Thyssen-Krupp Nirosta will das Werk in Stahldorf ausbauen. Stadt und Bezirksregierung müssen Anträge prüfen. Es geht um Lärm und Luftbelastung.

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Noch ist offen, ob die Nirosta-Fertigung an der Anrather oder an der Oberschlesienstraße erweitert wird.

Noch ist offen, ob die Nirosta-Fertigung an der Anrather oder an der Oberschlesienstraße erweitert wird.

Jürgen Brefort/Montage: DJ

Noch ist offen, ob die Nirosta-Fertigung an der Anrather oder an der Oberschlesienstraße erweitert wird.

Krefeld. Thyssen-Krupp Nirosta (TKN) will 244 Millionen Euro in die Verlagerung des Werkes Benrath nach Krefeld investieren. Bis 2015 soll der Standort in Düsseldorf aufgegeben werden. „Klar ist, dass wir dann in Krefeld mehr Mitarbeiter beschäftigen werden. Eine genaue Zahl steht aber noch nicht fest“, sagt Konzernsprecher Erik Walner. Derzeit arbeiten auf dem Nirosta-Gelände im Süden der Stadt 2050 Menschen.

Das Unternehmen bereitet die Unterlagen für die immissionsschutz- und baurechtlichen Genehmigungen vor. Neben der Verlagerung des Walzwerkes von Benrath nach Krefeld sind auch neue Anlagen geplant. Ob an der Anrather oder an der Oberschlesienstraße gebaut wird, ist jedoch noch offen.

„Für die Anwohner in Stahldorf wird es weder lauter noch nimmt die Belastung der Luft zu.“

Verena Schulz-Klemp, Nirosta-Abteilungsdirektorin

„Durch die Ausweitung der Produktion wird es für die Anwohner in Stahldorf weder lauter noch nimmt die Luftbelastung zu“, versichert Verena Schulz-Klemp. Die Abteilungsdirektorin ist bei Nirosta für das Umwelt- und Energiemanagement zuständig. Sie will den Prozess der Erweiterung so transparent wie möglich gestalten und stellte die Firmenpläne gestern Abend in der Bezirksvertretung Fischeln vor.

Beim Thema Lärm muss Nirosta mit der Stadt verhandeln. Schulz-Klemp räumt ein, dass die geplanten Anlagen angesichts der umliegenden Wohnbebauung „nicht so einfach genehmigt werden können.“ Beim Bebauungsplanverfahren gehe es darum, das Werksgelände als Industriegebiet auszuweisen. Damit werde die Grundlage „für die dauerhafte Fortführung der bisherigen Nutzung“ geschaffen. Es gehe dabei auch um Rechtssicherheit für künftige Investitionen. Die Belange der Anwohner habe die Firma immer im Blick.

Bis Oktober hofft TKN auf grünes Licht von der Stadt

Laut TKN wird das Thema in den nächsten Monaten von den politischen Gremien der Stadt behandelt. Zunächst gehe es im März in den Planungsausschuss. Probleme erwartet das Unternehmen nicht. „Wir hoffen bis Oktober auf grünes Licht“, so Schulz-Klemp.

Nirosta fertigt bisher in Krefeld keinen Edelstahl ohne Nickel. Diese sogenannten Ferrite kommen zum Beispiel bei Geschirrspülmaschinen, Wasserleitungen oder Aufzügen zum Einsatz. Das Unternehmen geht bei nickelfreien Werkstoffen von steigender Nachfrage aus.
 

Thyssen-Krupp Nirosta mit Sitz in Krefeld gilt als einer der führenden Hersteller von Edelstahl. Das Unternehmen ist mit mehreren Standorten in Deutschland vertreten und beschäftigt weltweit insgesamt rund 4200 Mitarbeiter, davon derzeit 2050 in Krefeld, 730 in Dillenburg, 535 in Düsseldorf-Benrath und 480 in Bochum.

Der Standort Benrath wird bis 2015 aufgegeben und nach Krefeld verlagert. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nach Firmenangaben nicht geben. Jeder Mitarbeiter, der nicht über Ruhestand oder Altersteilzeit ausscheidet, findet im Krefelder Werk einen Arbeitsplatz, so Thyssen-Krupp-Sprecher Erik Walner.
 

Das Gelände in Benrath will Nirosta sanieren und „als grüne Wiese vermarkten“. Da der Bedarf in Düsseldorf groß sei, kann sich der Konzern auf dem Gelände eine Wohnbebauung vorstellen.
 

Die Prüfung der Luftbelastung sei Sache der Bezirksregierung in Düsseldorf, erläutert die Managerin. Es gehe um Stickoxid (NOX) und Nickel. „Da die Emissionen trotz einer Ausweitung der Produktion nicht zunehmen, erwarten wir auch hier keine Schwierigkeiten“, so die Abteilungsdirektorin.

Edelstahlsparte arbeitet seit Jahren mit Verlust

Die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp arbeitet seit Jahren mit Verlust. Um Kosten zu sparen, soll die Logistik verbessert werden. Zu den Nachteilen des Betriebes in Benrath gehört es, dass dort keine Brammen (Vormaterial für Bleche und Bänder) produziert werden können. Sie müssen deshalb per Zug oder Bahn aus anderen TKN-Standorten nach Düsseldorf transportiert werden.

Konzernsprecher Walner betont, dass die Edelstahlsparte durch die Stärkung des Werkes in Krefeld flexibler werde. Künftig könnten hier Stähle in allen Güteklassen hergestellt werden. In Krefeld werden bisher nickelhaltige, sogenannte austenitische Werkstoffe für Fassaden, Lebensmittel-Behälter und die Chemieindustrie hergestellt.

Wie viele Mitarbeiter aus Benrath in Krefeld einen Arbeitsplatz finden werden, lässt sich nach Firmenangaben noch nicht genau sagen. Personalvorstand Klaus-Peter Hennig hatte die Zahl im Dezember vergangenen Jahres mit rund 200 beziffert. In Krefeld würden weit über 100 Beschäftigte in Vorruhestand oder Altersteilzeit gehen.

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