244 Millionen Euro will Thyssen-Krupp Nirosta investieren. Trotz kritischer Punkte ist der Zeitplan ehrgeizig.

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Das Gelände von Thyssen-Krupp Nirosta aus der Luft: Entlang der Anrather Straße will das Unternehmen investieren.

Das Gelände von Thyssen-Krupp Nirosta aus der Luft: Entlang der Anrather Straße will das Unternehmen investieren.

Jürgen Brefort

Das Gelände von Thyssen-Krupp Nirosta aus der Luft: Entlang der Anrather Straße will das Unternehmen investieren.

Krefeld. Ob es mit der 244-Millionen-Euro-Investition von Thyssen-Krupp Nirosta (TKN) in Stahldorf klappt, wird sich schon in Kürze entscheiden. Wie Planungsdezernent Thomas Visser der WZ bestätigt, laufen die Gespräche zwischen Stadt, TKN und Bezirksregierung Düsseldorf auf Hochtouren. „Wir schaffen das“, zeigt sich Visser zuversichtlich. Er räumt aber ein, dass mit Blick auf die Belastung der Anwohner noch schwierige Fragen zu klären seien. In jedem Fall sei das Projekt für Krefeld von „überragender Bedeutung“.

TKN will das Edelstahlwerk in Krefeld entlang der Anrather Straße bis 2015 modernisieren und ausbauen. Parallel wird der Standort in Düsseldorf-Benrath geschlossen. Die Hürden für die Investition in Stahldorf liegen hoch, weil es für das Werk keinen Bebauungsplan gibt. Rechtlich ist der Standort bislang nur über den Flächennutzungsplan abgesichert.

Das soll sich ändern. TKN erwartet, dass die Stadt bis Oktober alle notwendigen baurechtlichen Bedingungen schafft. Laut Visser gibt es einen „ehrgeizigen Zeitplan“: Nach dem Planungsausschuss (16.  März) und dem Rat (12. April) folgt die Offenlegung der Unterlagen. Den Beschluss erhofft sich der Beigeordnete in der Ratssitzung am 22. September.

„Bei den Werten für Nickel gibt es in Stahldorf deutliche Überschreitungen.“

Eberhard Jacobs, Sprecher des Landesumweltamtes

Die kritischen Punkte will Visser bis Mitte März mit TKN und der Bezirksregierung klären. Dabei geht es um Lärm und die Luftbelastung durch Nickel und Chrom. Visser: „Bei TKN wird es weder lauter noch schmutziger. Aber es handelt sich um neue Anlagen. Da sind gesetzliche Auflagen strenger als früher.“

Dass die Menschen in Stahldorf skeptisch sind, verwundert nicht. Seit der 2009 vom Landesumweltamt veröffentlichten Chrom-Nickel-Studie wissen sie, dass sich bei ihnen die Schwermetalle in erhöhter Konzentration im Körper nachweisen lassen. Einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Belastungen und häufigen Erkrankungen der Atemwege konnte die Studie aber nicht herstellen.

Belege für Gesundheitsgefahren durch das Edelstahlwerk liefert auch das Krebsregister NRW nicht. Wie Sprecher Ulrich Batzler sagt, gibt es keine Hinweise auf Krebshäufungen in Krefeld.

Dies bestätigt auch Eberhard Jacobs vom NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Er weist allerdings darauf hin, dass die Nickel-Werte in Stahldorf sehr hoch sind.

Laut Jacobs hat die EU für Nickel ab 2013 einen Zielwert von 20 Nanogramm pro Kubikmeter vorgegeben. Mit Werten von 92,6 (2008) und 64,8 (2009) Nanogramm pro Kubikmeter seien nahe des TKN-Werks „deutliche Überschreitungen“ vorhanden.

Ob Thyssen-Krupp Nirosta den Nickel-Zielwert einhalten kann, bleibt offen. Angaben dazu lehnt das Unternehmen derzeit ab. Im Gegensatz zu Grenzwerten, deren Beachtung per Gesetz zwingend vorgeschrieben ist, dürfen Zielwerte in begründeten Fällen überschritten werden.

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