Gerd Mützenich und Dirk Sievert werden von Hermann-Josef Roos abgelöst.

Dirk Sievert (63) zeichnete für den kaufmännischen Part bei der EGK verantwortlich. (Archiv
Dirk Sievert (63) zeichnete für den kaufmännischen Part bei der EGK verantwortlich. (Archiv

Dirk Sievert (63) zeichnete für den kaufmännischen Part bei der EGK verantwortlich. (Archiv

A. Bischof

Dirk Sievert (63) zeichnete für den kaufmännischen Part bei der EGK verantwortlich. (Archiv

Krefeld. Der Urlaubsspaß in Österreich und in Malaysia dürfte Dr. Gerd Mützenich und Dirk Sievert gründlich vergangen sein: Gestern Mittag wurden die beiden Geschäftsführer der Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK) von ihrer Mutter, den Stadtwerken Krefeld (SWK), darüber informiert, dass sie mit "sofortiger Wirkung" von ihren Aufgaben entbunden worden sind. Das hatten SWK-Aufsichtsrat und Gesellschafterrat von Entsorgungsanlagengesellschaft (EAG) und EGK in Sondersitzungen am Vormittag beschlossen.

SWK wurden nicht über Schrottdiebstähle informiert

Vordergründig soll der plötzliche Rauswurf nach WZ-Informationen mit dem noch laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen mindestens neun Mitarbeiter der Müllverbrennungsanlage an der Parkstraße zu tun haben. Wie die WZ im Dezember berichtete, sollen die Mitarbeiter zehn Jahre lang Metallschrott auf eigene Rechnung an einen Händler verkauft und dabei insgesamt 30000 Euro kassiert und in eine "schwarze Partykasse" geleitet haben.

Als die Schrottdiebstähle aufflogen, erstattete das Unternehmen Anzeige, unterließ es offenbar aber, die Mutter zu informieren. Die SWK, die 51 Prozent der Anteile an der EGK halten, sollen nur über den Betriebsrat von der fristlosen Kündigung mehrerer mutmaßlicher Schrottdiebe erfahren haben - und nicht durch die nun gefeuerten Geschäftsführer Mützenich und Sievert.

Dieses Verhalten, so Insider, hätte das Fass zum Überlaufen gebracht. Tatsächlich soll das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter schon seit längerem "angefressen" sein.

Mützenich (57) und Sievert (63) waren nahezu vom Beginn der Privatisierung der einst rein städtischen Müllverbrennungs- und Kläranlage im Geschäft. Fast 20 Jahre lang lenkten sie die Geschicke an der Parkstraße und leiteten auch den Bau des Ersatzkessels K 2 ein, der kommendes Jahr in den Probebetrieb gehen soll.

Die frühere Geschäftsführung der Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage stand - neben drei anderen Beschuldigten aus Krefeld - drei Jahre lang im Interesse der Korruptionsermittler. Die hatten festgestellt, dass Müll-Millionär Helmut Trienekens auch bei Entsorgungsgesellschaft EGK und Stadtreinigungsgesellschaft GSAK ordentlich geschmiert haben soll.

Gut 300000 Euro sollen von Trienekens geflossen sein, allein einer der Beschuldigten soll - auch in einem bereits verjährten Zeitraum - insgesamt 200000 Euro kassiert haben. Das Verfahren wurde 2005 eingestellt, weil laut einem höchstrichterlichen Urteil die Beschuldigten nicht als Amtsträger anzusehen waren. Eine Gesetzeslücke, wie die Richter selbst erkannten.

Unter Hinweis auf "laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft" wollten die Stadtwerke gestern keine Einzelheiten preisgeben. SWK-Vorstand Carsten Liedtke ließ sich nur so viel entlocken: "Letztlich ist über diese Geschichte das Vertrauen so nachhaltig gestört, dass wir keine Möglichkeit zu einer weiteren Zusammenarbeit gesehen haben."

"Um kurzfristig in vernünftiges Fahrwasser zu steuern", so Liedtke, bestellten die Aufsichtsgremien gleich einen Nachfolger: Dr. Hermann-Josef Roos. Der ist 51Jahre alt und war seit 1999 Leiter "Kommunalvertrieb und Stoffstrom-Management" der heutigen Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) in Grevenbroich und Viersen. Zuvor leitete er verschiedene Entwicklungsprojekte in der energetischen Abfallverwertung und in der Abwasser-, Klärschlamm- und Abluftbehandlung.

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