Nistplätze verschwinden, wenn Vögeln eine betreute Unterkunft angeboten wird.

Nabu
In Düsseldorf gibt es seit Jahren betreute Taubenschläge, unter anderem auf dem Parkhaus am Berta-von-Suttner-Platz.

In Düsseldorf gibt es seit Jahren betreute Taubenschläge, unter anderem auf dem Parkhaus am Berta-von-Suttner-Platz.

Archiv B. Naninga

In Düsseldorf gibt es seit Jahren betreute Taubenschläge, unter anderem auf dem Parkhaus am Berta-von-Suttner-Platz.

Krefeld. Tauben verzaubern die Menschen bei Shows und zu Hochzeiten. Sie sind Symbol für den Heiligen Geist, für Frieden und reine Liebe. Doch in der Stadt sind sie für viele eine lästige Plage. Sie fliegen und laufen überall rum, verdrecken Häuserfassaden und Durchgänge. Deshalb werden sie verbotenerweise vergiftet oder mit Nagelketten und Netzen am Nisten gehindert. Ohne spürbaren Erfolg. „Dabei gibt es eine einfache Lösung“, sagt Natascha Steiger vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Ihr Vorschlag lautet: Betreute Taubenschläge.

In 50 deutschen Städten gibt es das „Stadttauben-Management“ bereits. Neben Düsseldorf und Moers auch in Krefeld. „In eigens eingerichteten und betreuten Taubenschlägen können die Tiere gezielt angesiedelt, direkt kontrolliert und ihr Bestand reguliert werden“, erklärt die Krefelderin, die in der Krefelder Ortsgruppe des Nabu vorwiegend für Amphibienschutz zuständig ist. Dennoch ist ihr das Schicksal der als „Ratten der Lüfte“ verunglimpften Vögel nicht egal.

In den Boxen werden die Eier gegen Attrappen ausgetauscht

„Wenn Taubenschläge alle Idealvoraussetzungen erfüllen, ziehen die Tauben dorthin um“, betont Natascha Steiger. Da Tauben von Natur aus eher bequem sind, zögen sie sich zu 80 Prozent des Tages dorthin zurück, paarten sich und brüteten dort auf ihren Eiern. Diese Eier würden regelmäßig, ohne dass die Tiere es bemerken, gegen Attrappen aus Gips oder Plastik ausgetauscht.

Diese Maßnahmen zeigen laut der Naturschützerin Erfolg: „Durch diese gesteuerte Geburtenkontrolle wird die Population gestoppt.“

„Das wäre eine Lösung für das Horten-Haus.“

Natascha Steiger

Die verwilderten Nachkommen der seit Jahrtausenden domestizierten Felsentauben bevölkern heute gemeinsam mit verirrten Brieftauben die Innenstädte. Sie sind Höhlenbrüter im Gegensatz zu den Ringel- tauben, die auf dem Land leben und in Bäumen brüten.

Tauben setzen pro Tier etwa zehn Kilogramm Kot im Jahr ab. Der kann im Schlag entsorgt werden.

In Düsseldorf existieren fünf aktive Schläge und vier betreute Brücken. Im Durchschnitt wurden dort bisher 3800 Eier pro Jahr ausgetauscht. Einige Brennpunkte sind deshalb bald entschärft.

Verschiedene Modellprojekte in NRW belegen, dass dadurch in wenigen Jahren der Taubenbestand um ein Drittel reduziert werden kann, die Verschmutzungen in der Stadt deutlich zurückgehen und durch die artgerechte Fütterung mit Körnern und die medizinische Kontrolle eine kleine, gesunde Population entsteht. Zum Wohle der Bevölkerung, deren gesundheitliche Gefährdung schwindet.

Wo in Krefeld bereits Taubenschläge sind, wird nicht verraten. „Es gibt immer wieder Drohanrufe“, nennt Natascha Steiger Gründe dafür. Das wollen beteiligte große Firmen ebenso wie Hauseigentümer vermeiden. So wie der Vermieter einer Krefelder Wohnsiedlung. Einzelne Anwohner hatten Tauben durch regelmäßige Fütterung angelockt. Die vermehrten sich rasant und wurden rasch zur Plage für alle. Andere Mieter und Eigentümer beschwerten sich.

Gemeinsam suchten sie Hilfe bei der Initiative „Stadttauben NRW“. Inzwischen ist auf dem Flachdach des am stärksten mit Tauben befallenen Gebäudes ein Taubenschlag aufgebaut worden. Der hat eine Größe von vier mal zwei Meter, ist angelehnt und verankert an einer massiven Wand auf dem Dach.

Zum Anlocken der Stadttauben wurden fünf beringte Jungtauben in den Taubenschlag gesetzt. Gleichzeitig wurde vor dem Verschlag gefüttert. Das klappte hervorragend. Die von dem „Futterangebot“ angetanen Tauben erkundeten schon bald das Heim ihrer beringten Artgenossen, und als die Türen für alle Vögel geöffnet wurden, zogen sie kurzerhand ein.

In der Krefelder Siedlung dürfte das Problem bald gelöst sein

Nach einigen Wochen hat sich die regelmäßig Fütterung und der geschützte Nistplatz unter den Tieren „rumgesprochen“. Das Taubenproblem dürfte sich in der Siedlung in nächster Zeit erledigt haben. Zumal auch neue Tauben sich naturgemäß dem Schwarm auf dem Dach anschließen, ohne eine eigene neue Population zu bilden.

„Das wäre doch auch eine gute Lösung für die Innenstadt, vor allem im Hinblick auf das alte Horten-Gebäude und das neue P&C-Haus“, regt Natascha Steiger an. Und statt verbotenerweise Tauben in der Stadt zu füttern, sollten diejenigen lieber das Projekt Taubenschläge in Krefeld unterstützten.

Leserkommentare (6)


() Registrierte Nutzer