Das Museum in Linn hat bundesweite Bedeutung – doch einen neuen Direktor zu finden, ist schwierig. Nach zwei blamablen Absagen stellt sich die Frage: Macht die Stadt das Haus kaputt?

Die fröhlichen Zeiten sind vorbei: Die ehemalige Leiterin Brigitte Tietzel in der farbenprächtigen Schau mit Sommerkleidern. (Archiv
Die fröhlichen Zeiten sind vorbei: Die ehemalige Leiterin Brigitte Tietzel in der farbenprächtigen Schau mit Sommerkleidern. (Archiv

Die fröhlichen Zeiten sind vorbei: Die ehemalige Leiterin Brigitte Tietzel in der farbenprächtigen Schau mit Sommerkleidern. (Archiv

A. Bischof

Die fröhlichen Zeiten sind vorbei: Die ehemalige Leiterin Brigitte Tietzel in der farbenprächtigen Schau mit Sommerkleidern. (Archiv

Krefeld. Direktor des Deutschen Textilmuseums - kein schlechter Titel. Ein bundesweit anerkanntes Haus mit einer einmaligen Sammlung seltener Textilien zu führen, und das auch noch in der selbsternannten "Stadt wie Samt und Seide", sollte eigentlich ein begehrter Job sein.

"Ich bin entsetzt und unglücklich."

Brigitte Tietzel, ehemalige Direktorin des Textilmuseums

Doch nun sind schon zwei bereits ausgewählte Bewerber kurzfristig abgesprungen. Zunächst gab im August Jutta Desel vom Museum Abtei Liesborn in Westfalen der Stadt ohne Angabe von Gründen einen Korb. Nun hat auch Patricia Brattig vom Museum für Angewandte Kunst in Köln schriftlich abgesagt (die WZ berichtete).

Beide hatten zuvor ein aufwändiges Bewerbungsverfahren durchlaufen, beide hatten mündlich zugesagt. Woher kam der Sinneswandel?

Brattig hat ihre Gründe in einem Brief benannt. Nach WZ-Informationen fühlte sie sich von der Stadt falsch informiert, weil ihr Etat deutlich niedriger ausfiel als angekündigt. Aufgrund der Einsparungen, die im kommenden Jahr im Textilmuseum beabsichtigt sind, schien ihr ein sinnvolles Arbeiten nicht möglich. Sie zog zurück.

Dabei scheint die Kandidatin keineswegs naiv an ihre Aufgabe herangegangen zu sein. Sie hat sich vor Ort in Linn informiert und dabei auch von den beschränkten Mitteln erfahren, mit denen das Haus arbeitet. Sie war vorgewarnt, aber offenbar keineswegs abgeschreckt.

Im Deutschen Textilmuseum ist eine der weltweit wichtigsten Sammlungen kostbarer Kleider und Textilien beheimatet. Sie umfasst 25000 Objekte von der Antike bis zur Gegenwart.

Die Sammlung hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Sie diente als Lehr- und Studienmaterial für die Mitarbeiter der Krefelder Textilbetriebe. 1880 entstand daraus die Königliche Gewebesammlung. Seit 1936 gehört sie der Stadt. Das Museum existiert seit 1975.

Eine Dauerausstellung ist wegen der geringen Fläche nicht möglich. Es gibt wechselnde Schauen.

Danach muss es, das geht indirekt aus dem Brief hervor, ein weiteres Gespräch gegeben haben - mit wem, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat Brattig dabei offenbar jene Fakten erfahren, die aus einer reizvollen Aufgabe für sie ein leidiges Unterfangen machten. Sie selbst war für Anfragen am Donnerstag nicht erreichbar.

Was sie abschreckte, wird dennoch klar, wenn man die Zahlen studiert. Laut Haushaltsplanentwurf soll der Ausstellungsetat für das Textilmuseum im Jahr 2011 auf 16.000 Euro sinken.

Innerhalb von zehn Jahren ist das fast eine Halbierung. Dabei sind schon die 30000 Euro, die 2001 zur Verfügung standen, äußerst knapp bemessen.

Beim Personal soll es ebenfalls Einschnitte geben

Hinzu kommen Einsparungen beim Personal. Da die Verwaltung der Linner Museen zusammengelegt werden soll, fallen vier Jobs weg - und es sind nicht die ersten. Laut Stadt hat das Textilmuseum zwar seit 2002 unverändert 13 Stellen zur Verfügung.

Doch zuvor ist nach Auskunft der früheren Leiterin Brigitte Tietzel in verschiedenen Bereichen kräftig gestrichen worden. Was nun mit ihrer Nachfolge passiert, verfolgt sie "entsetzt und unglücklich". Auch Kulturdezernent Roland Schneider gibt zu: "Ich mache mir Sorgen um den Ruf des Museums."

Die oft vorschnell benutzte Wendung vom "Kaputtsparen" könnte hier eine wörtliche Bedeutung bekommen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer