Der Arbeitskreis demonstriert jeden Montag gegen die Schließung der Bibliothek. Aufgeben will er noch lange nicht. Mindestens bis April soll der Protest weitergehen.

Befürworter der Bücherei Uerdingen drücken mit einer stillen Lesung ihren Protest gegen die Schließung der Bibliothek aus.
Befürworter der Bücherei Uerdingen drücken mit einer stillen Lesung ihren Protest gegen die Schließung der Bibliothek aus.

Befürworter der Bücherei Uerdingen drücken mit einer stillen Lesung ihren Protest gegen die Schließung der Bibliothek aus.

Dirk Jochmann

Befürworter der Bücherei Uerdingen drücken mit einer stillen Lesung ihren Protest gegen die Schließung der Bibliothek aus.

Krefeld-Uerdingen. Eigentlich wollte Manfred Follmer die Lausbubengeschichten von „Max und Moritz“ zum Besten geben. Jetzt hat ihm der Rummel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vergangenen Montag war Kirmes in Uerdingen und der Vorleser schaffte es nicht mit dem Mikrofon gegen den Jahrmarkt anlesen.

Die Demonstranten machen es sich auf einer Decke bequem

Als Ersatz findet eine „stille Lesung“ in einem Halbkreis aus aufgestellten Grablichtern statt. Sechs Männer, fünf Frauen und ein zehnjähriges Mädchen sind dabei. Einige haben sich auf die Treppe gesetzt, andere sich auf einer rotkarierten Decke niedergelassen. Ein Herr mit Strohhut hat sich einen hellblauen Klappstuhl mitgebracht und zwei Damen bleiben einfach stehen. Es ist gar nicht so laut, wie befürchtet: Jeder kann in Ruhe in einem Buch schmökern.

Die Geschäfte haben geschlossen, es kommt kaum ein Passant vorbei

Die Geschäfte haben bereits geschlossen. Es kommt kaum mehr ein Passant vorbei. Die Mülltonnen werden für den nächsten Tag vor die Tür gestellt. Von den wenigen Kirmesbesuchern interessiert sich keiner für das friedliche Sit-in, mit dem der Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ seine Initiative für die Wiedereröffnung der Bücherei Uerdingen fortsetzt.

Joachim Michalski hat auf der Kirmes einen Stand mit Lakritze und Weingummi. Der Duisburger betrachtet das lesende Grüppchen, stemmt die Hände in die Hüften und schüttelt den Kopf. „Das wird auch nicht helfen“, meint er skeptisch. Ellen Rühl findet den stillen Protest gut. „Ich habe gegen die Schließung unterschrieben, aber ich würde mich hier nie hinstellen“, sagt sie.

„Bis nächstes Jahr im April möchten wir das bei Wind und Wetter am Köcheln halten.“

Norbert Sinofzik, Mitglied im Arbeitskreis

 

Am 5. August liest Julia Trapp aus „1984“ von George Orwell, am 12. August liest Sabine Alofs aus „Ein italienischer Sommer“ von Gabriele Kunkel, am 19. August liest Sabine Woycke aus „Reise um die Erde in 80 Tagen“ von Jules Verne und Manfred Follmer liest am 26. August aus „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch. Die Lesungen finden immer vor der Bücherei Am Marktplatz 5 in Uerdingen, immer von 18.30 bis 19 Uhr.

Im Schnitt kommen seit Ende Mai 25 Leute zu den Montagslesungen. „Bis nächstes Jahr im April möchten wir das bei Wind und Wetter am Köcheln halten“, sagt Arbeitskreis-Mitglied Norbert Sinofzik. „Dann wird die Bücherei 100 Jahre alt.“ Auch ginge dann der Kommunalwahlkampf in die heiße Phase über. Norbert Sinofzik hält ein Schild hoch. „Lesen gefährdet die Dummheit“ steht darauf und „Bücherei Uerdingen muss bleiben.“

Sabine Woycke ist jeden Montag mit von der Partie. „Mir liegt die Bücherei seit Kindertagen am Herzen“, sagt sie. Heute liest sie „High Fidelity“ von Nick Hornby. Für potentielle Leser, die spontan mitmachen möchten, hat sie vorsorglich „Ersatzbücher“ mitgebracht.

Ein Ehepaar aus Linn nimmt zum ersten Mal an der Aktion teil. Während sie sich in „Die Tribute von Panem“ vertieft, verschlingt er den Schwedenkrimi „Die Toten, die niemand vergisst“.

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