Seit dem 1. Januar ist der Intendant Michael Grosse als Geschäftsführer auch für die finanziellen Belange zuständig.

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„Die Liebe zu den drei Orangen“ gibt’s im Theater zu populären Preisen – noch. Archiv

„Die Liebe zu den drei Orangen“ gibt’s im Theater zu populären Preisen – noch. Archiv

Intendant und Geschäftsführer in einer Person: Michael Grosse. (DJ)

Matthias Stutte, Bild 1 von 2

„Die Liebe zu den drei Orangen“ gibt’s im Theater zu populären Preisen – noch. Archiv

Krefeld. Manchmal klingt Michael Grosse wie ein Fußballtrainer vor dem entscheidenden Saisonspiel. „Ich spüre positiven Druck“, sagt der Intendant des Theaters Krefeld-Mönchengladbach, der seit 1. Januar auch Geschäftsführer einer gemeinnützigen GmbH ist.

Die neue Rechtsform bringt zurzeit vor allem Papierkram mit sich: Kostenstellen, Handelsregistereintrag, konstituierende Sitzungen, Geschäftsordnung. Neues Briefpapier wird gedruckt. Alles ziemlich unsexy für ein Theater. „Es sind viele Regularien“, gesteht Grosse. „Aber ich empfinde das nicht als negativ.“ Erfahrung mit der bürokratischen Seite seines Jobs hat er ja. 14 Jahre war er Geschäftsführer in Altenburg/Gera und Schleswig-Holstein.

Der Druck, den er meint, ist vor allem finanzieller Natur. Eine Million Euro muss die GmbH bis 2015 erwirtschaften, sonst gehen alle schönen Pläne nicht auf. Die Städte geben pro Jahr 25 Millionen Euro an Zuschüssen, eine Steigerung ist nicht vorgesehen. Grosse muss selbst zusehen, dass er jährliche Tariferhöhungen und sonstige Kostensteigerungen auffängt.

Zwei Instrumente hat der Intendant dafür. Zum einen die Eintrittspreise. „Sie werden wahrscheinlich steigen“, sagt Grosse. In Krefeld sogar zweimal: Zur kommenden Spielzeit soll es eine Angleichung an die Gladbacher Tarife geben, die etwas höher liegen. Und 2012/13 soll dann eine echte Erhöhung kommen, wohl im Bereich von 10 bis 15 Prozent. „Unsere derzeitigen Preise sind recht niedrig, man möchte sagen: populär. Vergleichen Sie das mal mit Kinokarten.“

Im Bereich des Sponsorensuche fehlen noch die Erfahrungen

Das zweite Instrument ist das Einwerben von Sponsoren. Das Theater hat dafür einen professionellen externen Fundraiser angeheuert. Prognosen, wie viel er reinholen könnte, wagt Grosse nicht: „In diesem Bereich fehlen uns die Erfahrungen. Aber Fundraising muss neben Zuschüssen und Ticketverkäufen eine verlässliche dritte Säule für uns werden. Davon hängen Wohl und Wehe dieses Theaters ab.“

Die Städte stellen der Theater-GmbH pro Jahr rund 25 Millionen Euro zur Verfügung. Rund 12,8 Millionen kommen aus Gladbach, 12,2 Millionen aus Krefeld. Die Differenz begründet der stellvertretende Geschäftsführer Michael Magyar mit unterschiedlich großen Häusern. In Gladbach wird mehr Personal benötigt.

Jede Stadt zahlt rund 11,5 Millionen Euro Betriebszuschüsse. Dieses Geld ist auch zuvor geflossen, als das Theater noch Gesellschaft bürgerlichen Rechts war. Hinzu kommen nun 1,3 Millionen Euro (Gladbach) bzw. 750 000 Euro (Krefeld) für den Unterhalt der Häuser. 51.000 Euro zahlen die Städte jeweils für die Aufwendungen der GmbH, etwa die jährliche Wirtschaftsprüfung.

Sollte es Probleme geben, etwa weil zu wenig erwirtschaftet wird oder die Tarifsteigerungen höher als zwei Prozent ausfallen, wird auch ein Haustarifvertrag wieder ein Thema. „Wir wollen das möglichst verhindern“, sagt der Intendant. Aber ausschließen kann er einen solchen Schritt nicht.

Entscheidend wird auch die Frage, wie das Publikum mitzieht. „Wir werden die komplette Service-Situation für unsere Kunden verbessern“, verspricht Grosse. „Die Leute werden merken, dass wir das jetzt selbst in der Hand nehmen.“ Er meint unter anderem die Kassen-Öffnungszeiten: „Es ist nicht sinnvoll, ausgerechnet zur Mittagszeit zu schließen“, sagt Grosse. Bauliche Veränderungen an der veralteten Kassensituation schließt Grosse zunächst aus: „Zu teuer.“

Das Theater hat nun auch die Freiheit, spezielle Abo-Pakete aufzulegen oder Sonderaktionen zu starten. „Auf diesem Feld kann man allerdings auch viele Fehler machen“, erklärt Grosse. „Restkartenverkäufe für Schnäppchenjäger sind immer eine Ohrfeige fürs Stammpublikum.“

Und gerade das wird Grosse brauchen in seinem Kampf gegen den Abstieg: „Einen Substanzverlust wollen wir auf jeden Fall vermeiden“, sagt der Geschäftsführer. „Und das allein wird eine immense Kraftanstrengung.“

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