Für die Vogelwelt ist die Anlage ein Idyll zum Balzen und Brüten. Dabei helfen den Piepmätzen auch die Kamele. Wer sich hier alles wohlfühlt, hat Student Julian Hübecker untersucht.

natur
Ein Guanako lässt sich den Fellklau einer Dohle gefallen.

Ein Guanako lässt sich den Fellklau einer Dohle gefallen.

Biologie-Student Julian Hübecker hat die heimischem Wildvögel im Zoo erfasst (Foto: Dirk Jochmann).

Dabei kommt das Rotkehlchen (Foto: Hella Hallmann) am häufigsten vor.

Auch die Spatzenpopulation ist äußerst gesund.

Hallmann)., Bild 1 von 4

Ein Guanako lässt sich den Fellklau einer Dohle gefallen.

Bockum. Ein Blick Richtung Himmel. Kurz kneift Julian Hübecker die Augen etwas zusammen, als er die Äste der Bäume in der Nähe der Savannen-Anlage fixiert. „Der Frühling kommt“ – das ist für Julian Hübecker überhaupt keine Frage. Sicher, am kommenden Sonntag ist meteorologischer Frühlingsbeginn. Aber was heißt das schon, wenn die meisten Zoobesucher noch mit Mütze, Schal und dicken Handschuhen unterwegs sind. Wenn der 25-jährige Bockumer allerdings sagt, dass der Frühling kommt, dann meint er etwas ganz anderes.

Tiere zu zählen, ist gar nicht einfach, wenn sie klein sind

Die heimische Vogelwelt singt sich warm fürs Balzen und Brüten. Ob Blaumeise, Spatz oder Rotkehlchen, diese Bewohner des Zoos, auf die vermutlich nur wenige Gäste achten, suchen sich in Nischen oder Nisthilfen ein Zuhause für den Nachwuchs.

Hübecker weiß, wo sie wohnen. Denn der Biologie-Student hat hier für seine Bachelor-Arbeit „Die Wildvögel im Zoo Krefeld“ geforscht. Dabei ging es vor allem darum, die Arten und Zahl zu bestimmen und ihre Reviere zu kartieren. Und das ist eine echte Herausforderung bei solch meist kleinen und mobilen Tieren. Während der Bockumer die größeren Exemplare wie Stockenten, die sich an den Gewässern des Zoos breitmachen, einfach zählen konnte – zum Zeitpunkt seines Projekts waren es 125 –, musste er die kleinen an ihrem Gesang erkennen.

„Ich bin fast verrückt geworden, als ich einen hohen Ton nicht einordnen konnte.“

Julian Hübecker, Biologie-Student

„Es ist kein Problem, Vögel nach ihrem Aussehen zu identifizieren. Aber die verstecken sich nun mal“, sagt Hübecker. Selbstverständlich sei es einfach, einen Haussperling auszumachen. „Der Gesang ist ja nicht der Schönste, aber sehr typisch.“ Das finde er beispielsweise bei Rotkehlchen und Heckenbraunelle „gar nicht so einfach“, sagt Hübecker, der seine Ohren bei Spaziergängen am Elfrather See für diese schwierige Aufgabe trainiert hat. Auch Vogelbücher mit Gesangsbeispielen waren ihm eine große Hilfe.

36 heimische Arten leben zwischen den Exoten

Schon immer sei das Interesse Tieren und dabei besonders an Vögeln „weit vorne gewesen“, sagt der 25-Jährige über seine Studienwahl und sein Bachelor-Projekt. „Ich habe immer gewusst, dass ich was mit Tieren machen will. Ich weiß nicht, woher das kommt. Viele sagen, mein Opa hat mir das mitgegeben.“ Der habe sich sehr für Vögel interessiert, habe sie vom Balkon aus mit dem Fernglas beobachtet, hatte Nachschlagewerke. Bei ihm habe er „ich weiß nicht, wie viele Bücher gelesen“, sagt Hübecker. Bücher, die er mittlerweile selbst im Regal stehen hat. Aber die Tatsache, dass er in der Nähe des Zoos aufwuchs, als Kind Dauerbesucher war, hält der Student für den wahrscheinlichsten Grund für seine berufliche Orientierung.

Den Frühling kann man nicht früh genug willkommen heißen: Schicken Sie uns Ihre Frühlingsboten-Fotos an stadtteile.krefeld@wz.de

Julian Hübecker, 25, gebürtiger Krefelder, Abitur 2008 an der Gesamtschule Kaiserplatz. Biologie war eines seiner Hauptfächer. Biologie-Studium in Düsseldorf, Wechsel für den Master nach Bochum. Abschluss voraussichtlich im Sommer. Hübecker arbeitet derzeit auch als Zoo-Führer.

Der meteorologische Frühlingsbeginn ist der 1. März. Beim kalendarischen ist es in diesem Jahr der 20. März.

Weitere Beispiele für die entdeckten heimischen Vögel sind Ringel- (7), Hohl- (1) und Türkentauben (sie wurden nur nachgewiesen, aber ohne Brutverdacht). Außerdem Einwanderer wie Nil- (2) und Rostgänse (20) sowie ein einzelnes Mandarin-Enten-Männchen, das sich erfolglos mit Stockentenweibchen zu paaren versucht. Auch Halsbandsittiche – eigentlich Zuchtvögel – treiben sich im Zoo wild herum.

Drei Monate lang war der gebürtige Krefelder für seine Studien-Arbeit jeden Tag für mehrere Stunden im Zoo. „Morgens und abends, weil Vögel nun einmal in der Dämmerung singen.“ Das Ergebnis: Der Zoo, der Exoten aller Art hegt und pflegt, ist auch eine ideale Heimat für die hiesigen Vögel. 36 Arten hat Hübecker gefunden. Buchfinken, Grünfinken, Kohlmeisen, Schwanzmeisen. „Und ich habe auch einen Sperber gesehen, über den habe ich mich am meisten gefreut“, erzählt der Bockumer. Die häufigsten Brutvögel im Zoo sind nach seinen Erkenntnissen Rotkehlchen (18 Brutreviere) und Zaunkönige (14 Reviere).

Sie alle haben ideale Lebensbedingungen. Es gibt immer etwas zu fressen, das man den Zoo-Tieren aus Gehegen stibitzen kann. Und auch für den Nestbau ist alles Nötige zu finden. Zum Beispiel: Kamelhaar, damit es beim Eierlegen besonders kuschelig wird. Die Dohlen picken dabei gerne loses Winterfell vom Rücken der Paarhufer. Und die Ponys lassen sich diese Art des Rückenkraulens gern gefallen.

Die Dohlen finden zum perfekten Brüten in Mauer-Lücken oder unter Dachziegeln des Grotenburg-Schlösschens ein Zuhause. Am Ponystall oder der alten Futtermeisterei ist das Efeu oft ein einziges großes Zwitscher-Grün – voller Sperlinge. Im Elefantenhaus fühlen sie sich spatzen-wohl. Arten wie Blau- oder Kohlmeisen begeistern sich für die zahlreichen Fledermaus-Kästen im Zoo. In Zukunft soll es mehr Nisthilfen geben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer