Analyse: Nächste Woche hat die Politik die letzte Chance, die kommende Spielzeit noch zu retten.

Bereits Anfang Dezember demonstrierten hunderte Krefelder vor dem Rathaus gegen Einsparungen beim Theater. Nächste Woche soll es vor den Ratssitzungen in Krefeld und Mönchengladbach erneut Proteste geben. (Archiv
Bereits Anfang Dezember demonstrierten hunderte Krefelder vor dem Rathaus gegen Einsparungen beim Theater. Nächste Woche soll es vor den Ratssitzungen in Krefeld und Mönchengladbach erneut Proteste geben. (Archiv

Bereits Anfang Dezember demonstrierten hunderte Krefelder vor dem Rathaus gegen Einsparungen beim Theater. Nächste Woche soll es vor den Ratssitzungen in Krefeld und Mönchengladbach erneut Proteste geben. (Archiv

Dirk Jochmann

Bereits Anfang Dezember demonstrierten hunderte Krefelder vor dem Rathaus gegen Einsparungen beim Theater. Nächste Woche soll es vor den Ratssitzungen in Krefeld und Mönchengladbach erneut Proteste geben. (Archiv

Krefeld. Die Uhr tickt, und Intendant Jens Pesel hat seit Monaten vor diesem Moment gewarnt. "Wir sitzen in der Zeitfalle", sagt Pesel. Gibt es kommende Woche in den Stadträten Krefeld und Mönchengladbach keine Entscheidung zum Etat, steuern die Vereinigten Bühnen auf eine Katastrophe zu. "Dann ist für 2009/10 nichts mehr zu retten", erklärt Pesels Stellvertreter Christian Tombeil. "Dann können wir das Ding auch gleich in den Rhein kippen."

Woher kommt der Zeitdruck?

Der Spielplan für 2009/10 müsste längst stehen, inklusive aller Verträge. Doch Pesel hat keine Aussage der Politik, wie viel Geld er zur Verfügung hat. "Am 28. Oktober haben wir zum ersten Mal das Wort ’Beratungsbedarf’ gehört", sagt Theater-Sprecher Martin Siebold. "Jetzt ist Ende Januar." Sämtliche Appelle Pesels, er benötige Planungssicherheit, blieben ungehört. Erste Künstler haben bereits Konsequenzen gezogen und verlassen das Theater.

Wie viel Geld fehlt dem Theater?

Für die laufende Spielzeit fehlen eine Million Euro. Nach monatelangem Ringen wollen CDU und FDP in Gladbach das Geld nun offenbar doch noch zur Verfügung stellen. Eine Insolvenz des Theater wäre damit abgewendet. Doch auch für die nächste Spielzeit fehlen aufgrund von Tariferhöhungen weitere 600 000 Euro. "Nur mit diesem Geld können wir in Qualität und Quantität unseren bisherigen Standard halten", sagt Jens Pesel.

Was droht andernfalls?

Genehmigt die Politik das Geld nicht, greift Pesels "Fixkostenmodell" - für den Intendanten ein "Horrorszenario". Statt 16 Premieren gäbe es nur noch vier, der Rest wäre aufgewärmte Kost aus der jeweils anderen Stadt. Einsparungen wären unter anderem in minderwertiger Ausstattung und abgespeckter Werbung sichtbar. Allerdings müssten keine Abos gekündigt werden, der Theatervertrag bliebe unverändert. Das Modell birgt jedoch laut Pesel ein "hohes Risiko": Niemand weiß, wie viele Einnahmen durch das Sparprogramm wegfallen.

Was passiert 2010?

Der Gau käme mit Verzögerung: Pesels Nachfolger Michael Grosse hätte zum Start kein einziges Stück, das er übernehmen könnte. "Für ihn ist das eine Katastrophe", sagt Pesel. Grosse hätte weder Zeit noch Geld, die komplette Spielzeit aus dem Boden zu stampfen. Spätestens dann müssten wohl alle 7000 Abos des Theaters gekündigt werden.

Warum hängt das an 600 000 Euro?

Das Theater hat aktuell einen Etat von rund 24 Millionen Euro. Davon sind weit über 90 Prozent fixe Kosten, an denen sich kurzfristig laut Pesel "überhaupt nichts drehen lässt": 20,5 Millionen Personalkosten, 710 000 Euro Mieten, dazu Versicherungen, Verbandsbeiträge und Ähnliches. Als reine Produktionskosten bleiben gerade zwei Millionen Euro. Deshalb hat der relativ geringe Betrag eine "ungeheure Auswirkung auf das Programm". Zumal das Theater nach eigenen Angaben in zwei Spielzeiten bereits selbstständig 900 000 Euro eingespart hat.

Welche Perspektive hat das Theater?

In der Politik hoffen viele auf das Actori-Gutachten, das am 3. Februar vorgestellt werden soll. Es zeigt Einsparpotenziale am Theater ab 2010 auf. Das betrifft den neuen Generalintendanten Michael Grosse, der bis zum 1. März eine mittelfristige Finanzplanung bis 2015 sehen möchte. Auf Anfrage konkretisiert er dies: "Bei meiner Vorstellung war von Finanzproblemen die Rede, aber weder von Substanzverlust noch von Personalabbau. Man muss sich nur anderswo umgucken, welche Konsequenzen Einsparungen am Theater haben."

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