17 Anwohner des Oranierrings wollen die Stadt zwingen, gegen den Lkw-Verkehr vorzugehen.

Krefeld. Seit 40 Jahren wohnen Cläre und Wilhelm Bodden in dem Mehrfamilienhaus am Oranierring 60 in Sichtweite des Nordbahnhofes. "Früher haben wir sonntags regelmäßig auf unserem Balkon Kaffee getrunken", erzählt Cläre Bodden

Das ist längst nicht mehr möglich. Seit drei Jahren kann das Ehepaar nicht einmal mehr die Fenster öffnen, um zu lüften. "Seitdem die Unterführung Ritterstraße/Deutscher Ring geöffnet ist, hat der Pkw- und Lkw-Verkehr massiv zugenommen", berichtet Nachbar Herbert Hoffmann.

Über die Straße zu kommen wird zum Glücksspiel, Lärm, Schmutz und Erschütterungen sind in jedem Winkel des Hauses zu spüren. Nachts durchzuschlafen sei kaum mehr möglich, berichtet das Ehepaar.

Seitdem es die Lkw-Maut gibt, nutzen immer mehr Schwerlaster die Strecke, sagt Hoffmann, der bereits im Jahr 2006 Unterschriften gesammelt hat. 214 kamen damals zusammen (die WZ berichtete). "Passiert ist seitdem, außer einer Menge Vertrösterei, so gut wie nichts", sagt Hoffmann. Ein letztes Schreiben an den Oberbürgermeister im Oktober blieb unbeantwortet.

Das Verwaltungsgericht hat die Anklageschrift akzeptiert

Nun klagt er gemeinsam mit 16 anderen betroffenen Bewohnern des Hauses Oranierring 60 gegen die Untätigkeit der Stadt Krefeld. Eine entsprechende Anklageschrift ihres Rechtsanwaltes Werner Fliescher ist Anfang Dezember vom Verwaltungsgericht Düsseldorf akzeptiert worden, die Verfahrenskosten sind bereits bezahlt.

Auch die Anwohner der Dahlienstraße haben Unterschriften gegen den Lärm auf der Berliner Straße gesammelt. Die Situation können die Betroffenen am WZ-Bus schildern. Er steht am Mittwoch, 14. Januar, von 16 bis 17 Uhr an der Kreuzung mit der Vadersstraße. Sie können Ihre Meinung auch faxen an die 855-2824 oder mailen: redaktion.krefeld@ westdeutsche-zeitung.de

Inzwischen steht auch der Streitwert fest: Es geht um 225000Euro, für jeden Klagenden 15000Euro. Das Geld würde in Lärmschutz an der Fassade und an den Fenstern investiert, erklärt der Rechtsanwalt, der für den Verband Haus und Grund arbeitet.

Dabei geht es nicht vornehmlich um das Geld. Fliescher: "Wir wollen den Druck erhöhen. Die Verwaltung und die Politik sollen sich endlich bewegen." Düsseldorf und Köln wären beim Thema Lärmminderung und Feinstaub-Vermeidung deutlich weiter.

Dass Krefeld hinter dem gesetzlich vorgegebenen Zeitplan liegt, erklärt der Umweltamtsleiter Helmut Döpcke mit fehlenden Daten des Eisenbahnbundesamtes. "Die Daten sind erst im Dezember eingetrudelt. Vollständige Daten sind zwingend notwendig, um ein Gesamtbild zu haben", erklärt Döpcke.

35 gefährdete Stellen, an denen die Grenzwerte für Feinstaub überschritten werden könnten, gibt es im Stadtgebiet. Eine Feinuntersuchung wird bis Ende Januar abgeschlossen sein. Danach setzt sich die Stadt mit dem Land zusammen und berät, wie der Staub vermieden werden kann.

Beim Thema Lärm sieht der Amtsleiter bei fünf bis sechs Straßenabschnitte Handlungsbedarf, darunter ist der Oranierring. Welche Maßnahmen in den Lärmminderungsplan aufgenommen werden, daran können die Krefelder mitarbeiten. Voraussichtlich im April wird das Umweltamt alle Betroffenen zu Informationsforen einladen.

"Möglich sind verschiedene Maßnahmen. Von Lärmschutzwällen und -wänden, über den Straßenbelag, die Reduzierung der Geschwindigkeit bis hin zu Lärmdämmung an den Häusern", erklärt Döpcke, der den Fall Oranierring wegen des laufenden Verfahrens nicht detailliert kommentieren will.

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