Drei Jahre nach dem Unfall begann der Prozess um einen tödlichen Unfall bei Abrissarbeiten auf dem Helios-Gelände in Krefeld.
Drei Jahre nach dem Unfall begann der Prozess um einen tödlichen Unfall bei Abrissarbeiten auf dem Helios-Gelände in Krefeld.

Drei Jahre nach dem Unfall begann der Prozess um einen tödlichen Unfall bei Abrissarbeiten auf dem Helios-Gelände in Krefeld.

Jochmann, Dirk (dj)

Drei Jahre nach dem Unfall begann der Prozess um einen tödlichen Unfall bei Abrissarbeiten auf dem Helios-Gelände in Krefeld.

Krefeld. Auf den Tag genau heute vor drei Jahren ereignete sich ein tödlicher Unfall bei Abbrucharbeiten auf dem Gelände des Helios-Klinikums. Der damalige Bauleiter (55) und sein Koordinator (64) vor Ort mussten sich gestern wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Um das wahrscheinliche Prozessergebnis vorwegzunehmen: Die Firma will 20 000 Euro als „Beitrag zur Wiedergutmachung“ zahlen, wie es der Anwalt des Bauleiters formulierte, und das Verfahren soll eingestellt werden. Es sei keine Frage, dass sich beide Männer für den Tod ihres Kollegen moralisch verantwortlich fühlten und darunter litten, sagte der Anwalt. Seinem Vorschlag konnten Richterin und Staatsanwältin einiges abgewinnen.

Es gebe zwar „sehr viel Ungeklärtes“, so Richterin Schupp, aber letztlich habe ein Zusammenspiel vieler Ursachen zu dem Unglück geführt. Auf dem kleinen Dienstweg will man sich über diese Lösung verständigen. Andernfalls müssten ein Gutachten und die Aussagen von zwei niederländischen Baggerfahrern, die gestern nicht als Zeugen erschienen, beigebracht werden.

„Es gibt eine Art Baustellenblindheit. Wenn Sie immer auf der Baustelle sind, sehen Sie nichts.“

Ein Statiker als Zeuge

Das Unglück ereignete sich im April 2012: Drei Klinikgebäude, die nur durch Dehnungsfugen miteinander verbunden waren, mussten stufen- und blockweise abgerissen werden. Für die oberen Etagen waren die holländischen Kollegen zuständig, ab Etage fünf unter anderem der Baggerführer, der gestern als Zeuge gehört wurde. Er bemerkte am Unglückstag, dass sich eine Stütze beim Abbruch „nicht normal verhielt“. Beim Blick durch die Dachluke sah er, wie sich die Mauer des Gebäudes „wie in Zeitlupe“ neigte und umstürzte. „Ich habe das gar nicht verstanden.“

Während seine Maschine von herabstürzenden Betonbrocken getroffen wurde, wurde sein Kollege wenige Meter weiter im Führerhaus eingequetscht. Er starb noch am Unfallort. Hätte er gewusst, dass er es mit zwei Wänden und einer Dehnungsfuge zu tun gehabt habe, hätte er die Wand niemals angepackt, betonte der Zeuge. Die Aussage traf den Kern aller Nachfragen von Richterin, Staatsanwältin und Verteidigern: Hätte der Mann von zwei Mauern wissen müssen? Waren die Fakten offenkundig? Haben der Bauleiter und sein Mann vor Ort die Bauarbeiter unzureichend informiert? Hätten sie die Gefahr erkennen müssen?

Endgültige Antworten hatte auch der zweite Zeuge nicht, der als Statiker für den Abriss verantwortlich war. Der Koordinator vor Ort sei davon ausgegangen, dass die zweite Wand weg sei, „da sieht er dann auch keine Dehnungsfuge“. Der Mann ist sich zudem sicher: „Es herrschte ein irrsinniger Druck auf der Baustelle, der ist mitverantwortlich für den Tod des Maschinisten.“

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