Markus Groß kämpft um seinen Laden, das Chocolate Fish Café. Viele sind unzufrieden mit dem Angebot.

Bockum
Die Bistrogaststätte Zum Bierhaus muss zum 1. Juni geschlossen werden. Auch andere Gastronomien in Bockum haben Probleme. Fotos (2): Andreas Bischof

Die Bistrogaststätte Zum Bierhaus muss zum 1. Juni geschlossen werden. Auch andere Gastronomien in Bockum haben Probleme. Fotos (2): Andreas Bischof

Bischof, Andreas (abi)

Die Bistrogaststätte Zum Bierhaus muss zum 1. Juni geschlossen werden. Auch andere Gastronomien in Bockum haben Probleme. Fotos (2): Andreas Bischof

Krefeld-Bockum. Einige Tische sind besetzt. Die Gäste trinken Bier und rauchen. Im Hintergrund ist die Leinwand aufgebaut, auf der später ein Fußballspiel gezeigt werden soll. Im Chocolate Fish Café im Herzen Bockums ist es nie ganz leer – wirklich voll aber auch nicht.

„Mein Laden steht auf der Kippe. Im vergangenen Sommer hatte ich 80 Prozent Umsatzeinbußen, weil durch das schlechte Wetter kaum jemand den Biergarten genutzt hat“, sagt der Inhaber Markus Groß. Auch die Rezession habe dazu beigetragen, dass die Bockumer weniger vor die Tür gehen und der Nachtexpress halte die Jugendlichen davon ab, auf dem Nachhauseweg von der Stadt auf ein Bier vorbeizuschauen. Groß würde seinen Laden, der Bar, Café und Restaurant in einem ist, gerne modernisieren – doch dafür fehlt das Geld.

Ähnlich geht es Domenik Draaken von der Bistrogaststätte Zum Bierhaus. Er muss seinen Laden zum 1. Juni schließen. „Mir ist das Rauchverbot zum Verhängnis geworden, da ich keine Speisen mehr anbieten kann“, sagt er. „Da 95 Prozent meiner Gäste Raucher sind, konnte ich sie zum Qualmen nicht vor die Tür schicken“, sagt er.

Auch die Traditionsgaststätte Schütenhof steht seit Langem leer, ebenso die Räume des früheren Restaurants Alt Bockum.

Hans Volmer bietet in der Dorfschänke frische, regionale Küche an. Auch er hat es nicht leicht, beschwert sich jedoch nicht: „Wir müssen alle kämpfen, nicht nur in Bockum.“ Er betreibt seine Gastronomie neben der Tankstelle seit dreieinhalb Jahren. „Bockum hat viele Stärken – ein reges Vereinsleben mit Sport- und Karnevalsvereinen und Skatclubs, die sich regelmäßig treffen. Das ist ein wichtiger Aspekt, wenn man keine Laufkundschaft hat.“

„Die familiäre Stimmung bei uns passt gut zu den Bockumern.“
Antonio Cantarella, Ars Vivendi

Der 19-jährige Bockumer Riccardo Schüren ist mit dem Angebot in Bockum nicht zufrieden. „Für Jugendliche gibt es hier nichts. Wenn ich ausgehen möchte, fahre ich in die Innenstadt.“ Auch Bettina Blasius, die in der Bockumer Buchhandlung arbeitet und im Stadtteil wohnt, findet, dass etwas fehlt: „Allerdings ist das kein Problem des Stadtteils, sondern von Krefeld allgemein. Die Gastronomieszenen in Düsseldorf oder Essen sind besser.“

Es gibt aber auch Ausnahmen – längst nicht alle Gastronomieangebote laufen schlecht. Beim Italiener Ars Vivendi zum Beispiel ist es immer voll. Antonio Cantarella betreibt den Laden mit seiner Frau Pina. „Ursprünglich war es ein Feinkostladen, in dem wir einige Speisen angeboten haben, aber inzwischen sind wir ein richtiges Restaurant“, erzählt Cantarella. Er legt großen Wert auf eine familiäre Atmosphäre, die seiner Meinung nach gut zu den Bockumern passt: „Hier soll sich jeder wie ein Familienmitglied fühlen, nicht wie ein Kunde.“ Darum gibt es eine offene Küche, sodass die Gäste beim Kochen zuschauen können – allerdings schließt sie um 20 Uhr.

Gerade feierte das Chocolate Fish Café seinen fünften Geburtstag. „Da war viel los, es gab 25 Prozent auf alle Getränke“, sagt Groß. Immer wieder versucht er, mit Aktionen Gäste anzulocken, eine Tageskarte mit wechselnden Gerichten gibt es auch. Der 36-Jährige fühlt sich in Bockum sehr wohl: „Ich habe hier alles, was ich brauche: einen Optiker, Bäckereien, Lebensmittelläden und vieles mehr. Nur an der Gastronomieszene hapert es.“ Doch er macht weiter: „Hoffentlich gibt es einen heißen Sommer und eine spannende Fußball-Europameisterschaft. Dann kommen auch wieder viele Gäste.“

Wie sehen Sie die Gastronomieszene in Bockum und Krefeld allgemein? Diskutieren Sie am WZ-Mobil mit. Es steht am Mittwoch, 16 bis 17 Uhr, am Bockumer Platz.

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