Der 71-Jährige verlässt die Gemeinde Herz-Jesu und zieht nach Hüls. Dort will er weiter für seine Mitmenschen da sein.

Pfarrer Karl-Heinz Teut an seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Bockum.
Pfarrer Karl-Heinz Teut an seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Bockum.

Pfarrer Karl-Heinz Teut an seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Bockum.

Dirk Jochmann

Pfarrer Karl-Heinz Teut an seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Bockum.

Krefeld. Für die Bockumer Pfarre Herz-Jesu wird die Sonntagsmesse am 14. Juni eine ganz besondere sein. Pfarrer Karl-Heinz Teut wird sich an diesem Tag nach 34-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschieden.

Auch wenn bei ihm selbst etwas Wehmut mitschwingt, hat er sich diese Entscheidung gut überlegt. „Das Alter ist erreicht, die Kraft der früheren Jahre ist nicht mehr da“, sagt der 71-jährige. Bereits mit 65 Jahren hätte er in den Ruhestand gehen können, mit 75 Jahren ist ein Priester dazu verpflichtet. „Ich wollte diese Entscheidung selbst treffen, sie soll nicht von außen kommen“, betont er.

Einen ersten Schritt der Trennung hat er mit dem Auszug aus dem Pfarrhaus bereits vollzogen. „Es ist ein altes Gesetz, dass man außerhalb des Pfarrgebietes wohnen sollte“, sagt er mit einem Lächeln. In Hüls hat er eine Wohnung gefunden, in der er sich wohlfühlt und sieht in dem Stadtteil auch einen guten Ausgangspunkt für weitere Einsätze als Priester. „Ich komme dorthin, wo man mich braucht“, sagt Teut. In Absprache mit dem Bistum wird er künftig aushilfsweise zum Einsatz kommen. „Ich freue mich darauf“, betont Teut, der bisher neben dem priesterlichen Dienst auch sehr viele bürokratische Aufgaben bewältigen musste.

Als Seelsorger war er für rund 14 000 Gläubige zuständig

Seit 2010 leitet und betreut er gemeinsam mit seinem Kollegen Karlheinz Alders die aus fünf Pfarreien zusammengelegte Großgemeinde St. Christophorus. „Alle hatten Vorbehalte, ob das gut geht, wenn es nicht in jeder Gemeinde einen Pfarrer vor Ort gibt“, erinnert er sich. Um trotzdem als Seelsorger für fast 14 000 Katholiken präsent zu sein, müsse man vor allem gut organisiert sein. „Wir sehen als Pfarrer unsere Aufgabe darin, mit den Menschen zusammen zu sein.“ betont er. Teut selbst ist offen auf die Menschen der anderen Gemeinden zugegangen und hat auch viel Offenheit erfahren.

Nach seiner Beobachtung ist in den letzten fünf Jahren schon manches zusammengewachsen. Ein Beispiel dafür ist die Kirchenmusik, die mehrere Chöre zu einer Gemeinschaft vereinigt hat. Die engsten Kontakte hat Teut nach wie vor in seiner alten Gemeinde Herz Jesu. 1981 kam der gebürtige Mönchengladbacher hier her. Es war und blieb seine einzige Pfarrstelle, an einen Wechsel hat er nie ernsthaft gedacht. „Ich habe die Menschen hier sehr schätzen gelernt, sie sind interessiert und bringen sich sehr ein“, sagt er.

Über die Jahre ist er mit den Schicksal vieler Familien vertraut

Auch wenn es heute insgesamt schwieriger ist, Menschen für den Glauben zu gewinnen und Traditionen dabei weniger eine Rolle spielen, sieht Teut die Entwicklung der Gemeinde positiv. „Die Menschen sind anspruchsvoll und sie wählen bewusst aus, in welcher Kirche sie die Messe besuchen wollen.“ Viele hat er über Jahre als Seelsorger begleitet, ist mit ihren Familien und Schicksalen vertraut. Engen Kontakt pflegt er auch zum Kindergarten der Gemeinde, unvergessen sind seine Besuch dort als verkleideter Nikolaus.

Dass demnächst aufgrund der personellen Situation auch Messen wegfallen werden, empfindet er nicht nur negativ. „Man muss auch andere Modelle entwickeln und die Menschen vielleicht auch mehr fordern“, sagt er. So können Wortgottesdienste oder auch Beerdigungen von speziell dafür beauftragten Laien durchgeführt werden. Trotzdem wünscht er seinem Kollegen Alders, dass er bald wieder von einem weiteren Priester unterstützt wird. „Ein Fünkchen Hoffnung gibt es noch“, sagt er.

Für seinen Ruhestand möchte er nicht zu viele Pläne machen, sondern ist froh, über seine Zeit dann mehr selbst bestimmen zu können. Seine bisherigen Freizeitbeschäftigungen Wandern, Reisen und Konzertbesuche wird er weiter pflegen und sich sonst auf seinen priesterlichen Dienst konzentrieren. „Ich bin Priester und bleibe es auch“.

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