Denkmal oder Abbruchobjekt? Ein geplanter Neubau wird zum Wahlkampfthema.

Der Stein des Anstoßes: Das so genannte Gärtnerhaus an der Schönwasserstraße, das vor dem Abbruch steht.
Der Stein des Anstoßes: Das so genannte Gärtnerhaus an der Schönwasserstraße, das vor dem Abbruch steht.

Der Stein des Anstoßes: Das so genannte Gärtnerhaus an der Schönwasserstraße, das vor dem Abbruch steht.

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Der Stein des Anstoßes: Das so genannte Gärtnerhaus an der Schönwasserstraße, das vor dem Abbruch steht.

Bockum. Oben ein dreieckiger Giebel mit einem Halbkreisfenster, darunter zwei Etagen mit Fenstern in einer gegliederten Backsteinfassade, ein Mitteleingang, das Ganze 88 Jahre alt: Das Gärtnerhaus an der Schönwasserstraße zwischen Wilhelmshof- und Hüttenallee erhitzt die Gemüter. Ist das Haus ein Denkmal oder nur schön und verzichtbar?

Eine Anfrage bei der Stadt, ob ein Abbruch und Neubau denkbar seien, geriet in den Vorwahlkampf. Jetzt soll das Thema am 17. März auf die Tagesordnung des Kultur- und Denkmalausschusses. Dann ist der Kommunalwahltag noch näher. Aber wenn die Stadt den Abbruch verbietet, ohne dass ein Denkmal ausgewiesen ist, kann der Eigentümer klagen.

Bis zur nächsten Sitzung sollen noch mehr Fakten auf den Tisch

Bis zur Sitzung hofft Ausschuss-Vorsitzender Hans-Peter Kreuzberg auf mehr Fakten. Bisher weiß die Baubehörde nur, dass das Haus im Zusammenhang mit einem großen Wohnhaus an der Hüttenallee 1921 für den Stahlwerkdirektor Alexander Pobel errichtet wurde. Das Wohnhaus erlitt im Zweiten Weltkrieg einen Bombenschaden, war lange eine Ruine und wurde später durch einen Bungalowbau ersetzt.

Wer der Architekt war, wie das große Haus aussah, ob das Gärtnerhaus auf demselben Reißbrett entstand, weiß die Denkmalbehörde nicht. Spekulationen machen die Runde. Denkmalschützer Gerhard Hanisch: "Wenn wir ein Foto von dem Haus an der Hüttenallee hätten, könnten wir vielleicht Rückschlüsse ziehen."

Nach derzeitigen Erkenntnissen hält die Denkmalpflege, nicht nur die städtische, sondern auch die "obere" des Landeskonservators in Brauweiler, das Gärtnerhaus nicht für denkmalwürdig, da es sich um ein untergeordnetes, aus einfachen Materialien errichtetes Gebäude handle. Die Sprossenfenster sind nachgeahmt, das Haus hat eine geringe Tiefe, im Inneren ist eine Treppe quer eingezogen worden, an das Wohnzimmer wurde nach Osten ein Anbau errichtet.

Fachleute behaupten, es sei kein Denkmal. Aus der Politik kommen Töne, als sei Krefelds Geschichte in Gefahr. Das Haus bietet einen hübschen Anblick, vor allem, wenn im Sommer die Rosen an der Fassade ranken. Mal vom Stimmenfang abgesehen, der bis zum 7. Juni viele Debatten bestimmt: Alt ist kein Wert an sich, und 88 Jahre sind eigentlich kein Alter. Was lässt die Menschen am gewohnten Anblick hängen? Angst vor neu! Bauherren und Architekten liefern seit Jahren zu viele schlechte Beispiele. Wenn die Menschen wüssten, was anstelle des Gärtnerhauses entstehen soll, könnten sie abwägen. Schon mit einer guten Skizze könnte der Grundstückeigner für Sachlichkeit sorgen. Wenn diese Qualität hat, kann ganz anders geurteilt werden.

Als die Anfrage bekannt wurde, hagelte es Stellungnahmen: SPD-Ratsherr Jürgen Hengst erklärte das Gärtnerhaus zu einem "prägenden Element und Zeugnis der Krefelder Geschichte", Grünen-Ratsfrau Heidi Matthias meldete sich gleich mehrfach, wertet das Haus als "stadtbildprägendes Gebäude", als "bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte" mit "identitätsstiftender Funktion". 

Bezirksvorsteher Hans-Jürgen Brockers (CDU) würde "es bedauern, wenn das Haus abgerissen würde", FDP-Chef Joachim C. Heitmann stellte sich sofort gegen jegliche Abbruchgedanken, und der Historiker Reinhard Feinendegen mahnte, es sei besser, das Haus stehen zu lassen, auch wenn es kein Denkmal sei.

Für Feinendegen ist wichtig zu wissen, was an der Stelle des alten Hauses gebaut werden soll: "Wenn da eine hervorragende Architektur entsteht, muss man sich mit einem Neubau abfinden können." Damit würde aber der Charme des alten verloren gehen. Baudezernent Thomas Visser rechnet allerdings nicht damit, dass ein Abriss verhindert werden kann.

Dagegen läuft vor allem die Grünen-Ratsfrau Sturm. Heidi Matthias, die knapp 200 Meter entfernt wohnt, befürchtet als Neubau ein "Architektenhaus im fantasielosen Staffelbaucharakter", wie es sie genügend in der Stadtwaldgegend gebe. Sie hat einen Kompromiss parat: Bei der Größe des Grundstücks könne der Eigentümer das Mehrfamilienhaus ja hinter das alte setzen.

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