Zahlreiche Demonstranten folgen dem Ruf des Arbeitskreises und demonstrieren für den Bibliothek-Erhalt.

Zum Abschluss der Protestaktion sangen die Teilnehmer „Die Gedanken sind frei“.
Zum Abschluss der Protestaktion sangen die Teilnehmer „Die Gedanken sind frei“.

Zum Abschluss der Protestaktion sangen die Teilnehmer „Die Gedanken sind frei“.

Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt versammelten sich die Demonstranten vor der Bücherei.

Jochmann, Dirk (dj), Bild 1 von 2

Zum Abschluss der Protestaktion sangen die Teilnehmer „Die Gedanken sind frei“.

Krefeld. Fast hätte es geklappt. Doch eine kleine Lücke klafft an der Kurfürstenstraße in der Menschenkette. Diese hat sich unter der Überschrift „Bücher (ver)binden“ auf den Bürgersteigen rund um die Uerdinger Bücherei formiert. Einige hundert Bürger engagieren sich, trotzen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und eisigem Wind. „He Ho Ha – Die Bücherei bleibt da!“, skandieren sie Samstag um fünf vor zwölf, der symbolischen Uhrzeit. Die Stadt hat vorgeschlagen, die Einrichtung im Zuge der Sparmaßnahmen zu schließen.

Barbara Rühe ist ein Glied in der Kette und steht an der Rathausecke. „Eine Unterschrift abgeben geht schnell. Als Uerdinger muss man hier mitmachen. Wir haben beide einen Leseausweis“, sagt sie und bezieht ihren neben ihr stehenden Mann in das „wir“ mit ein. „Für ältere Leute, die es finanziell und körperlich nicht schaffen, in die Mediothek zu kommen und für die vielen Uerdinger Schulkinder muss die Einrichtung bleiben.“

Den Arbeitskreis freut der rege Zuspruch der Bevölkerung

Augustynia Bozena und ihre Mutter Christina tragen sich in die Unterschriftenliste zum Erhalt der Einrichtung am Stehtisch ein: „Ich habe einen Leserausweis und mag alles, am liebsten Krimis“, erklärt die Mutter. „Mit 65 Jahren schaffe ich es nicht in die Stadt.“

Die beiden Frauen reihen sich in die Menschenkette ein. Einige Teilnehmer halten einen wärmenden Kaffee-Becher in der Hand. Viele tragen T-Shirts über der Winterjacke, haben einen kleinen beschrifteten Button angesteckt und halten kleine Transparente hoch. „Erhalten: Stadtbücherei Uerdingen“, steht darauf oder „Keine Eierei mit der Bücherei“.

Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski ist vor Ort und erklärt: „Die Uerdinger Bücherei hat eine langjährige Geschichte. Wir werden alles tun, um sie zu erhalten. Es ist kein Muss, dass sie geschlossen wird. Aber im Zug der Haushaltsberatungen machte die Verwaltung diesen Sparvorschlag.“

Michaela Sorge hat einen Fünf-Punkte-Plan zur Rettung erarbeitet, aufgeschrieben und verteilt nun das Papier an die Passanten. Einer ihrer Tipps: „Verschenken Sie einen Jahresbeitrag als Gutschein. Mit nur 23 Euro kann nicht nur die Uerdinger Bücherei genutzt werden, sondern auch die Krefelder Mediothek.“

Peter Lommes plädiert für den Erhalt der Bücherei, weil er als Kind viel ausgeliehen hat. „Jetzt kann ich mir die Bücher, die ich lesen will, kaufen.“ Es könne nicht sein, dass das Geld für öffentliche Einrichtungen nicht da ist, weil sich die Ratsmitglieder gegen Steuererhöhungen ausgesprochen haben“, findet er.

Susanne Tyll und Bernhard Hennen sind vom Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“. Die beiden freuen sich über die große Beteiligung und den regen Zuspruch, sind „sehr zufrieden“, auch wenn es eine kleine Lücke gegeben hat. Tyll: „Wir haben jetzt genau 5329 Unterschriften zusammen. Wir werden sie dem Rat an einem guten Zeitpunkt übergeben und hoffen, dass die Bücherei bestehen bleibt. Jetzt wird nicht mehr gesammelt. Wer sich noch eintragen möchte, kann sich melden.“

Zum Abschluss der Protestaktion kommen alle Beteiligten vor der Bücherei zusammen. Gemeinsam singen sie: „Die Gedanken sind frei.“

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