Vera Sovric arbeitet ehrenamtlich für die Lebenshilfe und unterstützt eine junge Mutter. So gibt sie ihrem Alltag Struktur.

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Vera Sovric in der Küche des Uerdinger Treffs an der Bruchstraße. Hier unterstützt sie jeden Montag eine Sozialpädagogin bei der Arbeit.

Vera Sovric in der Küche des Uerdinger Treffs an der Bruchstraße. Hier unterstützt sie jeden Montag eine Sozialpädagogin bei der Arbeit.

Andreas Bischof

Vera Sovric in der Küche des Uerdinger Treffs an der Bruchstraße. Hier unterstützt sie jeden Montag eine Sozialpädagogin bei der Arbeit.

Krefeld. In ihrem Job hat sie immer 150 Prozent gegeben, die beiden Töchter hat sie alleine groß gezogen und zum Schluss auch noch die kranke Mutter gepflegt. Und jetzt, nach der Pensionierung, soll das alles gewesen sein? Eine Frage, die Vera Sovric beschäftigt hat. Doch anstatt den ganzen Tag in den eigenen vier Wänden zu sitzen, hat sie sich entschlossen, aktiv zu werden: Sie arbeitet jetzt als Ehrenamtliche im Uerdinger Treff und beim Freiwilligenzentrum der Stadt Krefeld.

"Ich bin noch fit und gesund. Den ganzen Tag tatenlos herum sitzen - das ist nichts für mich", sagt die mittlerweile 66-jährige. Sie hätte durchaus noch weiter arbeiten können, fügt sie scherzend hinzu. Nachdem Vera Sovric sich entschlossen hatte, ehrenamtlich aktiv zu werden, erkundigte sie sich zunächst über mögliche Angebote beim Freiwilligenzentrum. "Es gibt dort viele Möglichkeiten, sich einzubringen", erzählt sie.

Seit fast drei Jahren ist sie jetzt für die Krefelder Lebenshilfe tätig. Dienstags hilft sie im Dr.-Walter-Taenzler Haus an der Voltastrasse 72, einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Dort unterstützt sie die Leiterin bei der Zusammenstellung von Gruppen, übernimmt kleinere Näharbeiten und erledigt auch sonst alles, was anfällt.

Im Sommer 2008 hat Vera Sovric eine Familienpatenschaft übernommen

Doch nach dem Dienstag folgen noch zahlreiche andere Tage in der Woche, die es zu füllen gilt. So hat Vera Sovric im Sommer letzten Jahres eine Familienpatenschaft übernommen. "Ich greife jeden Donnerstag einer jungen allein erziehenden Mutter unter die Arme", erzählt Sovric. Sie nehme die dreijährige Tochter und den sechs Monate alten Säugling auch schon mal zu sich, damit die Mutter ein paar Stunden für sich habe. "Kinder bringen Lebensfreude", erklärt die Rentnerin. Deswegen mache ihr die Arbeit auch viel Spaß.

Im Sommer mache sie auch Ausflüge mit den Kleinen. Wann immer Not am Mann ist, springt sie ein. Während der Schwangerschaft hat sie die werdende Mutter zur Frauenärztin gefahren und ihr schwere Arbeiten abgenommen. "Die Familienpatenschaft ist wirklich eine tolle Sache. Schade ist nur, dass sie nicht mehr offiziell vermittelt wird."

Neben der Arbeit im Dr.-Walter-Taenzler-Haus und der Familienpatenschaft unterstützt sie seit September jeden Montag von 10 bis 14 Uhr die Diplom-Sozialpädagogin Henny Zander-Bobis im Uerdinger Treff. In dem Haus an der Bruchstrasse 54 können behinderte Menschen im Ruhestand den Tag abwechslungsreich und unter Menschen verbringen. "Ohne die Hilfe von Vera würde ich es überhaupt nicht schaffen", sagt Zander-Bobis.

Es sei schwierig, auf die Wünsche jedes Tagesgastes einzugehen und dennoch auf die ganze Gruppe zu achten. Sie ist froh über die helfenden Hände. Vera Sovric merkt diese Dankbarkeit. "Die ehrenamtliche Arbeit gibt nicht nur den anderen etwas, sondern auch mir selbst. Ich gebe meinem Alltag eine Struktur und nehme weiterhin teil an der Gesellschaft", betont die 66-jährige.

Sie möchte aber nicht missverstanden werden. "Ich genieße mein Rentnerdasein." Sie ist in zwei Freizeitvereinen, geht viel Wandern und Radfahren. Eine der letzten Radtouren ging von Meran nach Venedig. "Wir waren eine Woche lang unterwegs." Vera Sovric tut die Arbeit gut. Sie kann es anderen Rentnern nur ans Herz legen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Es lohnt sich.

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