Nicht nur Anrufer, auch die zu Hilfe Eilenden können geortet werden: Die Ausstattung der Rettungswagen geht über normale Navigationsgeräte hinaus.

Krefeld. Herzstillstand - jetzt zählt jede Sekunde. Andreas Klos und Markus Mertens von der Krefelder Berufsfeuerwehr sind deshalb immer auf der Suche nach Möglichkeiten, wie mit technischer Unterstützung die Einsatzzeiten weiter verkürzt werden können. Eine ist in den vergangenen Monaten mit Erfolg erprobt worden: Die Ortung der eigenen Fahrzeuge mit GPS und die automatische Übertragung von Daten auf Geräte in den Rettungswagen und Notarztfahrzeugen. "Am 1. Dezember können wir mit dem regulären Betrieb beginnen", sagt Klos.

Zum Einsatzbeginn ist bereits alles an Bord

Wenn die digitalen Piepser der Retter Alarm schlagen und sie zu ihren Fahrzeugen eilen, dann ist das Navigationsgerät bereits vom Einsatzrechner der Leitstelle mit allen Daten versorgt. "Die Besatzung sieht ein Briefsymbol im Display und muss dieses nur noch quittieren", erläutert Klos.

Eine zeitraubende Eingabe entfällt. Auch sensible Angaben zu Patienten, die bislang auf dem (nicht abhörsicheren) Behördenfunk weitergegeben wurden, werden nun verschlüsselt übertragen. "Vom Krankheitsbild bis zur Rufnummer des Patienten wird alles angegeben. Er kann bei Unklarheiten direkt aus dem Rettungswagen angerufen werden. Bislang war dies immer auf dem Umweg über die Leitstelle erforderlich", sagt der Brandamtmann.

Weitere Neuerung: In der Leitstelle wird jetzt immer die exakte Position der Fahrzeuge angezeigt. Dadurch weiß der Einsatzleitrechner sofort, wo sich der nächst gelegene Wagen befindet. Beispielsweise kann der Rettungswagen aus Linn gerade einsatzbereit in der Innenstadt sein und viel schneller einen Patienten erreichen, als das örtlich zuständige Fahrzeug. "Die Kollegen in der Leitstelle müssen dennoch immer noch jeden Einzelfall entscheiden", sagt Klos. Wenn der Zeitvorteil nur sehr gering ist, kann es wichtiger sein, dass der Rettungswagen wieder zu seiner Standort zurückfährt, damit dieser Teil des Stadtgebietes wieder versorgt ist.

Ein weiterer Vorteil der GPS-Navigation: Da die Leitstelle mittlerweile auch Handyanrufer orten kann, ist es möglich, am Bildschirm Anrufer und Rettungswagen punktgenau zusammenzuführen. "Das kann in Gebieten wie dem Hülser Berg oder am Elfrather See sehr wichtig sein", sagt Andreas Klos.

GPS ist die Abkürzung für Global Positioning System. Hierbei handelt es sich um ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung, das vom US-Verteidigungsministerium entwickelt wurde. Fast alle Navigationsgeräte beispielsweise in Autos nutzen GPS zur Anzeige der genauen Position in einer Karte.

Auch Mobiltelefone, die über die entsprechende Ausstattung verfügungen, können via GPS auf den Meter genau geortet werden - in Notfällen kann das sehr hilfreich sein.

Nicht immer seien alle Kollegen ortskundig; ihnen werde die Arbeit somit wesentlich erleichtert. Schon bisher diente das Navigationsgerät dazu, das Ziel schneller zu finden. "Die grobe Anfahrt von der Wache aus kennen wir. Vor Ort die Hausnummer zu finden, wird durch die Technik aber doch oft erleichtert", so Klos. Insbesondere dann, wenn kleine Straßen sehr verwinkelt sind oder noch Stichwege haben.

Dass Datenübertragung und Ortung reibungslos funktionieren, dafür sorgt eine Speditionssoftware, die im Hintergrund der Feuerwehr-Computers läuft. Vorerst verwaltet es nur die Rettungsdienst-Fahrzeuge - aber damit auch die Wagen von Maltesern und Rotem Kreuz. Noch Zukunftsmusik ist, dass auch Fahrzeuge auswärtiger Retter am Bildschirm erscheinen. Da die Leitstellen am Niederrhein die gleiche Computer-Software haben, muss es aber keine bleiben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer