Die Fahnder hoffen, mit speziellem Verfahren Silvias Mutter zu finden. Akte bleibt offen.

Ermittlung
Polizisten suchten im März in dem Waldgebiet um den Fundort nach Hinweisen zur Tat.

Polizisten suchten im März in dem Waldgebiet um den Fundort nach Hinweisen zur Tat.

Archiv, A. Bischof

Polizisten suchten im März in dem Waldgebiet um den Fundort nach Hinweisen zur Tat.

Krefeld. Der qualvolle Tod der kleinen Silvia – mit einer aufwendigen Untersuchung versucht die Polizei, der Mutter doch noch auf die Spur zu kommen. Durch ein sogenanntes Isotopengutachten soll nun festgestellt werden, aus welchem Land Mutter beziehungsweise Vater stammen. Allerdings wird das Ergebnis noch einige Zeit auf sich warten lassen: „So etwas dauert Monate“, sagt Polizeisprecher Acor Kniely.

Die kleine Silvia war Anfang März 2014 tot am Rande des Krefelder Südparks in Stahldorf gefunden worden. Der Körper des Neugeborenen lag in einem Müllbeutel, eingewickelt in ein weiß-beigefarbenes Handtuch, in einem kleinen Waldstück fünf Meter abseits eines Fußwegs. Der Hund einer Spaziergängerin (50) hatte die grausige Entdeckung gemacht: Der Dalmatiner legte die nur notdürftig verscharrte Tüte unweit des Wasserwerks am Heideweg frei. Vermutlich lag das Kind dort schon gut zwei Wochen.

Knebel aus Feuchttüchern ist mutmaßliche Todesursache

Untersuchungen der Rechtsmedizin ergaben, dass Silvia – sie erhielt den Namen von Polizeiseelsorger Michael Hack, der das Kind nicht namenlos beerdigen wollte – kurz nach ihrer Geburt erstickt wurde. Gerd Hoppmann, Leiter der Ermittlungskommission, hält es für möglich, dass das Baby unbemerkt etwa in einem heimischen Badezimmer zur Welt kam. An einem Knebel aus Feuchttüchern – möglicherweise sollten diese die Schreie unterbinden – starb das kleine Mädchen, wohl nur wenige Minuten nach der Geburt. Das als Neonatizid bekannte Phänomen, bei dem Mütter ihr Neugeborenes umbringen, ist für die Krefelder Polizei nicht neu: In den vergangenen Jahren beschäftigte es die Ermittler immer wieder. Meist sind es junge Frauen, die ihrer Umwelt die Schwangerschaft verbergen, selbst unter Umständen sogar ausblenden.

Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung legen sie die Körper meist in nicht allzu weiter Entfernung ab – weshalb die Ermittlungskommission in einem Umkreis der Fundstelle alle potenziell infrage kommenden Frauen zu einem Gentest bat.

600 Krefelder Frauen gaben Speichelproben für Gentest ab

Mehr als 600 Speicheltests wurden genommen, der letzte bei einer Krefelderin aufgrund eines Hinweises in der Sendung „Aktenzeichen XY“. Doch keiner stimmte mit dem beim Kind gesicherten „genetischen Fingerabdruck“ überein. „Mittlerweile sind alle ausgewertet“, sagt Kniely. Die Ausweitung der Rasterfahndung etwa auf das ganze Stadtgebiet werde es aber nicht geben: „Das wäre unverhältnismäßig.“

Die meisten chemischen Elemente bestehen aus mehreren verschieden schweren Isotopen. Mit einem modernen Massenspektrometer kann man diese isotopische Zusammensetzung (die Isotopie) genau bestimmen.

Der Großteil der Isotopengutachten in der Rechtsmedizin beantwortet die Frage nach der geografischen Herkunft und den Aufenthaltsorten unbekannter Toter. Die Grundidee der Herkunftszuordnung von Personen mittels Stabilisotopenanalyse liegt in der Beobachtung, dass über Ernährung und Umwelt unterschiedliche Isotopenverhältnisse chemischer Elemente in den Körper eingebaut werden. Menschliche Gewebe zeigen dann ebenso eine bestimmte Isotopensignatur, über die sich Rückschlüsse auf die Ernährungsweise und die geografischen Aufenthaltsorte einer Person ziehen lassen.

Lehn, Christine: Isotopenmethoden in der Forensik. Geografische Herkunftsbestimmung von unbekannten Toten und anderen Materialien SIAK-Journal - Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis.

Mehr Aufschluss erhofft man sich nun durch die Isotopenuntersuchung. Durch diese sind Nachweise der regionalen und klimatischen Herkunft möglich. So kann festgestellt werden, ob ein Kind eher west- oder osteuropäischer Abstammung ist oder asiatischer.

Die Ermittlungsakte wird nicht geschlossen, betont Kniely. Deshalb wird die Bevölkerung weiterhin um Hinweise gebeten. Gesucht wird eine Frau, die schwanger war und jetzt kein Kind hat. Kontakt unter Telefon 02151/63 40.

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