Als Leiter der Funzel hat Hans Zischewski viele Kinder im Stadtteil beim Erwachsenwerden begleitet.

Gartenstadt
Hans Zischewski leitet das Jugendzentrum seit 20 Jahren.

Hans Zischewski leitet das Jugendzentrum seit 20 Jahren.

Andreas Bischof:

Hans Zischewski leitet das Jugendzentrum seit 20 Jahren.

Krefeld. An einer Wand des Jugendzentrums Funzel hängt eine Installation, die Geschichten erzählen kann. 1969 wurde das in Trägerschaft des evangelischen Kirchengemeindeverbandes stehende Haus als Einrichtung mit Offener Tür in Betrieb genommen. Für jedes Jahr, das die Funzel besteht, hängt dort eine kleine, mit der jeweiligen Jahreszahl beschriftete Leinwand. Auf mancher sind mehr Signaturen, auf mancher weniger. „Das sind alles Unterschriften von ehemaligen Besuchern, die Jahre später noch einmal vorbeigekommen sind“, erklärt Hans Zischewski.

Vor 20 Jahren besuchten viele Kriegsflüchtlinge die Funzel

Seit 20 Jahren leitet Zischewski das Jugendzentrum an der Breslauer Straße. Als er anfing, besuchten viele Flüchtlinge das Jugendhaus. Die Flüchtlinge seien in einer alten Kaserne an der Emil-Schäfer-Straße untergebracht gewesen und hätten gut ein Drittel der Besucher ausgemacht. „Viele waren Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Einige belastet mit drastischen Erfahrungen“, erinnert Zischewski sich. „Da musste oder konnte man einfach nur zuhören.“

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Altersstruktur geändert

Zischewski hatte damals den Eindruck, dass die Flüchtlinge nicht gut behandelt wurden. „Also haben wir versucht, ihnen ganz normal mit Respekt zu begegnen.“ Das hat wohl Eindruck hinterlassen. In den vergangenen Jahren hätten immer wieder Jugendzentrums-Gäste von damals in der Funzel vorbeigeschaut. Menschen, die Zischewski seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Verändert habe sich in den vergangenen zehn Jahren die Altersstruktur der Besucher. Früher hätten auch viele junge Erwachsene das Jugendzentrum besucht. Mit den Jahren sei das Publikum immer jünger geworden. Heute gebe es eine steigende Anzahl von Grundschulkindern, die sich regelmäßig in der Funzel die Zeit vertreiben. Insgesamt empfindet Zischewski die heutigen Besucher als „pflegeleichter“. Darum können heute, im Gegensatz zu früher, auch ehrenamtlich tätige Jugendliche hinter der Theke des Jugendzentrums stehen.

Jugendliche helfen bei der Kinderbetreuung

Zurzeit packen zehn 14- bis 18-Jährige in der Einrichtung mit an. Sie kümmern sich um die Kinderbetreuung und helfen bei Freizeiten. Eine von ihnen ist Pascale Fuhrmann. Sich zum Beispiel in der Ferienbetreuung zu engagieren, mache ihr einfach Freude, erzählt die 15-Jährige: „Wir kennen uns hier alle und machen unsere Späße, es ist immer sehr lustig.“

Das Jugendzentrum Funzel verfügt unter anderem über einen Discoraum mit Bühne, einen frisch eingerichteten schallisolierten Proberaum, einen Fitness-, Karaoke- sowie einen Computerraum und einen Brennofen für Ton-Arbeiten.

Seit 2006 schauen auch die Schüler der Bodelschwingh-Schule an der Breslauer Straße vorbei. Zweimal pro Woche besuchen Schüler der Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung die Funzel. „Für einige war das Auftreten der Schüler erst mal beängstigend, mittlerweile werden die Bodelschwingh-Schüler gar nicht mehr als besonders wahrgenommen“, erklärt Zischewski den Erfolg der integrativen Arbeit.

Wenn Hans Zischewski von der Arbeit im Jugendzentrum erzählt, muss er auch eine langjährige Weggefährtin erwähnen. Viel bedeutender als sein eigenes Jubiläum findet er nämlich das von Hege Schöndelen. Von Anfang an hat sich die 88-Jährige in der Funzel ehrenamtlich engagiert. Vor kurzem wurde sie nach 40 Jahren Jugendarbeit verabschiedet.

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