Das Kinderheim Bruckhausen lädt seine Nachbarn ein, um Therapiemethoden und die Einrichtung vorzustellen.

wza_1500x1000_496696.jpeg
Karl Pickartz, Einrichtungsleiter des Kinderheims Bruckhausen hofft auf viele Besucher am Samstag.

Karl Pickartz, Einrichtungsleiter des Kinderheims Bruckhausen hofft auf viele Besucher am Samstag.

Dirk Jochmann

Karl Pickartz, Einrichtungsleiter des Kinderheims Bruckhausen hofft auf viele Besucher am Samstag.

Traar. Eine Zirkusvorstellung auf den Rücken von Pferden, einen Kletterturm und viele weitere Aktivitäten hat sich die evangelische Kinder- und Familienhilfe Bruckhausen für ihr Maifest am Samstag ausgedacht.

Idyllisch liegt die Kinder- und Familienhilfe inmitten eines kleinen Parks. Das imposante Haus, an Bruckhausen 33, wird bereits seit den 50er Jahren als Kinderheim genutzt. Die Einrichtung selbst besteht schon seit mehr als 100 Jahren. 44 Kinder leben im Moment im Heim selbst, viele ältere Jugendliche leben außerhalb des Geländes in betreuten Wohneinrichtungen, die sie auf ein selbständiges Leben vorbereiten. "Unser Ziel ist, die Kinder nach etwa zwei Jahren wieder in ihre Familien einzugliedern", so Karl Pickartz, der Einrichtungsleiter.

Das Fest dient auch dazu, in der Bevölkerung Vorurteile gegenüber Heimkindern abzubauen. "Manche der Kinder erzählen in der Schule nicht, dass sie im Heim leben, aus Angst vor den Reaktionen", erklärt Pickartz. Er fände es wichtig, dass die Menschen erkennen, es mit Kindern zu tun haben, die etwas Pech in ihrer Familie hatten. Das Heimleben solle als Teil einer Lebensgeschichte verstanden werden, weder seien die Kinder dadurch komplizierter noch ginge es ihnen im Heim schlecht. "Die alten Bilder müssen aus den Köpfen der Menschen, wir haben hier kein Gitter vor den Fenstern und bemühen uns sehr, die Familien wieder zusammenzuführen", sagt Pickartz.

Das Jugendamt vermittelt die Kinder an die Heime weiter, die einen pädagogischen Auftrag erfüllen und mit den Eltern an Lösungen arbeiten. "Dass Kinder von ihrem vierten bis zum 18. Lebensjahr im Heim bleiben, gibt es heute nicht mehr", sagt Pickartz. Im Schnitt braucht die Familie zwei Jahre, um die Verhältnisse zu verbessern. In Ausnahmefällen kann es sein, dass die Eingliederung nicht gelingt. Je nach Alter werden dann Pflegefamilien oder betreute Wohneinrichtungen gesucht. "Wir können nicht gegen die Eltern arbeiten, sie müssen sich auf unsere Hilfe einlassen, ansonsten können wir nur verlieren", erklärt Pickartz.

Die Kinder in Bruckhausen profitieren vor allem von der Reittherapeutin und den zehn Pferden. Durch Reiten oder Karatetraining sollen die Kinder Misstrauen überwinden und durch Erfolgserlebnisse soll ihr Selbstvertrauen gestärkt werden. "Wir achten schon darauf, dass die Kinder nicht zuviel Angebot auf dem Gelände haben, damit sie auch Vereine besuchen, raus kommen und neue Leute kennen lernen. Wenn sie dann wieder zuhause sind, ist die Umstellung sonst zu groß", sagt Pickartz.

1870 erbaut, ehemaliger Sommersitz der Familie vom Bruck.

Zum ursprünglichen Grundstück zählt der englische Landschaftsgarten - der heute als Park der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Bis Ende des zweiten Weltkriegs als Gutshaus genutzt, später Domizil des Krefelder Golfclubs. Ab 1933 Heim der NSDAP-Ortsgruppe Traar-Verberg und gegen Kriegsende eine Schule. Nach dem zweiten Weltkrieg vom Evangelische Gemeindeverband gekauft, um ein Waisenhaus einzurichten.

Es leben 44 Kinder im Haus, nur ein Waisenkind ist darunter.

Zum Fest sind alle Ehemaligen, Nachbarn, Freunde und Interessierte eingeladen, von 14 bis 18 Uhr, die Einrichtung kennen zu lernen, alte Bekannte wieder zutreffen und Spaß zu haben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer