Analyse: Bis Ende März entscheidet sich die Zukunft des Theaters. Wollen die Städte das Niveau halten, müssen sie künftig mehr Geld geben.

Die Bürger in Krefeld und Mönchengladbach haben Anfang Februar bei Kundgebungen gezeigt, dass sie zu ihrem Theater stehen.
Die Bürger in Krefeld und Mönchengladbach haben Anfang Februar bei Kundgebungen gezeigt, dass sie zu ihrem Theater stehen.

Die Bürger in Krefeld und Mönchengladbach haben Anfang Februar bei Kundgebungen gezeigt, dass sie zu ihrem Theater stehen.

D. Jochmann, H. Siemes

Die Bürger in Krefeld und Mönchengladbach haben Anfang Februar bei Kundgebungen gezeigt, dass sie zu ihrem Theater stehen.

Krefeld. Die Fakten liegen auf dem Tisch: Wie die Vereinigten Städtischen Bühnen (VSB) fit für die Zukunft werden, hat die Unternehmensberatung Actori auf 21 schlanken Seiten erläutert. Bis Ende März will die Politik die vier Szenarien des Gutachtens diskutieren und einen langfristigen Plan für das Gemeinschaftstheater entwickeln.

Bei der Planung ist Eile geboten

Actori sagt ganz klar: Bis Sommer 2009 müssen die Weichen gestellt sein, sonst sind die Sparvorschläge obsolet. Der künftige Intendant Michael Grosse hat zudem Planungssicherheit gefordert - er muss wissen, wie viel Geld er zur Verfügung hat. Auch die Politik dürfte kein Interesse haben, jedes Jahr eine monatelange Hängepartie zu erleben, wie es beim aktuellen Haushalt passiert ist.

Szenario 1: Bessere interne Abläufe

Bei Szenario 1 geht es um Verbesserungen bei der internen Organisation. Actori mahnt klare Budget-Verantwortlichkeiten und ein effizienteres Controlling an. Aufgaben im Bereich Gebäudeunterhalt und Besucherservice, die bisher die Städte übernehmen, sollen auf die VSB übergehen. Dazu müsste in die EDV investiert werden, doch die Kosten sänken mittelfristig um 400 000 Euro.

Szenario 2: Mehr Service & Werbung

Szenario 2 geht davon aus, dass sich die Einnahmen erhöhen lassen. Dazu müssten die Eintrittspreise steigen, besonders für Abos und Gruppenkarten. Durch gezieltere Werbung und besseren Service an der Theaterkasse und im Internet ließen sich auch mehr Einzeltickets verkaufen. Actori hält auch höhere Sponsoring-Einnahmen für möglich. Auf der Ausgabenseite soll es bei den Transportkosten und in den Werkstätten Potenzial geben. Bei Chor und Orchester könnten sechs Stellen wegfallen. Trotz der Investitionen in Marketing und Vertrieb liegt das jährliche Einsparpotenzial bei 686 000 Euro.

Szenario 3: Mehr Vorstellungen

Durch Szenario 3 erhöht sich der Output des Musiktheaters um 16 Vorstellungen pro Jahr. Dadurch könnten die gefährdeten Stellen bei Chor und Orchester teilweise erhalten bleiben. Gespart werden so insgesamt nur 11 000 Euro.

Trotzdem muss der Zuschuss steigen

Die Unternehmensberatung hat ihr Gutachten zum Theater Anfang Februar bei Belegschaft und Politik präsentiert.

Am Montag gab es einen Workshop mit Politik, Verwaltung und Theaterleuten. Bis Ende März beraten die Fraktionen.

Mit allen drei Szenarien sparen die Städte jährlich 1,1 Millionen Euro. Durch höhere Energie- und Personalkosten müsste der Zuschuss ans Theater dennoch auf mehr als 12 Millionen Euro pro Stadt steigen (jetzt: 11 Millionen).

Szenario 4: Tiefe Einschnitte

Szenario 4 greift nur, wenn die Städte ihre Zuschüsse nicht erhöhen wollen. In diesem Fall drohen tiefe Einschnitte: Die Ballettsparte schließt, die Sinfoniker werden ein C-Orchester, 36 Vorstellungen fallen weg. Am Theater würden 60 der 450 Jobs gestrichen. Künstlerisch fürchtet Actori für die VSB eine "Abwärtsspirale" mit sinkendem Renommee und weniger Einnahmen. Das scheint die Politik abzuschrecken. Momentan scheint Szenario 4 keine Option zu sein.

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