in der Bevölkerung sei groß, doch Hinweise gebe es nur wenige. Auf diese sind die Fahnder aber dringend angewiesen. Sie interessiert, wenn Frauen oder Mädchen zuletzt schwanger waren, beziehungsweise aussahen, und nun nicht mehr.

Vermutlich Feuchttücher zum Knebeln des Babys benutzt

Bei der Auswertung von Spuren am Fundort hat die Polizei auch DNA der Mutter gefunden. Zudem kristallisiert sich heraus, dass Feuchttücher als Knebel benutzt worden sind – letzte Klarheit wird es aber erst durch weitere Untersuchungen geben. Für Chefermittler Gerd Hoppmann stellt sich die Geburtssituation in einem Badezimmer damit als immer wahrscheinlicher heraus, zumal auch das verwendete Handtuch dafür spricht. „Vermutlich wird es dort Blutspuren gegeben haben, die man nicht ganz beseitigen und vor anderen verbergen konnte. Aber dafür lassen sich Erklärungen finden, eine starke Menstruation beispielsweise“, sagt der Kommissionsleiter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Möglicherweise wird die Polizei in einigen Wochen mit einem Massen-Gentest beginnen, nachdem nun DNA-Spuren der Mutter ausgewertet werden konnten. „Wir wollen aber zunächst andere Möglichkeiten ausschöpfen“, erklärt Hoppmann.

Bisher gingen bei der Polizei nur wenige Hinweise auf Frauen ein, die als Mütter in Betracht kommen könnten. Die Ermittlungskommission hat zwar bereits einige aufgesucht. Diese hatten aber jeweils ein Kind oder waren noch schwanger. Chefermittler Gerd Hoppmann verspricht, dass man mit Hinweisen sehr sensibel umgehe und sich diskret verhalte: Man wolle niemandem Schwierigkeiten bereiten.

Die Ermittlungskommission ist insbesondere an Informationen zu Frauen interessiert, die schwanger waren oder so aussahen und nun nicht mehr. Hinweise unter Telefon 02151/634-0.

Eine davon: Plakate, die Polizeibeamte am Mittwoch im Umfeld des bei Spaziergängern und Hundehaltern beliebten Waldwegs aufhängten. Auch an weiterführenden Schulen wurden die Zettel, auf denen die Zeichnung eines Säuglings zu sehen ist, verteilt. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei der Mutter um ein Mädchen handelt. In einem anderen Fall in Krefeld vor acht Jahren hatte eine 13-Jährige ihr Kind am Rande eines Parks ebenfalls in einer Tüte abgelegt. Unbemerkt von ihrer Familie und dem kompletten Umfeld hatte die Schülerin das Kind ausgetrage, allein in der Wohnung geboren und dort noch zwei Tage untergebracht.

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