Gruppe hat sich den historischen Tänzen verschrieben. Geübt wird im Pfarrheim.

wza_1500x977_669196.jpeg
Im Pfarrheim der Thomaskirche übt die Gruppe historische Tänze.

Im Pfarrheim der Thomaskirche übt die Gruppe historische Tänze.

Dirk Jochmann

Im Pfarrheim der Thomaskirche übt die Gruppe historische Tänze.

Krefeld-Traar/Verberg. Passend zur Jahreszeit hat der Tanzmeister "The Spring" (englisch für Frühling) ausgesucht, einen Country Dance aus dem England des späten 17. Jahrhunderts. "Wir schreiten, kreisen und bilden eine Promenade", gibt Wolfgang Wieners (79) die Richtung an. "Die Fußspitzen berühren als erstes den Boden." Das gibt den Figuren eine graziöse Leichtigkeit. Dann aber geht es los mit den Anforderungen an das Bewegungsgedächtnis.

Der Traarer Kreis für historische und höfische Tänze übt. Jeden Mittwoch und einmal im Monat auch sonntags kommen die Tänzer im Pfarrheim der evangelischen Thomaskirche an der Moerser Landstraße, Ecke Luiter Weg, zusammen. Die Fans reisen mitunter auch aus Leverkusen und Neuss an.

Frauen sind im Tanzkreis in der Überzahl

Der Jurist und frühere Richter und Beamte im Justizministerium Wieners macht die Vorgaben, dabei ist er nicht der Älteste. Ilse Thiel hat ihm vier Jahre voraus. Aber Wieners ist der Motor des Kreises. Dabei sind er und seine Frau Hannelore per Zufall an die historischen Tänze geraten. Vor 28 Jahren erhielt ihre Tochter eine Einladung zu einem Seminar mit Tänzen der Renaissance und des Barock auf Burg Rothenfels am Main. Da fuhren dann die Eltern spontan hin und kamen von dem Hobby nicht mehr los.

Später steckten sie auch Krefelder Freunde an und gründeten vor über 25 Jahren den Tanzkreis. Auftritte folgten bei Pfarrfesten, auf dem Kulturmarkt oder bei der Straßenmodenschau. Diese seien zwar seltener geworden, "sie sind aber noch drin".

Seit knapp einem Jahr sind Heidi und Dieter Michel dabei: "Wir haben immer schon gerne getanzt. Die höfischen Tänze haben wir bei VHS-Kursen kennen gelernt. Und dann sind wir auf Wolfgang Wieners gestoßen." Ein Neuling ist auch Heidrun Hütten (54), die gerne Drehleier spielt und die alte Musik mag.

Getanzt werden unter anderem Gavotte und Sarabande, Bourrée und Gigne sowie Menuett und Polonaise aus dem Barock, Basse Dance und andere aus der Renaissance sowie Galliard, Courante, Allemande oder Intrade aus dem Rokoko, hinzu die englischen Country Dances.

Beim "Spring" gehören zwei Paare zueinander, die nach der ersten Strophe die Plätze getauscht haben. Es geht "linksschultrig" am Partner vorbei, hin und wieder muss ein Paar "Bäumchen" spielen und abwarten. "Stopp, das war jetzt zu heftig", mahnt Wieners und lässt Figuren wiederholen.

Die Damen sind im Traarer Tanzkreis in der deutlichen Mehrheit. Das liegt nicht nur an der höheren weiblichen Lebenserwartung in der Alterklasse. "Männer sind in Deutschland recht tanzfaul", hat Wolfgang Wieners festgestellt. "Zur Zeit der englischen Königin Elisabeth I. war das anders, da war es Männerpflicht und -ehre, sich an den Tänzen zu beteiligen. Und die Königin konnte wohl ganz schön wirbeln mit den Männern."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer