Schulden angehäuft: Stadtwerke haben die Versorgung mit Wasser und Erdgas gesperrt.

nachgehakt
In ihrer Wohnung an der Jägerstraße hatte Handan Turkmen Wasser nur in Kanistern. Archiv

In ihrer Wohnung an der Jägerstraße hatte Handan Turkmen Wasser nur in Kanistern. Archiv

Andreas Bischof

In ihrer Wohnung an der Jägerstraße hatte Handan Turkmen Wasser nur in Kanistern. Archiv

Krefeld. Für Handan Turkmen hat sich das Problem erledigt: Die Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses an der Jägerstraße bezieht am 1. Juni eine neue Wohnung – und genießt, dass dann wieder das Wasser läuft, wenn sie die Hähne aufdreht. Darauf muss die alleinerziehende Mutter in ihrer jetzigen Wohnung seit Monaten verzichten, auch Erdgas gibt es nicht. Badezimmer und Küche sind bei Handan Turkmen und ihrer Wohnungsnachbarn außer Betrieb.

Hauseigentümer hat Rechnungen der Stadtwerke nicht bezahlt

Am 10. März haben die Stadtwerke Krefeld (SWK) das Mietshaus von der Versorgung abgeschnitten. Schulden im fünfstelligen Bereich waren aufgelaufen, weil der Hauseigentümer Rechnungen nicht bezahlt hatte. Seit 2011 gebe es die Probleme, mehrfach wurde die Versorgung eingestellt, erläuterte SWK-Sprecher Dirk Höstermann. Zwischenzeitlich sei ein Teil der Schulden beglichen worden, die vereinbarten Ratenzahlungen waren danach allerdings ausgeblieben.

Aus Sicht der SWK war der Lieferstopp für Wasser und Erdgas im März unvermeidlich, auch wenn man mit den Mietern die falschen treffe, wie Höstermann zugibt. Auch deshalb sei eine Sperrung immer das letzte Mittel.

Die Hausbewohner wenden sich an Freunde und Verwandte, um zu duschen, Wäsche zu waschen oder zu kochen und tragen kanisterweise Wasser ins Haus.

An einem Wochenende Ende April sah es so aus, als sei das Problem behoben: Wasser floss aus allen Leitungen. Doch der Anschluss war widerrechtlich geöffnet worden und bald erneut zu. „Nach wie vor haben wir keinen Zahlungseingang des Vermieters zu verzeichnen. Er hat sich zuletzt auch noch nicht wieder gemeldet“, teilt Dirk Höstermann jetzt mit. Auch eigene Versuche, den Mann zu erreichen, seien vergeblich gewesen. „Insofern haben wir nach wie vor die Situation, dass das Wasser abgesperrt bleibt.“

Auszug ist für Mieterin die einzige Lösung

Rund 3500 Energiesperrungen gibt es laut Stadtwerken pro Jahr, meist allerdings „nicht spektakulär“, wie SWK-Sprecher Dirk Höstermann sagt. Die Hälfte gehe auf Leerstände nach Wohnungswechseln und Todesfällen zurück.

Werden die Nebenkosten mit der Miete an die Hausverwaltung gezahlt und führt diese die Beträge nicht ab, haben Hausbewohner nur als geschlossene Mieternotgemeinschaft die Chance, gegenüber den Stadtwerken als Kunden aufzutreten. Infos gibt es im SWK-Kundenzentrum. www.swk.de

Weil ihr Vermieter die Nebenkosten offenbar nicht abführt und auch notwendige Reparaturen in ihrer Wohnung nicht ausführt, hat Handan Turkmen im März ihre Mietzahlung inklusive der Nebenkosten eingestellt. Selbst darauf hat der Hauseigentümer nach ihren Angaben nicht von sich aus reagiert. Über ihre Anwältin hat Handan Turkmen jetzt fristlos gekündigt und nach intensiver Suche eine Wohnung gefunden. Sie freut sich auf „ein neues Dach über dem Kopf und fließendes Wasser“.

Leserkommentare (8)


() Registrierte Nutzer