Auf Schnee und Eis kann auch eine Droschken-Tour zum reinen Abenteuer werden. Ein Beispiel.

Winter in krefeld
Fahrgast macht steckengebliebenes Taxi flott – die Szene ist nachgestellt. Am Tag und nicht, wie passiert, in der Nacht.

Fahrgast macht steckengebliebenes Taxi flott – die Szene ist nachgestellt. Am Tag und nicht, wie passiert, in der Nacht.

Andreas Bischof

Fahrgast macht steckengebliebenes Taxi flott – die Szene ist nachgestellt. Am Tag und nicht, wie passiert, in der Nacht.

Krefeld. 21.15 Uhr, das Essen für die Gäste eines Traarer Restaurants ist fertig, der Koch hat Feierabend und möchte nach Hause, um mit seiner Familie Weihnachten zu feiern. Tatsächlich, das angeforderte Taxi steht vor der Tür, was an diesem Heiligabend keine Selbstverständlichkeit ist.

Um Kunden keine unhaltbaren Versprechungen zu machen, wird an diesem Abend in der Zentrale am Moltkeplatz nicht jeder Anruf angenommen. Ein Fahrer, dessen Handynummer einem kleinen Personenkreis bekannt ist, erzählt, die Mitarbeiter in der Zentrale würden selber feiern und deshalb den Hörer nicht abnehmen. „Blödsinn“, sagt Dirk Gleixner, Taxiunternehmer und Vorsitzender des Krefelder Funktaxi-Besitzervereins, zu dem Gerücht.

Der Koch aus dem Traarer Restaurant wohnt in Moers und zahlt üblicherweise 13,70 Euro für die Tour. Er und der dem Anschein nach über 60-jährige Fahrer streiten über die Strecke. Auf einem gesperrten Weg bleibt das Taxi im Schnee stecken. Das Taxameter läuft weiter, der Fahrer macht keine Anstalten auszusteigen. Vielmehr fordert er seinen Fahrgast auf, das Kehrblech in die Hand zu nehmen und den Wagen freizuschaufeln. Er selbst könne das nicht, er habe „Rücken“ oder so.

Zweieinviertel Stunden von Traar nach Moers unterwegs

Nun ist der Koch ein netter, findet jedenfalls sein Chef. Auf die Idee, Taxi samt Fahrer in der eisigen Einöde stehen zu lassen und die fünf oder sechs Kilometer zu Fuß zu gehen, kommt der Koch nicht. Er bittet den Fahrer, die Uhr bei 13,70 Euro abzustellen. Er schaufelt und schaufelt und irgendwann greifen die Hinterräder wieder. „Bringen Sie mich heim. Ich zahle auch 20 Euro“, fleht der Koch. Das Taxi setzt sich in Bewegung, um kurz darauf noch einmal steckenzubleiben. Wieder schaufelt nur der Fahrgast. Um 23.30 Uhr, zweieinviertel Stunden nach der Abfahrt, trifft der Koch daheim ein.

Am Montag löst sich die Angelegenheit auf. Über Zentrale und Taxi-Unternehmer wird der Fahrer ermittelt. Der bestätigt den Sachverhalt prinzipiell. Dem Gastronomen wird versprochen, dass der Fahrer die 6,30 Euro Restgeld am Restaurant abliefert, was bis Dienstag 18 Uhr noch nicht geschehen war. Der schippende Kunde macht derweil die Runde bei den Taxifahrern.

Das erste Taxi ist in Krefeld 1906 in Dienst gestellt worden – um die preußischen Tanzhusaren zu ihren Damen nach Düsseldorf zu bringen. Die erste Motor-Droschke war ein Opel.

In Krefeld gibt es zahlreiche Taxi-Unternehmer. Die meisten gehören zur Zentrale des Funktaxi-Besitzervereins Moltkeplatz, andere leben von Stammkunden.

2004 hat der Funktaxi-Besitzerverein die Zahl der Fahrer von 184 auf 157 reduziert: Das bringt den Wagenbesitzern mehr Geld.

Dirk Gleixner räumt ein, dass „auch wir unter dem widrigen Wetter leiden“. Er ist am Morgen des Heiligen Abends selbst vor der Zentrale in einer Parkbucht stecken geblieben.

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