Gefundene Fragmente stammen von einem ehemaligen Friedhof in Hüls. Die Jüdische Gemeinde wünscht sich eine Gedenkstätte.

Steinfragmente könnten Rätsel um jüdischen Friedhof lösen. Experten sind dabei, ihre Herkunft zu überprüfen.
Vor der Errichtung des jüdischen Friedhofs am Strathhof (Foto) gab es bereits eine jüdische Begräbnisstätte in Hüls. Die jetzt gefundenen Grabmale stammen nach neusten Erkenntnissen von dort.

Vor der Errichtung des jüdischen Friedhofs am Strathhof (Foto) gab es bereits eine jüdische Begräbnisstätte in Hüls. Die jetzt gefundenen Grabmale stammen nach neusten Erkenntnissen von dort.

Archiv Bischof

Vor der Errichtung des jüdischen Friedhofs am Strathhof (Foto) gab es bereits eine jüdische Begräbnisstätte in Hüls. Die jetzt gefundenen Grabmale stammen nach neusten Erkenntnissen von dort.

Krefeld. Über ein Dutzend Grabstein-Fragmente wurden in dieser Woche zum jüdischen Friedhof am Strathhof in Hüls gebracht. Es sind die Steine, die nach aufwendigen Recherchen des Hülsers Philip Klug bereits vor Wochen auf einem Grundstück am Hülser Berg gefunden worden waren. Die Fragmente verbleiben jetzt zunächst auf dem Friedhofsgelände, bis ein Steinmetz sie untersucht hat.

Doch auch wenn sich die Verantwortlichen der Unteren Denkmalbehörde bis zum Abschluss dieser Untersuchung mit Aussagen zur Herkunft der Fragmente zurückhalten wollen, ist sich Michael Gilad sicher, dass es sich um Grabsteine von einem ehemaligen jüdischen Friedhof in Hüls handelt. „Auf einem Marmorstück von einem der Grabsteine ist deutlich ein hebräischer Buchstabe zu erkennen. Zudem gibt es einen Zeugen, der die Herkunft der Grabsteine bestätigt“, berichtet der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Eine entsprechende Tonaufnahme spielt er im Beisein der Westdeutschen Zeitung vor. Auf dieser ist die Stimme eines Mannes (Name ist der Redaktion bekannt) zu hören, der berichtet, wie seine ehemaligen Nachbarn ihm gegenüber zugaben, die Steine seien von einem ehemaligen Friedhof in Hüls und wurden zur Befestigung des sumpfigen Bodens verwendet. „Meine Nachbarn baten mich, lange Zeit nicht darüber zu sprechen, weil ihnen die Sache so unangenehm war“, erklärt der Mann. Michael Gilad sagt: „Es gibt keinen Zweifel, es sind Steine von dem ehemaligen Friedhof an der heutigen Klever Straße.“

Ehemaliges Friedhofsgelände könnte zur Gedenkstätte werden

Bei der Stadt gibt man sich derzeit noch deutlich zurückhaltender. „Es gibt Indizien auf eine jüdische Herkunft. Ob es so ist, soll eine Untersuchung definitiv zeigen“, berichtet Stadtsprecher Dirk Senger. Das Thema ist für die jüdische Gemeinde äußerst sensibel, deshalb arbeiten Stadt und Jüdische Gemeinde laut eigener Aussage bei diesem „Projekt“ eng zusammen. Seit geraumer Zeit hätte es aufgrund der Grabsteine eine ganze Reihe von Treffen gegeben. Längst aber sind nicht alle Fragen rund um die gefundenen Fragmente abschließend geklärt.

So könnten laut Stadt die Kosten für die Säuberung und die Untersuchung der Steine durch einen Steinmetz noch nicht beziffert werden. Spätestens bei der Frage nach der Kostenübernahme dürfte die Angelegenheit zum Politikum werden. So sagt auch der Hülser Bezirksvorsteher Hans Butzen: „Es wird noch zu klären sein, wer die Kosten trägt, sollte sich herausstellen, dass es sich um die Grabsteine aus Hüls handelt.“ Michael Gilad sagt: „Für uns zählt die Emotion mehr als das Geld.“ Deshalb liegt den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auch viel daran, dass die Steinfragmente in Hüls an einen geeigneten Ort kommen. Möglicherweise liegt dieser auf dem ehemaligen Friedhofsgelände an der Klever Straße. Eine solche Idee verfolgt auch die Bürgerinitiative Lebenswertes Hüls. Ein Plan, dem Hans Butzen skeptisch gegenübersteht. „Das Gelände gehört Privatpersonen, solch einen Plan kann man nicht einfach schmieden, ohne mit den Leuten gesprochen zu haben“, gibt er zu bedenken.

Dass das Gelände des ehemaligen Friedhofs zumindest in unmittelbarer Nähe zum umstrittenen Bebauungsplan 550 liegt, hält der Hülser Bezirksvorsteher indes nicht für problematisch. „Fakt ist, das Gebiet liegt nicht im Bebauungsplan.“ Das hatte auch bereits Stadtplaner Norbert Hudde in einer Sitzung der Bezirksvertretung Hüls bestätigt.

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