Ob groß oder klein – heil muss es sein. Im Brempter Hof kamen viele Familien zum Eierkeppen.

Uerdingen
Stephan Kolbe mit Tochter Olivia (zwei Jahre) und Ina Ortmanns mit Sohn Anton (15 Monate) präsentieren wie das mit dem Eierkeppen funktioniert.

Stephan Kolbe mit Tochter Olivia (zwei Jahre) und Ina Ortmanns mit Sohn Anton (15 Monate) präsentieren wie das mit dem Eierkeppen funktioniert.

Dirk Jochmann

Stephan Kolbe mit Tochter Olivia (zwei Jahre) und Ina Ortmanns mit Sohn Anton (15 Monate) präsentieren wie das mit dem Eierkeppen funktioniert.

Krefeld. Gepellt sind sie alle gleich. Doch bevor es soweit ist, ist Kampf bis zum Zerbersten angesagt: „Der obere Teil des Eies „de Spetz“ und der untere Teil „et Bohl“, das hohle Ende, werden gegeneinander geschlagen. „Spetz op Spetz und Bohl op Bohl“, lautet der Schlachtruf.

Wer nach dem zweimaligen Stoß ein unzerbrochenes Ei in den Händen hält, gewinnt, hat den Eiersalat am Abend. Denn der Sieger bekommt als Preis das zerschlagene Ei. Ganz viele Menschen versammeln sich jedes Jahr am Ostersonntag zum traditionellen Eierkippen auf dem Brempter Hof. 1000 bunte Hühnerprodukte stehen auch diesmal für den lustigen Eierkampf parat.

Überall sind die kleinen Knackgeräusche zu hören. Meist folgt Gelächter oder ein gut gemeinter Fluch auf die Attacke. Wer eine Strategie besitzt, kommt weiter. Jennifer Scholzen hält ihr „original Killer-Ei“ sicher und fest in Händen. „Es ist von den freilaufenden Hühnern meines Opas. Wir werden hier standhalten“, ist sie sicher. Doch: Nach dem vierten „Kampf“ ist der orangefarbene Held kaputt. „Verschmitzt zieht die Frau einen weiteren absolut sicheren Kampfeinsatz aus der Jackentasche. „Das zweite Ei läuft bestimmt“, sagt sie. Gaby Albrecht ist mit Tochter Sonja (9) und deren Freundin Sarah (10) zum Eierkippen gekommen. 30 Eier haben sie als „Munition“ auf der Palette. „Kaputt heißt gewonnen“, erklärt die Mutter.

20 Cent kosten die kunterbunten Eier des Uerdinger Heimatbundes

„Wir nehmen hier teil, seitdem die Kleine den Kinderwagen nicht mehr braucht. Im vergangenen Jahr hatten wir zum Schluss 60 Eier. Ich habe vorsichtshalber diesmal einige leere Eierkartons dabei.“ Ihre „Gegnerin“, Birgit Angenvoort, war schon mit den Eltern beim Eierkippen. „Es ist eine schöne Tradition. Mit den gewonnen Eiern füllen wir den Braten.“

Matthias Schieferbein ist der Schatzmeister des veranstaltenden Uerdinger Heimatbundes. Er verkauft mit seinen Helfern die vielen kunterbunten Ovale für 20 Cent. „Es ist die Tradition des Gebens und Nehmens, die hier gepflegt wird“, erklärt der aktive Mann. Er verrät auch einen Siegertrick: „Man muss dem Gegner so wenig wie möglich Angriffsfläche bieten.“

Das Eierkippen, die sogenannte Eierkeppe, ist ein Brauch aus dem 18. Jahrhundert und wird beim Uerdinger Heimatbund seit 1981 veranstaltet. Es hat zum letzten Mal im Brempter Hof stattgefunden. Der Heimatbund bezieht im Bügeleisen am Zollhof seine neue Bleibe.

Wo im nächsten Jahr das bunte Treiben stattfindet, steht noch nicht fest. „Wir haben mehrere Optionen für einen Austragungsort“, sagt Schatzmeister Matthias Schieferbein.

Für ganze Familien ist der Brempter Hof Anlaufpunkt, Freundeskreise treffen sich. Zwischendurch spielen kleine Kinder auf der Wiese mit dem Ball, trinken die Erwachsenen Kaffee oder ein Frühschoppen-Bierchen. Bernd und Heidi Müller werben für ihre moderne Art der Schnitzeljagd, dem Geocaching. „Wir hatten etwa 60 Anmeldungen“, freut er sich.

Derweil begrüßt Henriette Friemelt ihre Freundin Angelika Ballmann, die noch nie beim Eier-Zweikampf dabei war. „Gewinnen ist nicht wichtig“, erklärt Friemelt. „Es ist die jährliche Tradition, die zählt, dass man zusammensteht und erzählt. Das Eierkippen ist eine schöne Sache.“

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