Das Haus soll sparen – aber nicht an der Kunst. Der Rotstift trifft andere Bereiche.

„Das Theater gefährdet sich selbst“, meint die CDU. Dann ginge es ihm wie Schauspieler Sven Seeburg, der sich im aktuellen Stück „Terrorprogramm“ die Pistole an den eigenen Kopf setzt.
„Das Theater gefährdet sich selbst“, meint die CDU. Dann ginge es ihm wie Schauspieler Sven Seeburg, der sich im aktuellen Stück „Terrorprogramm“ die Pistole an den eigenen Kopf setzt.

„Das Theater gefährdet sich selbst“, meint die CDU. Dann ginge es ihm wie Schauspieler Sven Seeburg, der sich im aktuellen Stück „Terrorprogramm“ die Pistole an den eigenen Kopf setzt.

Matthias Stutte

„Das Theater gefährdet sich selbst“, meint die CDU. Dann ginge es ihm wie Schauspieler Sven Seeburg, der sich im aktuellen Stück „Terrorprogramm“ die Pistole an den eigenen Kopf setzt.

Krefeld. Für die CDU ist klar: Nicht Finanzprobleme bringen das Theater in Gefahr, sondern "Untergangsstimmung", "Palaver" und "Horrorvisionen". "Das Theater gefährdet sich selbst", sagt die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, Ingeborg Müllers. "Wer sein Haus so schlecht redet, setzt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in Gang."

Müllers und ihr Kollege Hans-Peter Kreuzberg wollen "ein Ende des Sturms", und deshalb haben sie sich nun selbst hingesetzt und den Etat durchgerechnet, mit Hilfe von "Theater- und Finanzexperten", deren Namen sie nicht nennen wollen.

Noch in diesem Jahr sollen die Eintrittspreise steigen

Herausgekommen ist ein Vorschlag, mit dem das Theater in der kommenden Spielzeit 470 000 Euro sparen soll - und zwar nicht im künstlerischen Bereich. "Die Gästehonorare, die Mittel für Ausstattung und sämtliche anderen Produktionskosten bleiben in diesem Modell unangetastet", beteuert Kreuzberg.

Den Rotstift möchte die CDU stattdessen an drei anderen Stellen ansetzen: So soll der Werbe-Etat um mehr als die Hälfte auf 150 000 Euro gekürzt werden. Die Ausgaben für Reisen, Telefon, Porto und Ähnliches sollen um 50 000 Euro sinken. Und die Erneuerung der Datenverarbeitung, die 200 000 Euro kosten sollte, wird verschoben. Die Finanzlücke würde sich dadurch von 600 000 auf 130 000 Euro reduzieren.

Generalintendant Jens Pesel war zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen. Für ihn sind ohne zusätzliches Geld künstlerische Einschnitte in der nächsten Spielzeit unvermeidbar. Das will die CDU nicht wahrhaben und wirft Pesel mangelnde Kompromissbereitschaft vor. "Er will in seiner letzten Spielzeit wohl noch einmal ein Feuerwerk abbrennen", vermutet Kreuzberg. "Nach unserer Berechnung lassen sich eindeutig mehr Stücke produzieren als in Pesels Horrorszenario."

Die Theaterfreunde warnen für die nächste Spielzeit vor "drastischen Kürzungen im künstlerischen Bereich". Den Vereinigten Bühnen drohe ein "Tod auf Raten". Es entstehe ein "Theater auf Provinzniveau".

Die Bürger sollen zeigen, dass sie das Theater in der bisherigen Qualität erhalten wollen. Bei einer Kundgebung am nächsten Donnerstag, 5. Februar, 17 Uhr reden auf dem Theaterplatz unter anderem Kabarettist Jochen Butz, Pappkopp Matthes und Mitglieder des Ensembles. Um 18 Uhr beginnt die Ratssitzung im Seidenweberhaus.

Dennoch bleibt ein Restrisiko. Die Einnahmen lassen sich nicht exakt vorhersagen, zumal die Gladbacher demnächst in den Nordpark fahren müssen, um Theater zu erleben. "Dieses Risiko müssen wir mit Mut eingehen", sagt Kreuzberg. "Und notfalls im Nachhinein etwas tun."

Auch mit der mittelfristigen Planung der Theaterfinanzen will die CDU sich bald beschäftigen, um dem neuen Intendanten Michael Grosse Planungssicherheit zu geben. Das Actori-Gutachten, das nächsten Dienstag vorgestellt wird, soll dabei helfen. Auch will die CDU im frisch sanierten Krefelder Stadtheater "maßvoll" die Preise erhöhen.

Doch trotz aller Beteuerungen: Für Theatermacher und Theaterfreunde ist die Krise noch nicht ausgestanden. Sie rufen für nächsten Donnerstag zur Protestkundgebung (siehe Kasten).

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer