In einem einmaligen Projekt mit der Agentur für Arbeit werden ehemalige Lehrlinge trotz Krise weiter im Werk beschäftigt.

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Christiane Schönefeld und Klaus-Peter Henning sichern den Arbeitsplatz von Stefan Eifler (vorne).

Christiane Schönefeld und Klaus-Peter Henning sichern den Arbeitsplatz von Stefan Eifler (vorne).

Stefan Arend

Christiane Schönefeld und Klaus-Peter Henning sichern den Arbeitsplatz von Stefan Eifler (vorne).

Krefeld. Lehrbrief in der Tasche, aber was dann? Rund 100 000 junge, oftmals hochqualifizierte Fachkräfte aus allen Berufen beenden in diesem Jahr in NRW die Ausbildung. Das Dilemma: Wegen der Wirtschaftskrise können viele Ausbildungsbetriebe die Lehrlinge nicht übernehmen. In einem bundesweit einmaligen Projekt gehen Thyssen-Krupp Nirosta (TKN) und die Agentur für Arbeit neue Wege.

Etwa sechs Jahre dauert es, bis Erfahrung herangereift ist

"Es darf nicht sein, dass junge Fachkräfte als Ungelernte jobben gehen, in minder qualifizierte Tätigkeiten abwandern oder gar durch Arbeitslosigkeit den Anschluss verlieren", beschreibt Christiane Schönefeld die Situation.

Die Chefin der NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Düsseldorf möchte sowohl den jungen Fachkräften eine tragfähige Perspektive geben, als auch den Betrieben für den Fall, dass die Wirtschaft wieder anzieht. "Wir möchten Jugendliche, für deren Ausbildung wir bis zu 80 000 Euro gezahlt haben, an Bord behalten", bekennt der Krefelder Personalvorstand von TKN, Klaus-Peter Hennig.

Es dauere etwa sechs Jahre, bis Erfahrung und Wissen ausreichen, um die technisch hohen Anforderungen an die Edelstahlproduktion zu erfüllen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen einen Pool für 100ausgebildete Mitarbeiter geschaffen. Die Agentur zahlt Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 oder 67 Prozent. TKN stockt diese Bezüge auf 90 Prozent auf.

Die dauerhafte Qualifizierung durch interne und externe Trainer wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert. Die Kurzarbeit ist zunächst auf zwölf Monate befristet. Von den Firmenstandorten in Benrath, Bochum, Dillenburg und Krefeld sind aus dem letzten Ausbildungsjahrgang bereits 54 der 100 Plätze besetzt, davon allein 45 in Krefeld. "Die Krefelder profitieren deshalb in besonderem Maß von dem Projekt, weil hier mit über 2300 Mitarbeitern der größte Standort ist", erläutert TKN-Personaldirektor Lothar Brunner aus Krefeld.

Die Agentur für Arbeit bietet auch anderen Ausbildungsbetrieben an, sich an dem Modell zu beteiligen, um Ausgebildete nicht zu verlieren. Die Agentur sei auch offen für flexibel gestaltete Modelle bei kleineren Betrieben.

Stefan Eifler (23) hat seine Ausbildung als Industriemechaniker bei TKN in Krefeld erfolgreich abgeschlossen. "Ich bin froh, dass mein Vertrag um ein Jahr verlängert wurde und ich jetzt mehr Geld als in der Ausbildung verdiene. Wichtig ist, dass ich nach einem Jahr eine Prüfung ablege und ein Zertifikat als Qualitätstechniker erhalte."

Danach besteht die Möglichkeit, um ein halbes Jahr zu verlängern und das Zertifikat des Qualitätsmanagers zu erwerben. Mit dieser Höherqualifizierung hofft Eifler bis dahin auf eine freie Stelle bei TKN.

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